Winterthur

Razzia in der An'Nur-Moschee – Imam rief zum Mord auf

Bei der An'Nur-Moschee lief am frühen Mittwoch-Morgen ein grossangelegter Polizeieinsatz. Die Polizei hat acht Personen festgenommen – unter anderem einen Imamen, der öffentlich zum Mord an «Ungläubigen» aufrief.

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Der Einsatz bei der An'Nur-Moschee startete in den frühen Morgenstunden. Die Polizei rückte an der Hofackerstrasse 17 mit mehreren Fahrzeugen vor und verschaffte sich Zutritt zur Moschee.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, wurden beim Einsatz vier Personen aus dem Umfeld der An’Nur Moschee wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen und Gewalt verhaftet. Zudem wurden in der Moschee vier Personen angetroffen, bei welchen der Verdacht auf Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz besteht. Die aus Tunesien und Algerien stammenden Männer zwischen 23-35 Jahren wurden ebenfalls vorübergehend festgenommen.

Die Razzia fand in den frühen Morgenstunden statt. Video: Jakob Bächtold

Neben der Durchsuchung der Moschee wurde auch bei drei Privatpersonen Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Offenbar gingen in jüngerer Vergangenheit bei der Polizei konkrete Hinweise gegen vier Personen aus dem Umfeld der An’Nur Moschee ein. Ein äthiopische Imam, der sich zum Zeitpunkt der Razzia in der Moschee aufhielt und dort verhaftet werden konnte, hatte offenbar im Rahmen einer öffentlichen Predigt in der An'Nur Moschee zum Mord an Muslimen aufgerufen, die sich weigern, an den gemeinsamen Gebeten in der Moschee teilzunehmen.

Zudem soll er die Anwesenden aufgefordert haben, diese Muslime zu denunzieren. Die Rolle der weiteren Beschuldigten im Zusammenhang mit der Predigt ist unklar und Gegenstand der laufenden Untersuchung. Die betreffende Predigt soll am 21. Oktober stattgefunden haben.

Die Staatsanwaltschaft nimmt Stellung zum Polizeieinsatz. Video: Keystone

Vorläufig keine Zwangs-Schliessung der Moschee

Gemäss Informationen des Tagesanzeigers handelt es sich beim Imamen um Shaik Abdurrahman. Er soll auf Hocharabisch gepredigt haben. Abdurrahman ist erst seit kurzem Vorbeter in Winterthur. Er soll im Industriegebäude leben.

Die Stadtpolizei Winterthur kontrollierte im Rahmen der Razzia auch noch die lebensmittel- und feuerpolizeilichen Zustände in der Moschee. Wie sie mitteilt, «geben diese zu weiteren Massnahmen durch die lokalen Behörden Anlass.»

Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die An'Nur-Moschee voraussichtlich Ende Jahr schliessen muss. Die Vermieter lassen den Vertrag mit dem umstrittenen Gotteshaus auslaufen, und der Islamverein findet keine neuen Räume. Er kündigte deshalb an, notfalls rechtlich gegen den Vermieter vorzugehen.

Zur sofortigen Zwangs-Schliessung der Moschee besteht gemäss Kapo zum jetzigen Zeitpunkt nach wie vor keine rechtliche Handhabe.

Der Winterthurer Stadtrat spricht derweil der Polizei und den Strafverfolgungsbehörden sein volles Vertrauen aus. Er begrüsse die Operationen, die am frühen Mittwochmorgen im Umfeld der An'Nur Moschee stattgefunden haben, lässt er in einer Medienmitteilung verlauten.

Winterthur sei durch die Stadtpolizei ausschliesslich in unterstützender Form an den Operationen beteiligt. Federführend seien die Staatsanwaltschaft sowie die Kantonspolizei.

Islamischen Organisationen Zürich prüft Ausschluss der An'Nur Moschee

Die Razzia hat zur Folge, dass nun auch die Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) aktiv wird: Sie prüft, ob sie den An'Nur-Kulturverein, der Mitglied der VIOZ ist, ausschliessen will.

Man werde eine Krisensitzung einberufen, sagt Muris Begovic, Sekretär der VIOZ, gegenüber 20minuten.ch . Zu dieser Sitzung würden der VIOZ-Vorstand sowie die Leitung des An'Nur-Kulturvereins eingeladen. «Ein Ausschluss ist durchaus möglich», so Begovic weiter. «Mordaufrufe dürften nie und nirgendwo geduldet werden.»

An'Nur radikalisierte mehrere Jugendliche

Die An'Nur-Moschee im Winterthurer Stadtteil Hegi geriet in der Vergangenheit mehrmals wegen mutmasslicher Radikalisierung von Jugendlichen in die Schlagzeilen. Mehrere Jugendliche waren nach Syrien gereist und hatten sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Alle sollen in der An'Nur-Moschee (Arabisch für "das Licht") radikalisiert worden sein.

Die Umgebung der An'Nur Moschee war am Mittwoch-Morgen grossräumig abgesperrt. Video: Keystone

(huy/bä/mst/SDA)

Erstellt: 02.11.2016, 09:49 Uhr

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