Frankfurt/Wädenswil

Mutmasslicher Täter von Frankfurt wohnte in Schönenberg

Der Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof war zuvor im Bezirk Horgen wegen häuslicher Gewalt zur Fahndung ausgeschrieben. Er hatte mit seiner Frau und drei Kindern in Schönenberg gewohnt.

In diesem Gebäude in der Tanne (Schönenberg) war der 40-jährige Täter von Frankfurt zuhause.

In diesem Gebäude in der Tanne (Schönenberg) war der 40-jährige Täter von Frankfurt zuhause. Bild: Conradin Knabenhans

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Der mutmassliche Täter, der am Frankfurter Hauptbahnhof einen achtjährigen Jungen und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestossen hat, wohnte mit seiner Frau und drei Kindern in der Tanne, einem abgelegenen Ortsteil zwischen der Stadt Wädenswil und Schönenberg.

Der durch die Kantonspolizei Zürich zur Verhaftung ausgeschriebene Mann hat am Montag in Frankfurt mutmasslich eine Tötung begangen. Er war seit einem Delikt im Bezirk Horgen wenige Tage zuvor national zur Verhaftung ausgeschrieben.

Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter zeigt sich auf Anfrage der «Zürichsee-Zeitung» erschüttert: «Wir sind sehr betroffen von der Situation, die Tat ist abscheulich.» Gemäss Kutter wurde die Familie des Täters zum eigenen Schutz an einen anderen Ort gebracht. Wie an einer Medienkonferenz der Kantonspolizei am Dienstagnachmittag bekannt wurde, ist die Stadt Wädenswil in die Betreuung der Familie involviert.

Der 40-jährige Eritreer wohnte offenbar seit 2007 in Wädenswil und ist mindestens einmal innerhalb der Stadt umgezogen.

National zur Fahndung ausgeschrieben

Wie die Kantonspolizei Zürich in einer Mitteilung schreibt ging am letzten Donnerstagnachmittag bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich eine Meldung über nicht genauer beschriebene familiäre Probleme ein. Die Polizisten rückten an den Wohnort der Melderin aus und stellten fest, dass mehrere Personen in ihrem Wohnhaus eingeschlossen waren. Nach dem Öffnen der Türe zeigte sich, dass der Ehemann seine Frau, die Kinder und eine Nachbarin eingeschlossen hatte. Zuvor hatte er zudem die Nachbarin tätlich angegangen und sie bedroht. Sie blieb dabei unverletzt.

Ob Beziehungsprobleme bestanden haben, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, sagt der stellvertretende Polizeikommandant Bruno Keller an der Medienkonferenz. Die Polizei bestätigt, dass der Mann bei den Zürcher Verkehrsbetrieben gearbeitet hat. Wie lange das Anstellungsverhältnis dauerte, kann die Polizei aber nicht sagen.

«Kein Grund für internationale Fahndung»

Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 40-jährigen Eritreer, der sich seit 2006 in der Schweiz aufhält und heute über eine Niederlassungsbewilligung (C) verfügt. Er befand sich beim Eintreffen der Polizei nicht mehr vor Ort. Nach ihm wurde die Fahndung eingeleitet und der Mann wurde national zur Verhaftung ausgeschrieben.

Laut Major Werner Schmid habe es keinen Grund für eine internationale Fahndung gegeben. «Wir hatten absolut keine Anhaltspunkte, dass der Mann einen Bezug ins Ausland, insbesondere nach Deutschland hatte.» Das sei der Grund gewesen, warum keine Ausschreibung im Schengenraum eingeleitet wurde.

Die Kantonspolizei Zürich erreichte am Montag kurz vor Mittag ein durch das Bundesamt für Polizei (fedpol) koordiniertes Ermittlungsersuchen. Dieses steht im Zusammenhang mit einem am gleichen Tag verübten Tötungsdelikt im Frankfurter Hauptbahnhof, bei dem der mutmassliche Täter festgenommen werden konnte.

Der 40-Jährige Eritreer stiess einen Achtjährigen und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE. Die Mutter konnte sich zwischen die Gleise retten, während der achtjährige Junge vom Zug überrollt und tödlich verletzt wurde. An der Medienkonferenz wurde bestätigt, dass es sich um den zur Verhaftung ausgeschriebenen Eritreer aus Schönenberg handelt.

Der Tatverdächtige war der Zürcher Polizei und der Zürcher Staatsanwaltschaft zuvor wegen Gewaltdelikten nicht bekannt. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben bisher keinerlei Hinweise auf eine Radikalisierung oder ein ideologisches Motiv. Die weiteren Ermittlungen deuteten auf eine schwere psychische Störung des Mannes, wegen welcher er gemäss aktuellen Erkenntnissen krank geschrieben war. Die genauen Tatumstände und Hintergründe sind nicht bekannt.

Die Ermittlungen werden in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, dem Bundesamt für Polizei und den deutschen Ermittlungsbehörden geführt. (has / mst)

Erstellt: 30.07.2019, 17:49 Uhr

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