Schöfflisdorf

Was eine Skulptur und Shampoo gemeinsam haben

Beim idyllisch gelegenen Egghof zwischen Schöfflisdorf und Bachs begrüsst die Skulptur eines krähenden Güggels die Wanderer. Erstaunt halten sie Inne und fragen nach dem Sinn: Er ist und war das Markenzeichen von Gustav Guhl, der hier als Ökovorreiter das Shampoo revolutionierte.

Auf dem Egghof zwischen Schöfflisdorf und Bachs?stellte Gustav Guhl in seiner eigenen Brennerei Essenzen  für Shampoos her, die später den Weltmarkt revolutionierten.

Auf dem Egghof zwischen Schöfflisdorf und Bachs?stellte Gustav Guhl in seiner eigenen Brennerei Essenzen für Shampoos her, die später den Weltmarkt revolutionierten. Bild: pd

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Es ranken sich viele Geschichte um Gustav Guhl aus Schöfflisdorf, dem vor 50 Jahren der internationale Durchbruch mit seiner Haarpflegelinie mit Wirkstoffen aus der Natur gelang. Er gilt als Erfinder der Eiercognac-, Pfirsichöl- und Bierhaarshampoos. Weiter experimentierte er in der eigenen Brennerei mit Kräutern aus dem Garten, dem nahen Wald oder den Feldern um seinen Gutsbetrieb auf der Egg.

Seine hochwertigen Erzeugnisse füllte er in Kultflaschen ab, die auf dem Etikett einen krähenden Hahn zeigten. Der Name Guhl steht aus verschiedenen Überlieferungen für Hahn, Huhn oder Güggel. Am jetztigen Ort hingestellt hat das Kunstwerk von Kurt Laurenz Metzler, den Guhl gefördert hat, Helene Christener. Sie ist seit 25 Jahren die Pächterin des Bio-Egghofs, der seit dem Vermächtnis der Guhls im Besitz der Gust&Lyn Guhl-Stiftung ist. Sie setzt sich in der Region und schweizweit für die Förderung des Naturschutzes ein.

So wurden Beiträge an das Naturzentrum im Neeracher Ried oder lokale Vogelschutzvereine geleistet. Unterstützt werden aufgrund des Stiftungszweckes auch Projekte von Schulen in Schöfflisdorf und Oberweningen, sowie in Madagaskar.

Grosszügig und geheimnisvoll

In den 1950er- und 1960er-Jahren zählte Gustav Guhl in seinem Wohnort als schillernde und geheimnisvolle Person. Der damalige Gemeindepräsident Emil Vogel erinnert sich gut an ihn: «Er war liebenswürdiger Mensch und grosszügig. In Verhandlungen konnte aber sehr hart und laut werden.» So beim Bau eines Hochreservoirs oberhalb des Egghofes. «Erst als wir ihn davon überzeugt hatten, dass es bei einem Brand auf dem Hof zur Katastrophe kommen würde, wenn keine Löschreserve vorhanden wäre, willigte er zu einer Kostenbeteiligung ein.»

Seine gelegentlichen Ausraster waren gefürchtet, auch wenn sie für ihn am anderen Tag vergessen waren. Anders verhielt sich der stets elegant gekleidete Unternehmer mit GG-Monogramm auf dem weissen Hemd im Dorf zu Kindern, die er mit Schleckereien verwöhnte. Oder als sein damaliger Pächter Hochzeit feierte, wurden von ihm Füfzgerli statt Feuersteine (Süssigkeit) aus den Kutschen geworfen. Dabei gab es im Kampf um die Münzen viele aufgeschürfte Knies, wie der Schreibende selbst erfahren hat.

Einmal touchierte ein Schüler mit dem Velo Guhls grosses Amerikaner-Auto. Der kinderlose Guhl stieg aus dem Wagen und gab dem eingeschüchterten Knaben einen Fünfliber mit dem Rat: «Kauf Dir bessere Bremsen.» Unvergessen bleibt für viele Schöfflisdorfer, die damals noch Kinder waren, dass Guhl ihnen Servelats zum Bräteln schenkte, wenn sie Wald Tannzapfen oder Holz sammeln mussten.

Klar, dass der Weg von vielen zufällig immer am Egghof vorbeiführte. Seine dortige Brennerei allerdings durfte niemand besichtigen. Das führte immer zu Spekulationen, was er wohl in der «Hexenküche» braute.

Revolutionär und Millionär

Geboren 1910 in Zürich startete Gustav Guhl eine Bilderbuchkarriere als Damencoiffeur und gewann als 22-jähriger den Weltmeistertitel in der Disziplin «Tagesfrisur». In Zürich wurde er zum Star und schon bald zog es Guhl in die Welt hinaus. Er frisierte auf Kreuzfahrtschiffen und in Luxushotels die Reichen und Schönen. Zu seinen Stammkundinnen soll auch Marie José von Belgien, Italiens letzte Königin, gezählt haben. Zudem führte er in China und Japan den Kurzhaarschnitt ein. Das kam einer Revolution gleich.

Guhl wollte aber mehr als nur Friseur sein, weil er immer mehr erkannte, dass die verschiedenen Haare auch verschiedene Pflegemittel brauchten. Am Ende seiner Reisen absolvierte er in Paris eine chemische-kosmetische Ausbildung und gründete 1937 mit der Unterstützung seiner amerikanischen Frau Lyn seine eigene Firma: Laboratoires Guhl. Er entwickelte seine Haarpflegeprodukte mit natürlichen Rohstoffen immer weiter und wurde zum Millionär.

In den 50er-Jahren kauft er den Egghof, um dort in der eigenen Brennerei Essenzen für seine Shampoos herzustellen, die den Markt revolutionierten. Dazu verwendete er Zitronenmelisse, Walnuss, Kastanie, Silberweide und Wildrose. Mit Lockenkopf und Weltfussballer Franz Beckenbauer als Werbeträger im TV schaffte er in Europa den Marktdurchbruch, der bis heute anhält, obschon Gustav Guhl 1978 erst 68-jährig verstorben ist. Seine exklusiven Guhl Shampoos werden heute von der Guhl Ikebana GmbH in Deutschland produziert, die den Güggel vom Etikett verbannt hat. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 26.08.2016, 16:39 Uhr

WANDERROUTE ZUM EGGHOF

Der 596 Meter über Meer gelegene Egghof, am Wegensrand der Wanderroute von Bachs nach Schöfflisdorf, wird schon seit Guhls Zeiten nach biologischen Grundsätzen betrieben und bietet zahlreichen Tieren der ProSpezaiaRara ein Zuhause. Auf 15,5 Hektaren Öko-Fläche wird Acker-und Wiesenbau betrieben. Ein Dutzend freilaufende Grauviehkühe mit ihren Kälbern, seltene Arten von heimischen Gänsen, Enten und Hühner und natürlich ein Güggel bevölkern den Hof. Er wird gegenwärtig renoviert und bietet keine Besuchsmöglichkeiten. Trotzdem ist der Hof auf der Egg mit seiner Geschichte für die Vereinigung Standort Unterland eine der Sehenswürdigkeiten im Wehntal.
Wanderroute. Anfahrt mit ÖV: Mit NFB 535 von Dielsdorf nach Bachs, Haltestelle »Milchhütte». Via Rütihof Richtung Wattwilerhöfe der gelben Beschilderung entlang zur Schöfflisdorfer Platte. Durch den Buchenwald zum Egghof. Auf geteertem Weg zum Bahnhof Schöfflisdorf. S15 fährt alle halben Stunden. Distanz: cirka 11 Km. Dauer: 2,3 Stunden. Höhendifferenz: 325 Meter. Geeignet: Familien, Wanderer. Route meist im Wald oder Waldrand.

Gustav Guhl

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