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Mit Ecken und Kanten

Mit der neuen Baureihe C-HR beschreitet Toyota einen neuen Weg – zumindest im Design. Der sehr auffällig gestaltete Crossover mit coupéhaften Zügen polarisiert, ist im Alltag aber ein kommoder Begleiter.

Coupé High-Rider. Das klingt irgendwie nach einem gepimpten Cadillac Impala, der «gangsta-style» durch Los Angeles cruist. Die Wahrheit ist wie so oft deutlich weniger romantisch. Coupé High-Rider heisst der neueste Toyota, C-HR also; die Ähnlichkeit dieses Kürzels mit den Modellbezeichnungen von Konkurrent Honda (CR-V und HR-V) ist wohl rein zufällig. Gemeint ist damit ein coupéhaft gezeichneter Crossover, wie sie gerade en vogue sind. Immerhin bieten die Japaner im C-HR Allradantrieb an, was viele der Mitbewerber nicht für nötig halten. Dafür gibt es schon mal einen Pluspunkt.

Beim Design vergeben wir keine Punkte – es ist schlicht ein zu subjektives Kriterium. Uns gefällt, dass Toyota mutig ans Werk ging und den C-HR mit Ecken und Kanten und mit gewagten Proportionen versehen hat. Dieser Look polarisiert: Im Stau wedelt ein deutscher Polo-Fahrer ganz aufgeregt mit den Händen, nur um uns dann mitzuteilen, dass dieses Auto «voll der Hammer» sei. An der Tankstelle hingegen ernten wir auch gerümpfte Nasen und abschätziges Lachen (was wir beides dem Testfahrzeug zuschieben). Ob man den C-HR nun also mag oder nicht, ist Geschmackssache – wir befürchten allerdings, dass sich dieses mutige Design bald abgenutzt haben dürfte.

Die avantgardistische, futuristische Gestaltungssprache wird im Innenraum fortgeführt. Hier kann der Toyota wieder punkten. Auffallend ist die blaue Linie, die sich aus den Türen quer über das Armaturenbrett und über den oben aus der Mittelkonsole ragenden Bildschirm zieht; sie wirkt wie eine Ambientbeleuchtung und verleiht dem Cockpit einen sehr modernen Touch. Unter dem grossen Display gibt es nur wenige Tasten, die Bedienung ist einfach, die Rundinstrumente sind gut ablesbar, die Ergonomie stimmt – in diesem Auto sitzt man gerne.

Das trifft zumindest für die Vordersitze zu – im Fond hingegen herrscht Tristesse. Die Sitze sind zwar gut, die Kopf- und Beinfreiheit ebenfalls, doch das Raumgefühl ist nichts für klaus­trophobisch Veranlagte: Wegen der sehr hohen Schulterlinie und der schiessschartenartigen Fensterchen fühlt man sich hier regelrecht eingekerkert. Nicht schön für Erwachsene, und für Kinder erst recht nicht: Die «Aussicht» auf graue Plastikpaneele dürfte dem Nachwuchs nicht gefallen. Ein Familienauto ist der C-HR folglich nicht, auch weil der Kofferraum mit 377 Litern nicht gerade üppig ist. Punktabzug!

Obwohl es den C-HR natürlich auch als Hybridversion gibt, fuhren wir die Variante mit 1,2-Liter-Turbobenziner – die gibt es nämlich auch mit Allradantrieb. Leider aber ist Allradantrieb ausschliesslich mit dem stufenlosen CVT-Getriebe erhältlich, was wir gar nicht goutieren: Wer einmal ein solches Getriebe über einen Bergpass gequält hat, der weiss, wovon die Rede ist. Unter Volllast jault der Benziner auf wie ein tollwütiger Köter, die Beschleunigung fühlt sich sirupmässig an, und der C-HR ist noch nicht mal mit Schaltwippen ausgestattet, was den Gummibandeffekt zumindest etwas dämpfen würde.

Der Benziner ist mit 115 PS Leistung und einem Drehmoment von 185 Newtonmetern kein Kraftpaket, es reicht aber aus, um die leer 1585 Kilogramm wiegende Fuhre alltagskonform zu beschleunigen. Tempo 100 erreicht der C-HR mit CVT in knapp 12 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h – bezüglich Fahrleistungen verdient sich der Toyota keine zusätzlichen Punkte.

Solche gibt es hingegen für das Fahrverhalten – denn der C-HR rollt gut ab, lässt sich präzise führen und ist dank Allradantrieb stets auf der sicheren Seite. Wir sehen ihn als gemütlichen Cruiser, und wenn man ihn dementsprechend fährt, verschwindet auch das nervtötende Getriebe im Hintergrund. Dann ist der Toyota ein sehr angenehmes Fahrzeug, mit dem man auch gerne längere Strecken in Angriff nimmt.

Unter dem Strich ist der Toyota C-HR ein spannendes Auto; avantgardistisch oder gar revolutionär, wie das Design suggeriert, ist er hingegen nicht. Wer einen kommoden Crossover sucht, der sich optisch von der Masse abhebt, wird mit dem Japaner fündig. Ein Schnäppchen ist er allerdings nicht: Die von uns gefahrene Version kostet ab 35‘300 Franken.

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