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Symphonie auf zwölf Töpfen

Nach einer Laufzeit von fünf Jahren und gut 5500 ausgelieferten Fahrzeugen wird das Topmodell von Lamborghini neu aufgelegt. Im Aventador S gibt es Allradantrieb, Allradlenkung und noch mehr Leistung für den V12-Motor.

Aventador ist der Name eines Kampfstiers. Aventador klingt aber auch wie Adventure. Und ein Abenteuer ist es alleweil, hinter dem Lenkrad eines Autos aus Sant’Agata Bolognese Platz zu nehmen. Schon deshalb, weil ein Bolide aus dem nahen Maranello auf unseren Strassen viel öfter anzutreffen ist und man einen aus Zuffenhausen fast an jeder Ecke sieht.

In der zweiten Generation kommt das Lamborghini-Topmodell mit vielen aerodynamischen Optimierungen sowie Modifikationen bei Fahrwerk und Antriebsstrang daher. Ein verlängerter Frontsplitter verbessert den Abtrieb, neue Luftkanäle reduzieren den Luftwiderstand und optimieren die Kühlung der Bremsen. Noch mehr Abtrieb an der Hinterachse wird durch den neuen Diffusor und den aktiven Heckflügel erzeugt. Und auch die Feinarbeit am Unterboden bringt weitere Vorteile.

Geblieben ist das extrem verwindungssteife Carbon-Mono­coque mit angeschraubtem Alu-Rahmen zur Aufnahme des längs vor der Hinterachse installierten, frei saugenden V12-Motors. Das 6,5-Liter-Aggregat ist noch immer Herz und Hauptattraktion des Aventador. Dank neu abgestimmtem Ansaugtrakt sind jetzt bei 8400 Umdrehungen 740 PS verfügbar – 40 mehr als im Vorgänger. Das Drehmoment ist beim Maximalwert von 690 Newtonmetern unverändert geblieben, verläuft aber harmonischer über die riesige Drehzahlspanne. Weil das Fahrzeug nur 1575 Kilogramm wiegt, ergibt sich ein überaus attraktives Leistungs­gewicht von 2,13 kg/PS.

Das Abenteuer Aventador beginnt mit dem Einsteigen: Die Tür schwenkt nach oben, der Fahrer fädelt zwischen Tür und kräftigem Schweller auf den Schalensitz ein, hebt das rote Hebelchen auf der riesigen Mittelkonsole und drückt den Startknopf. Augenblicklich folgt Zwölf-Zylinder-Donnergrollen. Ohne Zweifel sind hier ein Dutzend grosse, atmosphärisch befüllte Töpfe an der Arbeit; bereit, die Kurbelwelle in kürzester Zeit von wenigen 100 auf bis über 8000 Umdrehungen pro Minute zu beschleunigen. Noch immer verschont Lamborghini den Sportwagenpuristen vom Turbolader – Turboloch ist also kein Thema.

Der Antriebsstrang steht im Zeichen der Vier: Alle vier Räder sind am Vortrieb beteiligt, alle vier Räder werden gelenkt, und vier Fahrmodi bestimmen die Gangart. Eine erste Erfahrung vermittelt uns die Vierradlenkung auf einer kurzen Slalomstrecke. Direktes Umsteigen vom Vorgänger auf den Neuen macht den Vergleich besonders eindrücklich. Kleine Lenkradbewegungen genügen, um das 4,8 Meter lange und 2 Meter breite Auto leichtfüssig und präzise durch die Pylonengasse zu dirigieren.

In der Boxenstrasse vor der ersten Runde auf dem Circuit Ricardo Tormo bei Valencia steigt die Spannung. Der Zwölfzylinder hinter dem Fahrersitz knurrt, der Gasfuss wird ungeduldig. Dass es regnet, die Strecke nass ist und die Motorleistung überaus üppig, bringt zusätzliche Spannung ins Spiel. Weil wir aber ohne Gegenverkehr unterwegs sind und das Vier-mal-vier-mal-vier-Konzept vieles vereinfachen soll, geht es gleich im Fahrmodus Corsa los, der die Motor- und Getriebe­charakteristik besonders bissig macht und der Stabilitätsregelung mehr Freiheiten lässt.

Wie giftig der V12 hochdreht und wie ultraschnell das automatisierte Getriebe die Gänge wechselt, ist schlicht atemberaubend. «Unser Getriebe schaltet extrem schnell und ist kompakter und leichter als ein Doppelkupplungsgetriebe», sagt Technikchef Maurizio Reggiani. «Dass die Gangwechsel etwas weniger komfortabel sind, stört unsere Kunden nicht.»

Präzise kurvt der Aventador S durch enge und weite Bögen. Weil der Grip auf der nassen Piste begrenzt ist, spürt man gut, wie die Vorderräder in den Kurven Traktionsarbeit übernehmen und das Fahrzeug so auf Kurs halten. Wesentlich zu den hervorragenden Nässeeigenschaften des Aventador S tragen auch die neuen, auf die Allradlenkung angepassten Reifen von Partner Pirelli bei, welcher seit Jahrzehnten eng mit dem Sportwagenbauer zusammenarbeitet.

Wir halten fest: Der Aventador der zweiten Generation ist in Bezug auf Fahrspass kaum zu überbieten, und Regenzeit auf der Piste ist nur halb so schlimm. Der Spass beginnt ab läppischen 399‘000 Franken.

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