Rümlang

Zürcher Migrationsamt blockt kosovarische Sängerinnen ab

Die Entscheide des Zürcher Migrationsamts lassen die Gemüter der Clubbetreiber erhitzen. Die Inhaber des Rinora 4 in Rümlang wehren sich seit einem Jahr.

Die Sängerin Era Istrefi ist bekannt genug, um im Kanton Zürich zu singen – ihr DJ muss jedoch zu Hause bleiben.

Die Sängerin Era Istrefi ist bekannt genug, um im Kanton Zürich zu singen – ihr DJ muss jedoch zu Hause bleiben. Bild: Keystone

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Internationale Stars wie Wiz Khalifa und Rita Ora sind hier bereits aufgetreten, das Rinora 4 ist jedoch vor allem für seine Sängerinnen und Sänger aus Kosovo und Albanien bekannt. Für die albanische Diaspora-Jugend hat sich der Club in Rümlang als der Hotspot der Region etabliert. Vor allem junge Künstlerinnen und Künstler aus Kosovo lassen hier regelmässig Heimatstimmung inmitten des Zürcher Unterlandes aufblühen. Damit könnte jedoch bald Schluss sein.

«Wir haben seit 2018 Probleme mit dem Zürcher Migrationsamt», sagt Shaban Konxheli. Der Mitinhaber des Rümlanger Clubs ist aufgebracht und frustriert. Im Juni wollte er die kosovarische Sängerin Ana Kabashi für einen Auftritt verpflichten. Wie gehabt sollte sie für einen Abend auftreten und wieder zurück nach Kosovo fliegen. Das Zürcher Migrationsamt bewilligte den Aufenthalt jedoch nicht. Stattdessen trat sie in einem Club in Bern auf, zum Ärger von Konxheli: «Das ist für uns unverständlich.»

Es gilt Inländervorrang

Für Sängerinnen und Sänger aus Kosovo, die in der Schweiz auftreten wollen, führt der Weg am Migrationsamt nicht vorbei. Für die Zulassung gilt das Bundesrecht, insbesondere die Weisungen des Staatssekretariats für Migration (SEM). Inländerinnen und Inländer sowie EU-Staatsangehörige haben auf dem Schweizer Arbeitsmarkt Vorrang.

«Wir haben seit 2018 Probleme mit dem Zürcher Migrationsamt.»Shaban Konxheli, Mitinhaber Rinora 4

Aus Drittstaaten sind lediglich unerlässliche Führungskräfte und Spezialistinnen und Spezialisten zugelassen. Künstlerinnen und Künstler können sich jedoch mit einer Kurzbewilligung bis acht Monate in der Schweiz aufhalten und erwerbstätig sein. Lokale wie das 8304 Bar & Lounge in Wallisellen lassen die Einreise von Künstlern beispielsweise aus den Vereinigten Staaten oder Australien über internationale Agenturen abwickeln.

Dieser Clip der Sängerin Ana Kabashi wurde über 400000 Mal angeklickt.

Im Zürcher Migrationsamt ist ein spezialisiertes Team zuständig, welches die Gesuche von Künstlerinnen und Künstlern bearbeitet und darüber entscheidet, ob diese tatsächlich in die Schweiz kommen dürfen. In der Wegleitung zum Ausländergesetz schreibt das SEM: Auftreten dürfe lediglich, wer fachlich sehr gut qualifiziert sei oder über einen nachgewiesenen Bekanntheitsgrad im In- oder Ausland verfüge. Bewilligungen sind für «künstlerisch und musikalisch hochwertige Darbietungen» vorgesehen. Die Auslegung der Weisung des SEM hat jedoch dazu geführt, dass hiesige Organisatoren die Entscheide des Migrationsamtes vermehrt kritisiert haben.

Fachkompetenz gefragt

Als Nachweis für die fachliche Kompetenz gelten Diplome auf Fachhochschul- oder Hochschulniveau. Im Teatro di Capua in Embrach werden seit über 10 Jahren Theaterstücke und Konzerte aus der ganzen Welt gezeigt. Viele der Künstlerinnen kommen aus Argentinien oder Russland, haben dort eine Schauspielschule abgeschlossen oder an einem Konservatorium studiert. Probleme mit dem Migrationsamt hatte Leiter Nicola Di Capua dementsprechend nie.

Wie wird jedoch der Bekanntheitsgrad beurteilt? Kriterien wie der Verkauf von Tonträgern oder die Verbreitung in den sozialen Medien werden laut dem Migrationsamt zwar berücksichtigt. Präzise Vorgaben existieren jedoch keine. Da die Zulassungspraxis des Migrationsamts erst letztes Jahr verschärft wurde, besteht dazu noch keine umfangreiche Rechtsprechung. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts im Fall Xhevahire Bytyqi könnte deshalb für künftige Fälle wegweisend sein. Die Kosovarin wurde abgewiesen, obwohl ihre Videos auf Youtube bis zu 170000-mal aufgerufen wurden.

«Das ist schädlich für unser Geschäft und unser Image.»Shaban Konxheli, Mitinhaber Rinora 4

Die noch schärferen Vorgaben bei DJs verkomplizieren die Sache für die Organisatoren. Als Konxheli die Sängerin Era Istrefi und ihre Schwester Nora in die Schweiz holen wollte, durften ihre DJs nicht mitkommen. Seit einem Jahr wehre man sich gegen die Entscheide des Migrationsamts. Man sei stets bemüht, gute und beliebte Sängerinnen und Sänger in den Club zu holen, die Rekurse seien aber kostspielig. «Das ist schädlich für unser Geschäft und unser Image», empört sich Konxheli.

Erstellt: 08.08.2019, 21:19 Uhr

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