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Ausritt mit einem raren Geschöpf

Der BMW M4 GTS kommt dem Rennsport so nahe, wie es im Strassenverkehr möglich ist. Wir hatten die Gelegenheit, das längst ausverkaufte Geschoss zu bewegen.

Der deutsche DTM-Fahrer Martin Tomczyk zeigt im TCS-Trainingscenter Betzholz, was im BMW M4 GTS steckt.
Der deutsche DTM-Fahrer Martin Tomczyk zeigt im TCS-Trainingscenter Betzholz, was im BMW M4 GTS steckt.
pd

Grinsen. Lachen. Immer wieder. Was der BMW M4 GTS bei mir auslöst, während wir gemeinsam im TCS-Trainingscenter Betzholz verschiedene Handling-Übungen durchlaufen, ist aussergewöhnlich. So aussergewöhnlich wie das Fahrzeug an sich. 500 PS Leistung auf 1510 Kilogramm Leergewicht, Carbonbremsen, Semi-Slick-Bereifung, Schalensitze, H-Gurte, Überrollkäfig statt Rückbank, Gewindefahrwerk mit einstellbarer Zug- und Druckstufe – das alles fühlt sich sehr nach Rennsport an. Motorhaube, Frontsplitter, Dach, Heckspoiler, Diffusor – das alles ist aus federleichtem, kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigt, genauso wie die Fondverkleidung und das Tragrohr für die Instrumententafel.

Der 3-Liter-Reihensechszylinder mit Wassereinspritzung und zwei Monoscroll-Turboladern dreht blitzschnell hoch, katapultiert den M4 GTS in 3,8 Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 305 Stundenkilometern abgeregelt. Die erreiche ich auf dem engen Handling-Parcours in Betzholz natürlich nicht einmal annähernd, aber wir glauben es den Münchnern gern. Dieses Teil ist ein brutales Geschoss. Die Beschleunigung ist explosiv. Die Verzögerung brachial. Die Lenkung reagiert unvermittelt, die Balance ist göttlich. Und die Sportauspuffanlage aus Titan generiert einen Sound, der Motorsportfans ins Schwärmen bringt.

Auf einem kurzen Slalomkurs schiesse ich mich auf den M4 GTS ein. Als Vergleich wechsle ich zwischendurch auf andere M-Modelle: M2 Coupé, M3, M6 und X6 M stehen als Referenz zur Wahl. Das sind allesamt keine Kinder von Traurigkeit – doch die Unterschiede zum Strassenrenner M4 GTS sind frappant. Das Fahrgefühl ist so direkt, so unmittelbar, wie ich es nur von «echten» Rennwagen kenne.

Als Nächstes steht Driften auf dem Programm – dem Material zuliebe auf Gleitbelag und in entsprechend langsamem Tempo. Alle zur Verfügung stehenden M-Modelle zeichnen sich hier durch eine wunderbare Balance aus, sogar der «dicke» X6 mit Allradantrieb lässt sich sehr einfach quer bewegen. Im M4 GTS gelingt der kontrollierte Drift so spielerisch, dass ich die Übung gerne in höherem Tempo auf trockenem Untergrund weiterführen würde – doch das Fahrzeug ist, wie alle elf, die es in die Schweiz geschafft haben, längst verkauft, geht nach unserem kurzen Test direkt an einen glücklichen Kunden aus der Westschweiz, und entsprechend sorgsam muss damit umgegangen werden. Weltweit wurden nur 700 Stück des Über-M4 gebaut. Wer sich jetzt noch einen leisten will, wird allenfalls im Internet fündig; der Listenpreis von 186'300 Franken muss da aber kräftig überzahlt werden.

Was der M4 GTS kann, erfährt man nur auf einer Rennstrecke. Im TCS-Center Betzholz zeigt es mir DTM-Fahrer Martin Tom­czyk zumindest im Ansatz. Auf dem Handling-Parcours lässt er es gehörig krachen, peitscht den Boliden quer durch die engsten Passagen, presst auf den kurzen Geraden alles aus der Kiste, bremst so spät und hart, wie es nur echte Rennfahrer können. Auch Tom­czyk ist angetan vom GTS, auch er hat ein dickes Grinsen im Gesicht. «Auf der Rennstrecke ist er unheimlich gut», sagt der bayerische Rennfahrer, der privat derzeit einen M6 Gran Coupé fährt.

Ob der GTS, der fast doppelt so teuer wie ein Basis-M4 ist, auch doppelt so gut ist? Diese Frage können wir beide nicht beantworten, das hängt von zu vielen subjektiven Faktoren ab. Die enormen Qualitäten auf der Rennstrecke rechtfertigen für viele den Preis. Allein die Exklusivität dieses Autos ist manchem Käufer jeden Preis wert. Und schliesslich sind solch rare Geschöpfe auch immer eine sichere Geldanlage – wer sich einen der 700 M4 GTS schnappen konnte, darf sich also in jedem Fall glücklich schätzen.

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