Auto-Salon

Wettrüsten mit automobiler Modellvielfalt

2017 wird für die Automobilindustrie technologisch ein Übergangsjahr. Die Elektromobilität ist noch nicht auf Touren, das autonome Fahren nicht serienreif. Am Auto-Salon in Genf dominiert, was sich derzeit verkaufen lässt: Kleinwagen, PS-Protze und jede Menge SUV.

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Noch einmal mehr vom Gleichen – so lautet die Antwort der Hersteller auf die aktuellen Herausforderungen in der Automobilindustrie. Der Auto-Salon in Genf, ein bewährter Gradmesser der Branche, ist geprägt von einer noch nie da gewesenen Modellvielfalt. Und ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen.

An den Pressetagen am Dienstag und Mittwoch dieser Woche kündigten die Hersteller gleich reihenweise Modelloffensiven an. Möglich macht dieses Wettrüsten die modulare Bauart moderner Autos: Verschiedene Karosserievarianten oder auch Modelle bauen auf ein und derselben technischen Plattform auf.

Eindeutig am schnellsten wächst das SUV-Segment. Autos in Geländewagenproportionen dominieren erneut die Neuheitenliste am Salon. Bei VW zum Beispiel steht der Tiguan nun als Allspace mit zusätzlichen 21 Zentimetern in der Länge – gemacht auch für den US-Markt. Geländewagenspezialist Land Rover will mit dem 4,8 Meter langen Velar eine Lücke im Modellangebot füllen – obschon im Konzern schon zwei nahezu gleich grosse SUV parat stehen. Und Audi geht mit dem seriennahen Q8 Sport Concept in der Grösse noch einmal über den Q7 hinaus.

Kleinwagen: Eine Randnotiz

Die Liste lässt sich fast beliebig verlängern: Citroën zeigt mit dem DS7 Crossback einen SUV, Subaru mit dem XV ebenso, und dann ist da Volvo, wo der Verkaufsschlager XC60 in neuer Generation zu bewundern ist – mit Treibholz-Zierleisten für Naturliebhaber.

Dass mit dem Ford Fiesta, dem Suzuki Swift oder dem Kia Picanto auch drei Kleinwagen in eine neue Runde respektive Generation gehen oder der Toyota Yaris ein Facelift bekommen hat, ist nur eine Randnotiz. Was an echten Neuheiten in Genf debütiert, ist gross und grösser. Der Porsche Panamera – einst die Antwort auf die engen Platzverhältnisse im Porsche 911 – wird als Panamera Sport Turismo zum Kombi erweitert. Und der 911-Konkurrent Mercedes AMG GT steht als viertüriges Concept mit 815 PS starkem Plug-in-Hybrid-Antrieb «Panamera-like» in der Messehalle.

Was in Genf fehlt, sind Alltagsinnovationen. Peugeot inszeniert mit dem Instinct Concept die Zukunft des selbstfahrenden Autos zwar spektakulär, aber fernab der Serienreife. Und Bentley überrascht mit der Studie eines Elektro-Cabrios – umständlich «Exp 12 Speed 6e» genannt. Allzu konkrete Absichten für eine Serienfertigung gibt es jedoch nicht. DieReaktionen, heisst es, sollen die künftige Elektro-Strategie der Marke beeinflussen.

Politik bestimmt die Agenda

In beiden Kernthemen, Elektromobilität und autonomes Fahren, sind in Genf 2017 keine grossen Entwicklungsschritte erkennbar. Während überall auf der Welt mit selbstfahrenden Autos experimentiert wird, bleibt es in den Serienmodellen vorerst bei teilautonomen Konzepten, wo die Hände noch am Lenkrad bleiben müssen. In der Elektrifizierung ist die Branche bei der Brückentechnologie des Plug-in-Hybrids, also kombinierten Antrieben mit Verbrenner, Elektromotor und Batterie, stecken geblieben.

Was am Auto-Salon 2017 fehlt, sind Alltagsinnovationen.

Das ist auch dem Markt geschuldet: In der Schweiz erreichten die reinen Elektromobile im letzten Jahr knapp ein Prozent Marktanteil, was in Europa bereits einen der Spitzenwerte markiert. Einzig Norwegen, wo der Staat grosszügige Anreize setzt, schwingt mit 20 Prozent obenaus.

Fragt man Brancheninsider in Genf nach der Elektrifizierung, heisst es, die Wende werde kommen. Nur die Zeit sei noch nicht reif. Gemeint sind damit auch die Rahmenbedingungen. Die in der Schweiz und der EU vorgegebenen CO2-Grenzwerte von 130 Gramm pro Kilometer über die verkaufte Flotte schaffen die Autokonzerne auch so. Selbst Premiumhersteller wie Mercedes-Benz, bei denen der Anteil reiner Elektrofahrzeuge deutlich unter einem Prozent liegt.

Solange die Nachfrage nicht wächst, richtet sich die Agenda der Branche nach der Politik. Mercedes-Benz wird 2019 mit EQ eine eigene Elektromarke lancieren – ein Jahr bevor der europäische Grenzwert auf 95 Gramm pro Kilometer sinkt respektive auf 100 für «Premiumhersteller».

Stille Entwicklungstreiber

In der Zwischenzeit steht die Entwicklung nicht still. Sie wird durch Batterienhersteller vorangetrieben. Im Schnitt liegt die Optimierung der Batterien bei 14 Prozent pro Jahr. Entsprechend haben sich die Reichweiten der Elektromobile verbessert oder die Produkte verbilligt. Ausdruck dieser Entwicklung ist der Opel Ampera-e mit 500 Kilometern Reichweite, der zwar nicht als Premiere in Genf steht, dafür aber schon Mitte Jahr in der Schweiz auf den Markt kommt.

Einen Lichtblick am Salon bietet auch Hyundai mit dem FE Fuel Cell Concept. Der SUV mit Brennstoffzelle und 800 Kilometern Reichweite ist trotz seiner futuristischen Optik nahezu serienreif. Er soll 2018 auf den Markt kommen.

Erstellt: 09.03.2017, 11:33 Uhr

87. Genfer Auto-Salon

Anreise und Preise

Mit dem Besuch von Bundesrat Johann Schneider-Ammann beginnen heute die Publikumstage des 87. Internationalen Genfer Auto-Salons. Bis am 19. März sind in den Palexpo-Hallen unter anderem über 100 Welt- und Europapremieren der internationalen Autokonzerne zu sehen. Wochentags ist die Ausstellung jeweils von 10 bis 20, samstags und sonntags von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Die normale Tageskarte für Erwachsene kostet 16 Franken. Die Organisatoren empfehlen die Anreise per Bahn; die SBB bieten Kombitickets an. (mcl)

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