Zum Hauptinhalt springen

Zunahme im AprilIm Gastgewerbe sind bereits 9,9 Prozent arbeitslos

Insgesamt stieg die Arbeitslosenquote im April auf 3,3 Prozent. Doch je nach Branche trifft es dreimal so viele. Und das Schlimmste steht noch bevor.

Am gravierendsten trifft die Corona-Krise Angestellte von Restaurants und Hotels.
Am gravierendsten trifft die Corona-Krise Angestellte von Restaurants und Hotels.
Foto: Keystone

Der Ansturm auf die Arbeitsämter hat sich im April nochmals verschärft. Hatten sich vor der Corona-Krise noch 2,5 Prozent arbeitslos gemeldet und waren es Ende März noch 2,9 Prozent, ist die Zahl inzwischen auf 3,3 Prozent gestiegen. Dabei sind die vielen Kurzarbeitenden nicht mitgezählt. Auch läuft bei den meisten Entlassenen immer noch die Kündigungsfrist, weshalb sie erst später Arbeitslosengelder beziehen werden.

Am schlimmsten hat die Corona-Krise das Gastgewerbe erwischt – eine Branche, in der die Arbeitslosigkeit schon vor dem Ausbruch des Virus besonders hoch war. Betrug hier die Arbeitslosenquote im Februar noch 5,2 Prozent, liegt sie nun bereits bei 9,9 Prozent. Damit sind allein in dieser Branche 18’419 Menschen ohne Arbeit – 8765 mehr als noch vor der Corona-Krise. Überdurchschnittlich hat es auch den Unterhaltungs- und den Bildungsbereich getroffen.

Bund erwartet Anstieg auf 4,1 Prozent

Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in den Monaten März und April aufgrund von saisonalen Effekten. Das konnte man auch dieses Jahr bis Mitte März noch beobachten. Doch seit der Bundesrat den Lockdown verhängt hat, ist nichts mehr so, wie es einmal war – auch nicht bei der Arbeitslosenstatistik. Seither steigen die Zahlen rasant an und werden auch in den nächsten Monaten weiter in die Höhe klettern.

Die Fachgruppe für Konjunkturprognosen des Bundes erwartet für dieses Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent und fürs nächste Jahr eine solche von 4,1 Prozent.

Graubünden und Wallis leiden

Bislang hat die Coronakrise den Kanton Graubünden mit Abstand am meisten getroffen. Dort hat sich die Arbeitslosenquote seit Ende Februar fast verdreifacht – von 1,2 auf 3,4 Prozent. Auch in den Kantonen Wallis, Waadt und Genf ist die Zahl der Arbeitslosen besonders stark angestiegen. Genf verzeichnet mit 5,0 auch absolut die höchste Quote. In Appenzell Innerrhoden hingegen sind es nur 1,3 Prozent – lediglich 0,1 Prozent mehr als vor der Coronakrise.

Jeder zweite Tessiner arbeitet kurz

Hinzu kommen wie bereits erwähnt all die Kurzarbeitenden. Landesweit haben im April mehr als 1,9 Millionen kurzgearbeitet. Am stärksten macht das Tessin von dieser Massnahme Gebrauch. Dort waren über 48 Prozent auf Kurzarbeit, also rund die Hälfte aller Beschäftigten. Zum Vergleich: Im Februar waren es noch 0,5 Prozent. Das zeigt eine Auswertung der Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), welche die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) vorgenommen hat.

Auch in den Kantonen Neuenburg und Jura ist Kurzarbeit besonders stark verbreitet. Demgegenüber trifft es im Kanton Appenzell Ausserrhoden «nur» 29 Prozent. Gesamtschweizerisch arbeiten 37 Prozent kurz.

Textilbranche zieht Notbremse

Mit dieser Massnahme wollen viele Unternehmen Entlassungen vermeiden und die Zeit überbrücken, bis sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder voll einsetzen können. Am stärksten setzt die Textilbranche darauf. Laut der Auswertung der KOF arbeiten 77 Prozent aller dort Angestellten kurz – knapp gefolgt vom Gastgewerbe, wo ebenfalls über drei Viertel aller Beschäftigten davon betroffen sind. Weit weniger verbreitet ist Kurzarbeit dagegen in der öffentlichen Verwaltung sowie in der Land- und Forstwirtschaft.

Allein für den Monat April wird die Arbeitslosenkasse zwischen fünf und sieben Milliarden Franken an Kurzarbeitsentschädigungen ausschütten müssen. Die vom Bundesrat gesprochene Zusatzfinanzierung von sechs Milliarden Franken für die Arbeitslosenversicherung reicht daher nicht weit. Um eine Überschuldung der Kasse zu vermeiden, erwägt die Landesregierung weitere Massnahmen. Auch weil sonst eine Erhöhung der Sozialabgaben und eine Gesetzesrevision notwendig würden. Die Liquidität der Arbeitslosenversicherung sei aber jederzeit gewährleistet, hält der Bundesrat in seiner Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss fest. Die Arbeitslosenkasse könne ein Bundesdarlehen aufnehmen.