Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zu den SteuerenthüllungenTrump ist seine Liebe zu den USA nur 750 Dollar wert

Die «New York Times» hat brisante Steuerdaten des US-Präsidenten enthüllt. Und die zeigen: Trump hat sich seine Steuern tiefgerechnet. Hat das nun einen Einfluss auf die Wahl?

Nur kleine Leute zahlen Steuern. Sicherlich kein Trump.
Nur kleine Leute zahlen Steuern. Sicherlich kein Trump.
Foto: Mark Wilson (Getty Images)

Lächerliche 750 Dollar Einkommensteuern hat Donald Trump 2016 und 2017 bezahlt. In den Jahren davor hat er sich regelmässig so arm gerechnet, dass überhaupt keine Steuern anfielen. Der Mann, der stets mit seinem Reichtum prahlt, war immer gerade dann knapp bei Kasse, wenn es darum ging, der Allgemeinheit etwas von diesem Reichtum abzugeben.

Donald Trump ist das öffentliche Wohl völlig egal.

Steuern? In diesem Punkt hielt Donald Trump es mit der vor einigen Jahren verstorbenen New Yorker Millionärin Leona Helmsley. «Wir zahlen keine Steuern», soll die einmal gesagt haben. «Nur kleine Leute zahlen Steuern.»

War das, was Trump getan hat, illegal? Nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich nicht. War es illegitim? Natürlich. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten alle denkbaren Tricks anwendet, um weniger Steuern zu bezahlen als die Secret-Service-Beamten, die ihn beschützen, als die Sekretärinnen, Köche, Diener und Gärtner im Weissen Haus, ganz zu schweigen von den einfachen Arbeitern draussen im Land, als deren Fürsprecher Trump sich ständig geriert, dann ist das einfach unanständig. Man könnte es asozial nennen.

Aber das ist eigentlich nichts Neues. Donald Trump ist das öffentliche Wohl völlig egal. Die Allgemeinheit, der Staat, die Gesellschaft, all das schert ihn einen Dreck. Für ihn ist nur wichtig, dass er persönlich seinen Schnitt macht. Wenn er das schafft, dann hält er sich für clever. Die Rechnung bezahlen am Ende die «kleinen Leute».

Donald Trump ist das öffentliche Wohl völlig egal.

Man sollte nicht erwarten, dass diese Enthüllungen den Wahlkampf wesentlich beeinflussen werden. Trumps Anhänger lieben ihn, obwohl er so ist, wie er ist. Seine Gegner verachten ihn, weil er so ist, wie er ist. Ein Artikel der «New York Times» ändert an diesen festgefahrenen Ansichten vermutlich wenig. Aber wenn Trump das nächste Mal bei einem Wahlkampfauftritt behauptet, er liebe Amerika, dann weiss man, was ihm diese Liebe wert ist. Nicht mehr als 750 Dollar im Jahr.

Podium: Donald Trump ist der umstrittenste Politiker der Gegenwart. Im November stellt er sich der Wiederwahl. Wie sind seine Chancen? Wie ist seine Bilanz? Wird ihn Joe Biden schlagen? Und vor allem: Was bedeutet es für die USA und die Welt, wenn Trump vier weitere Jahre regiert? Darüber debattieren: Elisabeth Bronfen, Anglistikprofessorin an der Universität Zürich, Christof Münger, Ressortleiter International beim Tages-Anzeiger, Markus Somm, Publizist. Sonntag, 18. Oktober 2020, Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich. Türöffnung 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr. Ermässigter Eintritt mit Carte blanche.

105 Kommentare
    David Kummer

    War das hier mit Blochers Renten-Nachbezügen nicht ähnlich? Millionen an Dividendenzahlungen einnehmen, aber keinen Rappen durch Arbeit einnehmen, und schon hat man Anrecht auf staatliche Rentenzahlungen.

    Und überall gilt: um keine Steuern zahlen zu müssen, muss man nur genügend Schulden machen.

    Komisches Prinzip. Der Dumme ist schlussendlich der Angestellte, der in der Mietwohnung lebt. Der finanziert nämlich den Staat, der für die SUVs der oben Genannten die Strassen verbreitert.