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Die Idee Caravan geht in die Verlängerung

Die ersten Opel Insignia der zweiten Generation werden jetzt an die Händler ausgeliefert. Dem Kombi, genannt Sports Tourer, kommt dabei die wesentliche Rolle zu.

Der Insignia Kombi geht zehn Zentimeter mehr in die Länge als die fünftürige Limousine, auf 4,99 Meter um genau zu sein, das entspricht aktuellem Oberklasseformat. Der bis 1977 gebaute grosse Opel Diplomat, den es auch mit V8-Motor gab, brachte es auf 4,92 Meter.

Die Kombihistorie von Opel begann 1953 mit dem ersten Olympia-Rekord Caravan. Eine Pionierleistung damals; ein dreitüriger Kombi mit seitlich aufschwenkender Hecktür, 4,24 Meter kurz, 1,63 Meter schmal tailliert. Die erfolgreiche Caravan-Geschichte endete 2008 mit der Einführung der ersten Insignia-Generation. Seither heissen die Opel-Kombi lifestylekonform Sports Tourer. Sie sollen nicht bloss Nutzwerterwartungen erfüllen, sondern auch ästhetischen Ansprüchen gerecht werden.

Wir fahren hinauf zum Grimsel-Hospiz, wo der Insignia dank Zwei-Liter-Turbomotor mit 260 PS, Achtstufenautomatik und Allradantrieb im unter der Woche wenig befahrenen Geläuf das Potenzial eines modernen Mittelklässlers voll ausspielen kann und Freude aufkommen lässt. Opel Suisse stuft das Topmodell mit 4×4 als die nachfragestärkste Insignia-Variante ein.

Die Taste «Sport» gedrückt, agiert er dynamisch und spontan, bügelt Strassenflickstellen und Schwellen allerdings zu steifbeinig aus. Das Programm «Tour» ist komfortabler, macht sich jedoch negativ auf das Ansprechverhalten des Motors und der Getriebeautomatik bemerkbar, soll dafür den sparsamen Betrieb fördern. Weil der Insignia «B» gewichtsmässig um über 100 Kilogramm abgespeckt hat, fährt er sich in jedem Fall agiler und präziser als der erste Insignia, der sich eher pomadig anfühlte. Aus dem Stand soll die stärkste Variante in 7,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen.

Der Fortschritt ist in vielen Bereichen erkennbar, in erster Linie bei der Kniefreiheit im Fond, wo jetzt Oberklassefeeling herrscht. Auch der Gepäckraum hat erfreulich zugenommen, liegt nun in der Fünfsitzekonfiguration bei klassengerechten 560 Litern. Die Rücksitzlehnen auf Knopfdruck flachgelegt, fasst der Laderaum 1665 Liter und nimmt bis zu zwei Meter lange Gegenstände auf.

Dazu stossen, teils in Serie, teils gegen Aufpreis, die fortschrittlichsten Assistenzsysteme, darunter die neueste Generation Rückfahrassistent. Dieses Feature warnt mittels Radarsensoren im Stossfänger beim Rückwärtsausparken vor sich nähernden Objekten in einem Winkel bis zu 90 Grad links und rechts des Autos. Motorisch beschränkt sich Opel wie die meisten Konkurrenten künftig auf maximal zwei Liter Hubraum und vier Zylinder. Unterhalb des gefahrenen Zweiliters mit 260 PS gibt es zwei 1,5-Liter-Benziner mit 140 und 165 PS (5,7 beziehungsweise 6,0 Liter auf 100 km), das Dieselsortiment reicht von 1,6 Liter mit 110 PS oder 136 PS (4,0 beziehungsweise 4,3 Liter auf 100 km) bis zwei Liter mit 170 PS (5,2 Liter/100 km). Letzterer gibt es ab 42‘100 Franken auch als 4×4 mit durchschnittlich einem Liter Mehrverbrauch.

Die Aussichten für den neuen Opel-Kombi sind positiv. Aber an die guten alten Caravan-Zeiten anknüpfen wird auch der aktualisierte Insignia nicht können. Anno 1992 verkaufte Opel über 7000 Omega vorwiegend als Caravan in der Schweiz, danach ging es steil bergab. 2011 waren es 1600 Insignia-Immatrikulationen, 2016 noch 615.

Die Marktverschiebungen auf den SUV-, sprich Geländewagen-Hype zu reduzieren, würde zu kurz greifen. Die Mittelklasse ist zu sehr in die Länge gegangen und die Kunden haben gemerkt, dass sie mit einem SUV oder Crossover dank der höheren Bauweise gleich viel Auto auf geringerer Fläche erhalten. Lediglich die Flottenbesitzer gewähren den Kombis noch eine Schonfrist.

Auch die am kommenden Auto-Salon in Frankfurt präsentierte, um 20 Millimeter höhergelegte Variante Country Tourer mit Offroadoptik dürfte an den gewandelten Kundenpräferenzen wenig ändern.

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