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Terror in WienDer letzte Abend vor der Ausgangsbeschränkung

Der Wiener Schwedenplatz und das Ufer des Donaukanals ist eine beliebte Ausgehmeile, auf der sich an diesem Abend viele junge Menschen versammelt haben. Nun kreisen Helikopter, Polizeisirenen klingen durch die Nacht.

Polizisten sichern nach einem Schusswechsel in der Wiener Innenstadt die Umgebung. (2. November 2020)
Polizisten sichern nach einem Schusswechsel in der Wiener Innenstadt die Umgebung. (2. November 2020)
Foto: Christian Bruna (Keystone)

Dieser 2. November ist ein ungewöhnlicher lauer Abend, der letzte Abend vor der Ausgangsbeschränkung in Österreich. Der Wiener Schwedenplatz und das Ufer des Donaukanals ist eine beliebte Ausgehmeile, auf der sich an diesem Abend viele junge Menschen versammelt haben. Doch gegen 20 Uhr fallen auf einmal Schüsse in der Umgebung. Videos zeigen, dass die Passanten erst verwirrt sind, dann macht sich Panik breit. Schnell stellt sich heraus: Es ist ein Anschlag und er findet in den Seitenstettengasse statt, wo sich Wiens grösste Synagoge befindet.

Innert kürzester Zeit ist der nördliche Teil der Wiener Innenstadt komplett abgeriegelt, die Polizei stürmt nahegelegene Lokale mit gezogenen Waffen, durchsucht alles. Die Gäste dürfen dann nicht mehr auf die Strasse, die Bewohner der umliegenden Häuser auch nicht. Wer sich noch auf der Strasse befindet, wird mit vorgehaltener Waffe durchsucht und muss sich dann schnell entfernen.

Rundherum machen sich in Beizen und auf der Strasse Gerüchte breit: Ein Mann mit Sprengstoffgürtel soll noch unterwegs sein. Es gebe eine Geiselnahme auf der Mariahilferstrasse, einer grossen Einkaufsstrasse ausserhalb des Zentrums. Die Polizei fordert alle Bewohner der Stadt auf, zu Hause zu bleiben oder, wenn sie in einem Lokal sind, dieses nicht zu verlassen. Nach 22 Uhr wird ein Todesopfer, 15 Verletzte, davon sieben Schwerverletzte, sowie ein toter Attentäter von der Polizei bestätigt. Allerdings geht man von noch deutlich mehr Opfern aus. Der Einsatz läuft zu diesem Zeitpunkt noch. Die Polizisten sind extrem nervös, selbst als sie in einem Restaurant um eine Flasche Wasser bitten, machen sie das mit gezogener Waffe.

Der Anschlag ging von der Seitenstettengasse aus. Es wurde wahllos auf die Gäste, die in den Gastgärten sassen, geschossen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig

Über Twitter ersucht die Wiener Polizei auch, keine Videos und keine Meldungen über den Einsatz zu posten. Zu diesem Zeitpunkt kursieren allerdings bereits Videos, die offenbar von einer Überwachungskamera der Synagoge stammen. Darauf sind zwei Männer in Weiss mit Gewehren zu sehen, die auf einen Mann schiessen, möglicherweise ein Wachmann der Synagoge. Innenminister Karl Nehammer spricht von einem «Terroranschlag»: Es gebe insgesamt sechs Tatorte.

Etwas später ergänzte er im ORF: «Wir sind nach wie vor im Kampf gegen die mutmasslichen Terroristen. Wir gehen von mehreren Tätern aus, schwer bewaffnet und gefährlich.»

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sagte: «Der Anschlag ging von der Seitenstettengasse aus. Es wurde wahllos auf die Gäste, die in den Gastgärten sassen, geschossen.»