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Skigebiete im AuslandNicht nur in der Schweiz ist Skifahren erlaubt

Heute entscheidet der Bundesrat über Corona-Einschränkungen in den Wintersport­destinationen. Was gilt im Ausland? Eine Übersicht.

Lohnt sich das in diesem Winter? Eine Schneekanone beschneit eine Piste in Österreich (2. Dezember).
Lohnt sich das in diesem Winter? Eine Schneekanone beschneit eine Piste in Österreich (2. Dezember).
Foto: Lisi Niesner (Reuters) 

«Alles fährt Ski» – das gilt in Corona-Zeiten nicht mehr. Nachdem das österreichische Ischgl Anfang Jahr zu einer Virenschleuder geworden war, kämpfen die Wintersportorte um ihren Ruf – in der Schweiz wie auch im Ausland. Das gemeinsame Anstehen an den Liften, das Gedrücke in den Gondeln und das Gaudi im Après-Ski: aus epidemiologischer Sicht alles hochproblematisch. Der italienische Premier Giuseppe Conte und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel würden die Skigebiete am liebsten gleich europaweit schliessen. Andernorts sucht man nach Wegen, den Wintersport Corona-tauglich zu machen, so auch in der Schweiz. Dabei lasse man sich nicht vom Ausland unter Druck setzen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Allein ist die Schweiz mit ihrem Weg nicht. Das zeigt eine Übersicht von acht Staaten inner- und ausserhalb Europas.

Österreich: Nur für Einheimische

Will kein Gaudi auf den Skipisten: Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz.
Will kein Gaudi auf den Skipisten: Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz.
Foto: Leonhard Foeger (Reuters) 

«Skivergnügen ja, aber ohne Après-Ski», so umschreibt Kanzler Sebastian Kurz den österreichischen Weg. Die Skipisten öffnen zwar am 24. Dezember, allerdings bleiben Hotels und Restaurants bis am 7. Januar zu. Für Österreicher ist es also durchaus möglich, in der Altjahreswoche einen Tagesausflug nach Lech oder Kitzbühel zu machen – allerdings ohne das dazugehörige Gaudi in Bars und Restaurants.

Für Touristen aus der Schweiz kommt Österreich aktuell eher nicht infrage. Dafür sorgen neben den fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten auch neue, verschärfte Quarantäne-Regeln: Österreich verhängt für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten, wozu auch die Schweiz zählt, vom 19. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht.

Der österreichische Weg ist ein klassischer Kompromiss. Zum einen muss die Politik beweisen, dass sie nach dem Superspreader-Event in Ischgl gelernt hat. Andererseits haben die Skigebiete wie auch in der Schweiz stark lobbyiert und aus wirtschaftlichen Gründen auf eine Öffnung gedrängt.

Deutschland: Merkel will europaweites Verbot

Kämpft für einen europaweiten Ski-Lockdown: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
Kämpft für einen europaweiten Ski-Lockdown: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
Foto: Markus Schreiber (Reuters) 

Skifahren im Schwarzwald oder in Garmisch-Partenkirchen dürfte noch längere Zeit nicht möglich sein. Deutschland hat am vergangenen Mittwoch den Teil-Lockdown bis am 10. Januar 2021 verlängert. Bis dann werden Hotels und Restaurants geschlossen sein. Auch die Wintersportgebiete bleiben vorerst zu. Die meisten Skigebiete befinden sich in Bayern, wo besonders strenge Corona-Regeln gelten. Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist ein Corona-Hardliner und Wortführer im Ski-Streit. Erst kürzlich hat er Tagesausflüge von bayrischen Wintersportfreunden nach Österreich und die Schweiz de facto verunmöglicht: Auch wer am selben Tag nach Bayern zurückkehrt, muss neu 10 Tage in Quarantäne.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach sich mit Blick auf die Winterferien gar dafür aus, alle Skigebiete in Europa zuzumachen: «Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schliessen könnten», sagte Merkel im Deutschen Bundestag. Allerdings haben sich die Schweiz und Österreich dem angemahnten Ski-Lockdown bereits widersetzt.

Frankreich: Skigebiete offen, Skilifte zu

Man könne die «frische Luft in den schönen Bergen» Frankreichs auch ohne Skilifte geniessen, meint der französische Premierminister Jean Castex.
Man könne die «frische Luft in den schönen Bergen» Frankreichs auch ohne Skilifte geniessen, meint der französische Premierminister Jean Castex.
Foto: Ludovic Marin (Reuters) 

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hätte am liebsten einen gesamteuropäischen Ski-Lockdown. Frühestens im Januar, so Macron, sei eine Öffnung denkbar. Das von der ersten und zweiten Corona-Welle schwer getroffene Frankreich will unbedingt eine Massenansteckung wie in Ischgl verhindern.

Sein Regierungschef Jean Castex stellte in der vergangenen Woche klar, welche Regeln bis dann gelten werden: Die französischen Skigebiete können in den Weihnachtsferien öffnen, die Skilifte bleiben allerdings geschlossen. Auch Restaurants und Bars in den Skigebieten bleiben wie überall in Frankreich bis mindestens zum 20. Januar geschlossen. Damit könne jeder «von der frischen Luft in unseren schönen Bergen profitieren», sagte Castex.

Von der frischen Luft in der Schweiz sollen die Franzosen aber nicht profitieren können. Emmanuel Macron will nicht zulassen, dass französische Wintersportler in die Schweiz zum Skifahren reisen. Er kündigte bereits «restriktive und abschreckende Massnahmen» an, um den Grenzübertritt der Franzosen in andere Länder wie Spanien und vor allem die Schweiz zu verhindern.

Italien: «Das können wir uns nicht erlauben»

Fährt einen harten Kurs: Der italienische Premier Giuseppe Conte.
Fährt einen harten Kurs: Der italienische Premier Giuseppe Conte.
Foto: Flavio Lo Scalzo (Reuters) 

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte ist ein heftiger Fürsprecher eines europäischen Ski-Lockdown. In Italien werden Skiferien über die Festtage nicht möglich sein. «Das können wir uns nicht erlauben», sagte Conte in einem Fernsehinterview Ende November. Zuvor warnte er schon, die Weihnachtszeit dürfe nicht zum Vorzimmer einer dritten Corona-Welle werden.

Natürlich gibt es auch Widerspruch. Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, plädiert gemäss der deutschen «Tagesschau» für eine Lösung, die ziemlich genau dem Vorgehen Österreichs entspräche: Skilifte offen, Bars und Restaurants zu. Im Piemont liegt unter anderem das bekannte Skigebiet Sestriere.

Den lockeren Kurs der Schweiz hat man in Italien natürlich registriert. Der italienische Gesundheitsrats-Präsident Franco Locatelli nannte die Entscheidung der Schweiz, Skigebiete zu öffnen, «enttäuschend». Wie Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga auf Twitter bekannt gab, kam es auch zu einer Aussprache mit Giuseppe Conte.

Slowenien: Warten auf die EU

Wartet auf eine Empfehlung aus Brüssel: Der slowenische Premier Janez Jansa.
Wartet auf eine Empfehlung aus Brüssel: Der slowenische Premier Janez Jansa.
Foto: Francisco Seco (Reuters) 

Auch Slowenien ist eine Skination. Hier am bekanntesten dürften die Gebiete Kranjska Gora und Maribor sein, beides Austragungsorte von Weltcuprennen. Der kleine EU-Staat hat noch nicht entschieden, ob er die Skigebiete über die Festtage öffnen will. Gemäss der Website «Total Slovenia News» will man zunächst noch abwarten, ob die Europäische Union eine Empfehlung diesbezüglich veröffentlicht. «Wir sind komplett hilflos und müssen auf die Entscheidung der Regierung warten», sagt Manuela Bozic Badalic, Chefin der slowenischen Skiliftbetreiber gegenüber «Total Slovenia News». Allerdings müssten für den Skispass zuerst noch die landesweiten Corona-Einschränkungen gelockert werden. Zurzeit gilt im Land ein Verbot für den öffentlichen Verkehr, das auch auf Gondeln in Skigebieten anzuwenden wäre.

Spanien: Kein nationaler Ski-Lockdown

Bekam einen Anruf vom französischen Premier: Der spanische Premier Pedro Sanchez.
Bekam einen Anruf vom französischen Premier: Der spanische Premier Pedro Sanchez.
Foto: Pablo Blazquez Dominguez (Reuters) 

Auch Spanien spielt seinen Part im europäischen Ski-Streit. Der französische Premier Jean Castex teilte dem spanischen Regierungschef Pedro Sanchez mit, er solle gefälligst die Skigebiete in seinem Land schliessen. Von denen gibt es einige: Sierra Nevada in Andalusien, die spanischen Pyrenäen, das kantabrische Gebirge in Asturien und Galicien im Norden des Landes. Sanchez teilte Castex mit, es sei Sache der Regionen, über den Wintersport zu entscheiden. Einen nationalen Ski-Lockdown gebe es nicht.

Bereits hat der Tourismusverband der spanischen Skigebiete bekannt gegeben, dass man den Wintersport ermöglichen will. Mit Obergrenzen in Restaurants, einem teilweisen Rauchverbot und Desinfektionsmittelspendern sollen Skifahren und Snowboarden Corona-tauglich gemacht werden. So hat das Skigebiet Baqueira Beret in den spanischen Pyrenäen bereits angekündigt, am 11. Dezember zu öffnen. Ansprechen dürften die Skigebiete erstmals aber nur einheimische Touristen, die in der Nähe wohnen. Inlandreisen sind in Spanien in mehreren Regionen eingeschränkt.

USA: Die Skigebiete sind schon offen

Bereits geöffnet: Das Skigebiet Aspen in Colorado (25. November).
Bereits geöffnet: Das Skigebiet Aspen in Colorado (25. November).
Foto: Kelsey Brunner (Keystone) 

Der Wintersport ist ziemlich sicher nicht ein Thema, das Noch-Präsident Donald Trump prioritär beschäftigt. National sind Corona-Restriktionen in Skigebieten kein Thema. Die Skigebiete regeln mit den jeweiligen Bundesstaaten, wie Corona-konformer Skisport umgesetzt werden soll. Grosse Gebiete wie Mammoth Lakes in Kalifornien oder Aspen und Beaver Creek in Colorado sind bereits geöffnet. Die Corona-Regeln sind durchaus mit jenen vergleichbar, die in der Schweiz angedacht sind: Social Distancing, Maskenpflicht in Gondeln und beim Anstehen, Anlagen fürs Händewaschen und Desinfizieren, Kapazität in den Geschäften reduzieren.

Japan: Wintersport auf kleiner Flamme

In Japan gelten strenge Corona-Regeln, auch in den Skigebieten: Der japanische Premier Yoshihide Suga.
In Japan gelten strenge Corona-Regeln, auch in den Skigebieten: Der japanische Premier Yoshihide Suga.
Foto: Issei Kato (Reuters) 

Über 500 Ski-Resorts, Austragungsland von zwei Olympischen Winterspielen (Sapporo 1972, Nagano 1998): Japan ist ein Wintersportparadies – das sich in diesem Jahr in Bescheidenheit übt. Für Auslandtouristen gilt weiter eine strenge Einreisesperre. Weil in einigen der grossen Gebiete die Mehrheit der Gäste aus dem Ausland kommt, haben mehrere Resorts den Betrieb massiv reduziert und den Start der Saison nach hinten verschoben. Einige wenige Gebiete haben bereits im November geöffnet, im auch international populären Grand Harifu, das auf der nördlichen Insel Hokkaido liegt, soll es an diesem Wochenende losgehen.

Auf den meisten Websites der Resorts sind die Corona-Restriktionen prominent aufgeführt. Ein Blick auf die Sicherheitsregeln der grossen Gebiete (beispielsweise hier und hier) zeigt: Die Skigebiete in Japan verhalten sich absolut vorbildlich: Temperaturmessungen in Hotels, Plexiglasscheiben in den Restaurants, Onlineverkauf der Tickets, um Schlangen zu vermeiden, Obergrenzen für Gondeln.

70 Kommentare
    Peter Colberg

    "Damit könne jeder «von der frischen Luft in unseren schönen Bergen profitieren», sagte Castex." Der ist ja fast zynisch. Na, dann schon mal viel Spass im Pariser Politbüro mit der leeren Staatskasse, bei der enormen zu erwartenden Pleitewelle in diesem ertragsreichen Sektor. Das Virus ist bei frischer Luft wesentlich weniger unterwegs, daher ist das Risiko um einiges geringer.