Rapperswil

Äbtissin Urban, Vorreiterin von Conchita Wurst

Am gestrigen «Eis, zwei, Geissebei» nahm Abt Urban Federer von Einsiedeln den Platz des Ehrengasts ein. Sein Auftritt war sympathisch, eigenwillig und witzig.

Abt Urban von Einsiedeln ist alles andere als «der falsche Federer». Er unterhält alle bestens, auch Ortsratspräsident Matthias Mächler (links), Stadtpräsident Erich Zoller (Mitte) und Regierungsrat Benedikt Würth (rechts).

Abt Urban von Einsiedeln ist alles andere als «der falsche Federer». Er unterhält alle bestens, auch Ortsratspräsident Matthias Mächler (links), Stadtpräsident Erich Zoller (Mitte) und Regierungsrat Benedikt Würth (rechts). Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Erich Zoller, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, übernahm turnusgemäss den Vorsitz im Restaurant Rathaus und führte durch die 665. Ausgabe des Traditionsanlasses «Eis, zwei, Geissebei». Die Stadt, hielt er in der Eröffnungsrede fest, habe im vergangenen Jahr an Attraktivität eingebüsst. GLP-Kantonsrat Nils Rickert sei unter den Zylinder gekommen, und es sei das erste Mal gewesen, dass dieser bei einem staatlichen Akt ohne Opposition und Kommentar einfach nur «Ja» gesagt habe. Eine ähnlich schwierige Ausgangslage habe man bei der Eheschliessung von CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter befürchtet. Auf die Heiratsfrage wollte man nicht die Antwort hören, sie sei grundsätzlich dafür, fordere aber harte Auflagen. Deshalb sei die Frage vorsichtshalber umformuliert worden: «Wollen Sie heiraten und den Steuerfuss senken?» Sie habe ohne Umschweife und mit glänzenden Augen bejaht.

Eine gehaltvolle Predigt

Ehrengast war dieses Jahr der Abt von Einsiedeln, Urban Federer. Ergeben hat sich dies laut Zoller, weil er eigentlich Tennisspieler Roger Federer bewegen wollte, nach Rapperswil-Jona zu ziehen, dann aber den falschen Federer zum Essen eingeladen habe. «Gestatten Sie, Federer Urban, Abt», sagte der Einsiedler in seiner Ansprache und reimte munter, er sei «mässig beg-abt». Auch wenn er da und dort seine Rede an das Cabaret Rotstift anlehne, so wolle er sich aber nicht hinter Versen verstecken. Einen Exkurs in die Geschichte der Beziehung von Rapperswil und Einsiedeln versah er mit zahlreichen träfen Pointen.

Dann aber resümierte er: «Ich bin froh, dass ich heute hier eine Rede halten darf statt in Bürglen. Dort hätte man mich vermutlich pärchenweise erwartet.» Dennoch gab er die Predigt, die er dort gehalten hätte, zum Besten. «Zwei Jünger gingen nach Emmaus.» Nicht einer, nicht drei, nicht Jüngerinnen, nicht nach Ammaus, Bemmaus oder Cemmaus. Das Paradebeispiel, wie einer viel redet, ohne etwas zu sagen, heimste zahlreiche Lacher ein.

Doch Abt Urban blieb nicht beim Unsinn. «Au i de Bänke / vo de Chile sölled d'Lüt dörfe tänke.» Die Kirche müsse nicht immer das sagen, was die Mehrheit findet. Die verschiedenen Stimmen brauche es, wichtig sei, dass man miteinander im Gespräch bleibe und voneinander lerne.

Lakers, auf die Wallfahrt!

Übrigens, fügte er noch hinzu: Er sei heute aus dem Kloster Fahr angereist. Das Zürcher Benediktinerinnenkloster gehört zu Einsiedeln. «Ich bin an beiden Orten Abt», sagte er und präzisierte: «In Fahr eigentlich Äbtissin. Sie sehen, ich bin schon lange, was Conchita Wurst erst werden musste.» Schliesslich gab er den Rapperswilern noch zwei Denkanstösse auf den Weg. Der erste betraf den Besuch in Einsiedeln: «Au für d'Cherze / muesch de starchi Franke verschmerze.» Den zweiten richtete er sportlich aus: «So e Wallfahrt / wär au für d'Lakers en Neustart.»

«Bhalts i üser Hand!»

Auch dieses Jahr animierten die Geissensänger die Anwesenden zum Mitsingen und Lachen. Die neue Strophe des Rapperswiler Lieds, die Zoller gedichtet hat, trugen sie ebenfalls vor: «D'Pole, frech wie fremdi Fähne / Lönd üs eifach nöd in Rue / Stiereds dure bis zum Gibel / Jetzt mached mir halt d?Türe zue / Üses Schloss, üses Land, Mächler, bhalts i üser Hand!»

Die beiden Tunnelingenieure Tappi und Lone alias Altstadtrat Hans Länzlinger und Stadträtin Rahel Würmli absolvierten ihren achten und letzten Auftritt. Für ihre Seitenhiebe und Plaudereien aus dem Stadtrats-Nähkästchen ernteten sie viel Beifall und Dank. Markus Speck gab in der Rolle des Jonas Rappolter eine Premiere und entpuppte sich als Highlight. Als Facility-Manager mit der Leidenschaft des Kärcherns sei er wohl der Einzige, der im Stadthaus mit Hochdruck arbeite. Er hatte im Eingangsbereich des Rathauses ein Papier gefunden, das offensichtlich ein Regierungsrat oder ein Toggenburger Gemeindepräsident? hatte liegen lassen. Demnach ist der neue Kanti-Standort Atzmännig-Schutt: von überall aus gleich mühsam zu erreichen, die Sportanlagen sind schon vorhanden, der Skilift sorgt für Aufstiegsmöglichkeiten, und als Schulräume könnten das Restaurant, der Seilpark und das Skistübli Brustenegg genutzt werden.

Erstellt: 18.02.2015, 08:57 Uhr

Bildstrecke

Eis, Zwei, Geissebei

Eis, Zwei, Geissebei Am Rapperswiler Traditionsanlass bekam auch Ehrengast Abt Urban Federer sein Fett weg. Der nahm es mit Humor und konterte sympathisch.

Infobox

Ein Brauch mit Regeln

Das «Geissebei» geht zurück auf den Krieg von 1350 gegen die Zürcher. Damals belagerten und brandschatzten Rudolf Brun und seine Mannen die Stadt Rapperswil. Mitleidige Stadtbewohner sollen hungrigen Kindern aus ihren Fenstern heraus Essen geschenkt haben. Darum versammeln sich heute noch am Fasnachtsdienstag vor dem Rathaus Kinder und betteln mit dem Ruf «Eis, zwei, Geissebei» um Würste, Brot und Biberli. Die Esswaren werden von den Spendern bezahlt. Zum Herrenessen, das der Austeilete vorangeht, sind traditionell nur Männer geladen. Frauen haben dann Zutritt, wenn sie einer Behörde angehören oder angehört haben, Ehrengast sind oder waren oder eine Funktion ausüben. (sga)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.