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Mit neuem Konzept zum alten Erfolg?

Die letzte Generation des Nissan Micra war nicht sehr erfolgreich. Höchste Zeit also für eine komplett neue Version – und die hat durchaus das Zeug, im hart umkämpften B-Segment zu reüssieren.

Mickrig? Der Nissan Micra müsste es laut seinem Namen eigentlich sein, doch er ist es keineswegs. Für die neueste Ausgabe müsste gar eine neue Modellbezeichnung gefunden werden – sie misst mit einer Aussenlänge von 3,99 Metern nämlich beachtliche 17,4 Zentimeter mehr als der Vorgänger. Den ersten Micra (ab 1982) überragt die fünfte Generation um stolze 26,4 Zentimeter.

Es überrascht also nicht, dass die Japaner an der Pressepräsentation des neuen Micra vollmundig von einer Revolution reden. Dies ist zwar freilich Marketinggehabe. Doch tatsächlich war eine grundlegende Umgestaltung des Kleinwagens nötig, war doch die letzte, vierte Modellgeneration erheblich weniger erfolgreich als erhofft: Verkaufte sich der zweite Micra weltweit noch 1,35 Millionen und in der Schweiz 25'000-mal, so floppte der vierte Micra mit weltweit 404'000 Einheiten geradezu; in der Schweiz wurden davon lediglich 7000 Stück verkauft.

Das soll nun wieder ändern, und die Chancen stehen gut, wie wir nach den ersten Fahreindrücken, die wir im kroatischen Dubrovnik sammeln konnten, meinen. Der neue Micra legt alles Knuffige ab, ist nicht nur deutlich länger, sondern auch sichtbar breiter und klar flacher als zuvor. Das erzeugt sportliche Proportionen, wie sie heute en vogue sind, darüber hinaus aber auch einen sehr guten Luftwiderstandsbeiwert (0,29) und somit Verbrauchsvorteile.

Beim Einsteigen in den Fond machen sich diese Proportionen allerdings bemerkbar: Auf die hinteren Sitze zu gelangen, ohne sich dabei den Kopf zu stossen, ist nur mit taktischem Geschick möglich. Ohnehin sitzt es sich hinten etwas beengt, was man dem Micra aber angesichts der Fahrzeuglänge verzeiht. Oder, wie uns ein Nissan-Mitarbeiter zuraunte: Wer sitzt bei einem solchen Fahrzeug schon hinten?

Vorne sitzt man dafür ausgezeichnet. In der Ausstattungsvariante Tekna, der höchsten der fünf angebotenen Trim-Levels, ist das Cockpit geradezu feudal ausgestattet, chic gestaltet und auf verschiedene Weise indi­vidualisierbar. Geradezu ein Schandfleck sind im Vergleich dazu die hinteren Türen, deren Verschalung lieblos aus einfarbigem Plastik besteht und die auch in der Topvariante mit einer fummeligen Handkurbel für die Fenster versehen sind – sorry, Nissan, da lasst ihr Punkte liegen.

Der Fahrer überblickt gut ablesbare Instrumente mit einem modernen Infodisplay dazwischen, der Bildschirm für das Infotainmentsystem ist leicht hervorstehend in die Mittelkonsole integriert – das ist chic und übersichtlich. Kleiner Makel: Nur Besitzer eines iPhone können ihr Telefon mit Apple Car Play voll vernetzen, Android Auto folgt erst 2018 – schade.

Abgesehen davon hat uns der neue Micra in allen Punkten gefallen. Das Design ist betont sportlich, sehr modern und eigenständig; eingefleischte Fans der Baureihe werden sich damit erst anfreunden müssen, umso mehr hat der Neue aber Chancen, jüngere Kunden anzuziehen. Der Kofferraum (mit etwas hoher Ladekante) fasst 300 Liter, ein guter Wert im B-Segment, und klappt man die Rücksitze um, finden 1004 Liter Platz.

Die Ausstattung ist modern und bemerkenswert umfangreich. Hochwertige Assistenzsysteme wie etwa ein Spurhalter, ein Notbremssystem mit Fussgängererkennung oder eine 360-Grad-Kamera sind nicht selbstverständlich in diesem Segment. Gleiches gilt für das toll klingende Bose-Soundsystem mit Lautsprechern in der Kopfstütze des Fahrers, die ein besseres Raumklangerlebnis erzeugen (Bose Personal). Und natürlich sind die gängigen Komfortfeatures wie Zwei-Zonen-Klimaautomatik oder Sitzheizung an Bord.

Die Motorenpalette ist alles andere als revolutionär, dafür vernünftig und angemessen. Zwei Drei-Zylinder-Benziner werden angeboten, ein 0,9-Liter mit Turbo und 90 PS sowie ein 1-Liter-Sauger mit 73 PS, der in der Schweiz allerdings kaum Beachtung finden wird. Dazu gibt es noch einen 1,5-Liter-4-Zylinder-Diesel mit 110 PS. Wir fuhren den Selbstzünder und den Turbobenziner, und beide machen ihre Sache auf ihre Weise gut.

Wir wünschen uns eine sportliche Nismo-Version dieses kleinen Flitzers, das würde zum knackigen Fahrverhalten und zur präzisen Lenkung passen. Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht; noch lässt sich Nissan aber nicht in die Karten blicken. Vorerst kommt der neue Nissan Micra nur in den beschriebenen Versionen ab März in den Handel, die Preise starten bei 13‘890 Franken. Zum Marktstart werden alle Motoren mit einem manuellen Getriebe kombiniert, eine Automatikversion wird erst 2018 folgen.

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