«Morgen steht ein katastrophaler Feuertag bevor»

Forscher sehen den Klimawandel als Ursache für die Buschbrände in Australien. Die Regierung weigert sich, darauf einzugehen.

Von den tödlichen Buschbränden ist ein rund 1000 Kilometer langer Streifen entlang der Ostküste betroffen. Video: Tamedia

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«Am Dienstag steht ein beispielloser, katastrophaler Feuertag bevor. Es könnte gar die gefährlichste Buschfeuerwoche sein, die dieses Land je gesehen hat.» Das sagte der Minister für die Rettungsdienste in New South Wales, David Elliott, am Montag. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Australiens wüten derzeit 60 verschiedene Buschfeuer. Erstmals seit Einführung des Alarmstufensystems im Jahr 2009 wurde für Sydney eine «katastrophale» Brandgefahr vorhergesagt – die höchstmögliche Stufe.

Im Nachbarstaat Queensland wurden am Montag von der Feuerwehr 47 Brände gezählt. In einigen Teilen des Bundesstaates wurde ebenfalls der Notstand ausgerufen. Auch hier soll die Feuergefahr am Dienstag besonders hoch sein.

Den aktuellen Buschfeuern gingen eine ungewöhnlich lange Dürre, starker Wind, geringe Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen voraus. Experten sehen den Klimawandel als Ursache dafür, dass die Feuer bereits zu Beginn des australischen Sommers tödliche Ausmasse annehmen.

«Der Klimawandel hat die Buschfeuer nicht entzündet. Doch er erhöht das Risiko für Naturkatastrophen. Die Trockenheit, mit der wir konfrontiert sind, ist intensiver als die Millennium-Dürre», sagt Greg Mullins, Mitglied des Klimakonzils und ehemaliger Feuerwehrmann in New South Wales.

Als Prävention gegen Buschbrände lassen die Behörden in Australien gefährdete Flächen jeweils kontrolliert abbrennen. «Bei den trockenen und warmen Bedingungen war dies jedoch weniger bis kaum möglich», erklärt Mullins der «Sydney Morning Herald».

Zwei der bisherigen drei Todesopfer lebten hier: In Glen Innes wurden ganze Quartiere durch die Flammen zerstört. (8. November 2019) Foto: Keystone

Auch der Klimaforscher Ned Haughton ist davon überzeugt, dass der Klimawandel die Buschbrände in Australien bestärkt. «Und es wird noch schlimmer werden», sagt Haughton. «Der Staat gibt sein Bestes, um angemessene Massnahmen gegen den Klimawandel zu unterbinden. Das ist nicht der richtige Weg.»

Der konservativen Regierung von Premierminister Scott Morrison wird immer wieder vorgeworfen, nicht genügend gegen den Klimawandel zu unternehmen. Vizepräsident Michael McCormack griff am Montag Parlamentarier an, die die Brände mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. «Ich brauche nicht die Begeisterung einiger Greenies aus der Hauptstadt», sagte McCormack zu ABC Radio National. Buschbrände habe es in Australien schon immer gegeben. «Was die Menschen jetzt brauchen, ist Sympathie, Verständnis und echte Unterstützung. Sie brauchen Hilfe. Sie brauchen Zufluchtsorte.»

Vizepräsident Michael McCormack hält nichts davon, im Moment über den Klimawandel zu sprechen. Foto: Tracey Nearmy/Getty Images

Der Premier selbst wich am Wochenende Fragen zur Klimakrise in Bezug auf die Feuer aus. Seine Regierung balanciere erfolgreich die Bedürfnisse der australischen Ökonomie und «konkrete Massnahmen gegen die Klimakrise».

Klimaforscher widersprechen jedoch der Behauptung der Regierung, Australien werde der Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllen können. «Wir wissen, dass die durchschnittliche Temperatur in Australien bereits ein Grad Celcius über dem langjährigen Durchschnitt liegt», sagt Richard Thornton, Geschäftsführer des Forschungszentrums für Waldbrände und Naturgefahren zu BBC. Die Emissionen durch Treibhausgase steigen in Australien stetig. 2018 erreichten sie den höchsten Wert, der auf dem Kontinent jemals gemessen wurde.

mit Material der SDA (aru)

Erstellt: 11.11.2019, 13:44 Uhr

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