Prozess

Keine zweite Chance für Gewalttäter

Wegen teils schwerer häuslicher Gewalt und etlichen Vorfällen am Rand von Fussballspielen muss ein junger Mann mehrere Jahre ins Gefängnis.

Unter den FCZ-Fans fand der gestern verurteilte junge Mann zwar Freunde, er beging aber auch Straftaten als Hooligan.

Unter den FCZ-Fans fand der gestern verurteilte junge Mann zwar Freunde, er beging aber auch Straftaten als Hooligan. Bild: Sabina Bobst

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16 Seiten lang ist die Anklageschrift gegen den 23-Jährigen aus der Stadt Zürich, dessen Fall gestern vor dem Bezirksgericht Zürich verhandelt wurde. Die Liste der Vorwürfe reicht von eher harmlosen Delikten wie Beschimpfungen und Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz bis hin zu Freiheitsberaubung und Gefährdung des Lebens. Das Gericht hat ihn dafür zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Bei den Delikten, die er als Hooligan vor und nach Spielen des FCZ begangen haben soll, handelte es sich um die leichteren Vorwürfe. Schwerwiegender waren die Übergriffe auf damalige Partnerinnen.

Begangen hat der Mann die Taten von 2015 bis 2018. «Es ist unüblich, dass eine Untersuchung so lange dauert, aber es gab einfach immer wieder neue Vorfälle», sagte die Vorsitzende Richterin. Sieben Mal war der junge Mann vorübergehend in Haft. Kaum wieder draussen, stellte er erneut etwas an. Auch im laufenden Jahr wurde bereits eine neue Strafuntersuchung gegen ihn eröffnet und er verbüsste eine Ersatzfreiheitsstrafe von 45 Tagen wegen unbezahlter Bussen.

Lebensgefährlich gewürgt

Bei den schwerwiegendsten Vorwürfen ging es um häusliche Gewalt. Davon betroffen waren zwei ehemalige Partnerinnen des Beschuldigten. Beim einen Vorfall soll es nach einem verbalen Streit in der Wohnung der Frau zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen sein, während dieser er sie mehrfach würgte. Dies trug ihm den Anklagepunkt Gefährdung des Lebens ein. «Das stimmt nicht», sagte er vor Gericht. Sie sei während des Streits auf ihn losgegangen und hätte ihn geohrfeigt. «Da habe ich sie am Arm gepackt und ihr gesagt, sie solle sich beruhigen.»

Auch seine Verteidigerin bestritt den Vorwurf. Die Privatklägerin habe im Laufe des Verfahrens drei verschiedene Versionen des Würge-Vorfalls aufgetischt. Welche nun stimme, wisse man nicht. Objektive Beweise gebe es kaum. Bei einer medizinischen Untersuchung wenige Tag nach dem Vorfall fanden sich keine eindeutigen Hinweise darauf, dass die Frau gewürgt wurde.

Eine andere junge Frau hinderte er während eines Streits zwei Stunden lang daran, den Raum zu verlassen. Zum Schluss brach er ihr das Nasenbein.

Der Staatsanwalt forderte wegen Gefährdung des Lebens und weiterer Delikte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 40 Monaten. Die Verteidigerin verlangte eine Strafe von höchstens 18 Monaten auf Bewährung.

«Ihm fehlt das Urvertrauen»

Sowohl bei der Befragung zur Person durch die Richterin wie auch im Plädoyer der Verteidigerin kam die schwierige Kindheit und Jugend des Angeklagten zur Sprache. Nach der Geburt war er nur sehr kurze Zeit bei der Mutter, da sie an schweren psychischen Problemen littt. Zunächst verbrachte er mehrere Jahre in einem Kinderheim, ehe er in einer Pflegefamilie platziert wurde. Auch dort lief es alles andere als rund, er landete wieder in einem Heim und schliesslich erneut bei einer Pflegefamilie. «Er hatte keinen einfachen Start ins Leben, ihm fehlt es am Urvertrauen», sagte die Verteidigerin. Dies habe negative Auswirkungen auf die Art und Weise, wie er auf Konflikte reagiere und Krisen bewältige. Ein psychiatrisches Gutachten kam zum Schluss, dass keine schwerwiegende Störung vorliegt.

Wie ein roter Faden durch sein Leben zieht sich die Freude am Fussball – im Guten wie im Schlechten. Schon zusammen mit seinem Vater besuchte er als kleiner Junge Spiele des FCZ. Der Vater, laut der Verteidigerin seine wichtigste Bezugsperson, starb, als der Angeklagte elf Jahre alt war. Bei den FCZ-Fans in der Südkurve habe er Freunde gefunden. Allerdings kam es im Umfeld der FCZ-Spiele auch zu den Vorfällen, für die er sich gestern ebenfalls vor Gericht verantworten musste.

Wohl nicht zuletzt wegen der drohenden Freiheitsstrafe, versuchte der Wiederholungstäter zuletzt, Ordnung in sein Leben zu bringen. Er hat zur Zeit einen Wohnplatz mit Betreuung und absolviert ein Praktikum in einem Malerbetrieb. Noch ist das Urteil des Bezirksgerichts nicht rechtskräftig.

Erstellt: 12.06.2019, 19:18 Uhr

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