Landwirtschaft

Trockenheit beschäftigt die Bauern – aber nicht alle gleich

Einigen Bauernhöfen macht der heisse und trockene Frühsommer zu schaffen – stärkere Bewässerung und Ernteeinbussen sind die Folgen. Gewisse Landwirte zeigen sich dagegen zuversichtlich: Es sei «wunderbar», wie alles reift und wächst.

Innert kurzer Zeit ist der Schnittmangold auf Mirjam Weidmanns Beeren- und Gemüsebetrieb in die Höhe geschossen – dank dem Regen am Wochenende.

Innert kurzer Zeit ist der Schnittmangold auf Mirjam Weidmanns Beeren- und Gemüsebetrieb in die Höhe geschossen – dank dem Regen am Wochenende. Bild: Paco Carrascosa

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Geht der Sommer 2018 als nächster Hitzesommer in die Annalen ein? Zumindest die hiesigen Wetterberichte lassen solche Schlüsse zu: MeteoNews etwa vermeldete am ersten Julimontag, dass über die Monate April, Mai und Juni eine Rekordwärme gemessen wurden – einzig im Jahr 2003 war es exakt gleich warm wie in dieser Zeitspanne. Gerade für Landwirtinnen und Bauern wären Rekordwärme und -trockenheit eine Hiobsbotschaft.

Ob das aber tatsächlich eintritt, darüber sind sich die Landwirte in der Region nicht einig. Michael Lienhard vom Embracher Hofladen Guldenberg bestätigt, dass die Trockenheit sich auf seine Kirsch- und Apfelkulturen niederschlägt. Die Folge davon: Gegenwärtig muss er nicht nur, wie gewohnt, die Steinobstbäume bewässern, sondern auch den ganzen Rest. «Ohne Wasser ziehen die Bäume den Früchten wieder Feuchtigkeit ab, was deren Grösse beeinträchtigt», sagt Lienhard.

Besonders kleine Bäume hätten aber selbst dann Mühe, weil ihre Wurzeln nicht so tief schlagen. Bis jetzt zeigt sich der Landwirt aber mit der Ernte zufrieden. «Dieses Jahr sind die Äste voller Kirschen und Äpfel – das ist mir viel lieber als zum Beispiel im vergangenen Jahr, als wir wegen der Kälte 98 Prozent Ernteverlust hatten.»

«Das gehört zum unternehmerischen Risiko»

Auch der Buchser Gemüsebauer Beat Huber sagt, dass die vergangenen Wochen eine Stresssituation für seine Pflanzen – vor allem für die Salate – dargestellt haben. «Es war heiss und trocken, und die Bise liess Feuchtigkeit an der Oberfläche verdunsten, bevor sie zu den Wurzeln gelangte.» Über den Daumen hinweg habe sein Betrieb etwa 10 bis 20 Prozent mehr bewässert als üblich. «Bei den Produkten, die wir per Kilo verkaufen, haben wir geschätzt 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag», hält er fest. «Wenn es in den nächsten drei Wochen nicht regnet, dann wird es schwierig.» Das gehöre aber zum unternehmerischen Risiko. Und: «Wir sind noch weit von einer Extremsituation wie im Jahr 2003 entfernt.»

In dieselbe Kerbe schlägt die Landwirtin Mirjam Weidmann des gleichnamigen Beeren- und Gemüseanbaus in Embrach. «Wir sind mit der Ernte auf unserem Betrieb sehr zufrieden», sagt sie. Die Trockenheit sei zwar Thema gewesen. «Aber wir haben für unsere Erdbeeren und Strauchbeeren ein computergesteuertes Bewässerungssystem. Der Schlauch führt das Wasser direkt zu den Wurzeln, sodass nichts verdunstet.» Einen signifikant höheren Wasserverbrauch könne sie aber nicht verzeichnen. Aufgefallen sei ihr lediglich, dass ihr Schnittmangold nach dem Regen am Wochenende deutlich in die Höhe geschossen ist. «Wunderbar» sei es, wie alles reift und wächst.

Wümmet findet zwei Wochen früher statt

Und wie steht es um den Weinjahrgang 2018? Zumindest der Eglisauer Winzermeister Urs Pircher beruhigt: überhaupt kein Problem. «Besonders die alten Reben wurzeln sehr tief und haben einen guten Boden. Daraus ziehen sie genügend Wasser. Lediglich die ganz jungen Pflanzen haben wir mit einem Schlauch bewässert, das war aber keine grosse Sache.»

Möglich sei, dass die Beeren kleiner ausfallen als in anderen Jahren. Auf die Weinqualität habe dies aber keine Auswirkungen. «Bis jetzt sieht es gut aus. Das kann sich aber auch schnell ändern, etwa wenn das Wetter noch feuchtwarm wird und die Säure zu stark abbaut.» Dies zeigt sich aber erst bei der Wümmet – und die findet heuer aller Wahrscheinlichkeit nach zwei Wochen früher statt als üblich.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.07.2018, 17:49 Uhr

Artikel zum Thema

Otelfinger Bauern buhlten um das Wasser

Otelfingen Hitze und Trockenheit schlagen sich in der Landwirtschaft nieder: Es wird fleissiger bewässert. Nun musste die Gemeinde Otelfingen während elf Tagen ein Kontingent für die Bäuerinnen und Bauern einführen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!