Zum Hauptinhalt springen

Meilenweit entfernt vom Ur-Jeep

Mit Ausnahme der Militärfarbe erinnert am Jeep Grand Cherokee 75th Anniversary nichts an das urchige Original, das 1941 für die US Army entwickelt worden ist. Das 250-PS-Sondermodell der Baureihe benimmt sich auf und neben der Strasse erstklassig.

Der Grand Cherokee ist seit gut einem Vierteljahrhundert ein sicherer Wert in der Verkaufspalette der Marke Jeep, die schon dreimal älter ist und häufig neue Besitzer gefunden hat.

Willys-Overland hat den Inbegriff eines spartanischen Geländewagens ab 1941 an die US Army geliefert und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Erfolg auch Kunden für zivile Verwendungszwecke angeboten. Kaiser-Frazer, Frazer-Jeep, American Motors, die Chrysler Corporation, Daimler-Chrysler, Cerberus und die Chrysler LCC als weitere Besitzer der Namensrechte haben zusätzliche Modelle hinzu­gefügt und die Marke breiter abgestützt. Seit 2014 ist Jeep eine rentable Tochtergesellschaft der Fiat Chrysler Automobiles und erfreut sich mit den Baureihen Renegade, Wrangler, Compass, Cherokee und Grand Cherokee beachtlicher Marktanteile in vielen Ländern.

Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens hat Jeep neben einigen anderen auch ein Sondermodell des Grand Cherokee mit geschichtsträchtiger Lackierung auf den Markt gebracht. Im militärischen Olivgrün mit der Bezeichnung Recon Green erinnert das Flaggschiff in seiner vierten Generation denn auch ein bisschen ans Original. In Schwarz oder Weiss und in allen anderen Belangen ist die limitierte 75th Anniversary Edition jedoch meilenweit von einem spartanisch eingerichteten Offroader entfernt. Der fast zwei Tonnen schwere Allradler mit Aussenmassen von 4,83 Metern in der Länge, 1,95 Metern in der Breite und 1,78 Metern in der Höhe bewegt sich als Reisewagen auf Autobahn und Landstrasse ebenso souverän wie im Gelände und macht auch bei höheren Geschwindigkeiten Spass.

Garanten dafür sind ein allen Bedingungen gewachsenes Fahrwerk, Allradantrieb und ein leider etwas durstiger 3-Liter-6-Zylinder-Turbodiesel mit 250 PS, der gut mit dem 9-Gang-Auto­matikgetriebe zusammenarbeitet. Dass die Abstimmung auf ein harmonisch-komfortables und nicht explizit auf ein sportliches Vorwärtskommen ausgelegt ist, stört keineswegs. Für Anhänger einer ambitionierten Fahrweise hat Jeep ja noch den Grand Cherokee SRT mit dem 468-PS-Hemi-Motor im Regal und als alternatives Gegenstück dazu ein braves Einstiegsmodell mit 140 PS, Handschaltung und Frontantrieb.

Die Jubiläumsausgabe trifft den Geschmack breiter Kundenkreise viel besser, erfordert aber einen wesentlich tieferen Griff in die Schatulle. Mit der passenden Sonderausstattung sind schnell einmal über 70'000 statt 55'500 Franken wie für die Basisversion ausgegeben.

Am grössten ist die Diskrepanz zwischen dem Ur-Jeep und dem Grand Cherokee 75th Anniver­sary Edition im Interieur. In den vielfach verstellbaren Ledersesseln sitzt es sich im grossen SUV ebenso bequem wie in einer Premiumlimousine. Der Einstieg erfordert allerdings eine gute körperliche Verfassung.

Der ganze Innenraum ist dafür edel eingerichtet und bietet viele Ablageflächen. Auf dem riesigen Bildschirm mit einer Diagonale von 21,3 Zentimetern sind Information, Navigation und Unterhaltung logisch steuerbar. Nach einer kurzen Angewöhnung ist alles schnell vertraut. Gleiches gilt für die Bedienungselemente.

Der Cherokee-Lenker geniesst auch dank dem zweiteiligen Panoramaschiebedach einen fantastischen Überblick und wird richtig verwöhnt. Dank grosszügiger Kopf-, Knie- und Beinfreiheit fühlen sich bis vier erwachsene Mitfahrer auch auf längeren Distanzen bestens aufgehoben.

Die Offroad-Qualitäten des Jeep Grand Cherokee sind im letzten Vierteljahrhundert kontinuierlich auf den aktuellsten Stand der Technik gebracht worden und über jeden Zweifel erhaben. Ob diese in dem mit vielen Design­details aussen und innen aufgewerteten Jubiläumsmodell überhaupt je zum Tragen kommen, darf indes bezweifelt werden.

Es gibt sicher vernünftigere Einsatzmöglichkeiten als den abenteuerlichen Abstecher über Stock und Stein. Die Reise an die Feriendestination in den Bergen jedenfalls wird von der ganzen Familie genossen. Problemlos abgedeckt werden auch die Bedürfnisse exklusiver Freizeitbeschäftigungen und des wöchentlichen Besuchs im Shoppingcenter im Grünen.

Weniger geeignet ist der Grand Cherokee für den Stadtverkehr, in dem der grosse Wendekreis das Manövrieren ebenso erschwert wie die schlecht abschätzbaren Aussenmasse. Zum Glück gehört die Rückfahrkamera zur Serienausstattung wie alle anderen gängigen Sicherheits- und Assistenzsysteme.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch