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Notfallübung am Flughafen

Im Rahmen der ICAO-Notfallübung haben gestern 400 Rettungskräfte das Szenario eines Giftanschlags in der Flughafenmetro beübt.

Die Gäste machen sich beim Dock E ein Bild von der Kooperation der Einsatzleitungen von Feuerwehr, Polizei und Sanität
Die Gäste machen sich beim Dock E ein Bild von der Kooperation der Einsatzleitungen von Feuerwehr, Polizei und Sanität
Leo Wyden

Personen-Dekontamination. Den grossen Container mit Duschen und weissem Vorzelt hatte die Kantonspolizei 2008 für die Fussall-EM angeschafft. Jetzt steht er mitten auf der Flugzeugparkposition E33/E35 beim Dock Midfield. «50 kontaminierte Personen hier zu reinigen ist nicht ganz leicht», erläutert Andreas Lochmeier von der Berufsfeuerwehr Flughafen. Als Teil der gestrigen Übungsleitung führt er den Besuchertross durch die einzelnen Stationen des Grosseinsatzes. «Es könnten hier 50 bis 60 Personen pro Stunde gereinigt werden – Wenn die Leute aber getragen werden müssen, sinkt die Zahl auf 20.»

Vom Gate E36 aus verschaffen sich Feuerwehrmänner in Vollmontur und mit Sauerstoffflaschen Zugang in den abgesperrten Skymetroschacht. Die («echten») Passagiere im Terminal E werden derweil mit grossen orangen Notfallübung-Transparenten «entwarnt».

Je länger, desto mehr Rettungskräfte

Das Übungsszenario ist mit 55 Figuranten angelegt. Um 13.30 Uhr hat ein Terrorist in der Skymetro einen Anschlag mit dem tödlichen Nervenkampfstoff Sarin verübt; durch Betätigen der Notbremse ist das Bähnchen 300 Meter im Tunnelinnern zum Stillstand gekommen; in den Wagen Tote und Schwerverletzte.

«Der erste Alarm geht an die Feuerwehr raus, wegen technischer Evakuierung der Skymetro», sagt Lochmeier. «Auf dem Weg zum Tunnel kommt dann die Information: Hoppla, da fallen ständig Leute um.» Rollende Planung, fortan kommen neue Informationen, müssen die Verantwortlichen vor Ort Entscheide fällen – und je länger der «Notfall» andauert, desto mehr Rettungskräfte stehen im Einsatz. Die Internationale Zivilluftfahrtbehörde ICAO, die diese Übungen vorschreibt, verlangt «full scale», sprich: alle Organisationen müssen beübt werden.

«Es geht hier nicht darum, dass der einzelne den Feuerwehrschlauch richtig hält»

Andreas Lochmeier

Die Kantonspolizei ist mit zig Mann da, Feuerwehr und Rettungsdienst von Schutz und Rettung Zürich und Einheiten vom Zivilischutz, aber auch der Krisenstab vom Flughafen, das Careteam, das Nottelefon der Swiss und das VBS-Labor in Spiez wurden mit beübt. Am Ende sind rund 400 Personen aktiv beteiligt. «Es geht hier nicht darum, dass der einzelne den Feuerwehrschlauch richtig hält», sagt Lochmeier, «sondern darum, dass Stab und Einsatzleitung in einem komplexer werdenden Szenario richtig reagieren». Aber erst dadurch, dass man so viele Leute herumrennen lasse, entstehe eine Reihe von neuen, realistischen Koordinations-, Planungs- und Logistikproblemen, wie man sie am Schreibtisch nie vorhersehen könne.

Neben Vertretern von Medien und beteiligten Organisationen haben sich auch einige Politiker die Übung angeschaut. «Für uns ist das natürlich von Relevanz, zu sehen, wie das im Ernstfall ablaufen würde», sagt Marcel Nötzli, Winkler Gemeindepräsident und Stabschef GFO Bachenbülach-Winkel. Während die Krisenstäbe von Gemeinden durchaus hin und wieder selber beübt werden, war das gestern nicht der Fall. So haben auch die Stadtpräsidenten Paul Remund (Opfikon) und René Huber (Kloten) die Zeit gefunden, den Übungseinsatz aus der Nähe mitzuverfolgen.

Wie erfolgreich der Einsatz verlaufen ist, wird dereinst die detaillierte Auswertung zeigen, die erst in einigen Wochen vorliegen wird. «Laut einer ersten Rückmeldung der Schiedsrichter ist aber nur etwa eine halbe Stunde vergangen, bis die Einsatzleitungen von Feuerwehr, Polizei und Ambulanz einen ersten gemeinsamen Überblicksrapport abgehalten haben – und das ist sehr schnell”, sagte Übungsleiter Mirko Kunz am späteren Nachmittag.

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