Weihnachts-Flashback

Der stärkste Mann des Universums

Als Kind der 80er-Jahre gab es für ZRZ-Online-Leiter Martin Steinegger zu Weihnachten nur ein richtiges Geschenk: He-Man-Actionfiguren! Über Umwege hat er nun zu den Plastikhelden seiner Kindheit zurückgefunden.

«Bei der Macht von Grayskull – ich habe die Zauberkraft»: Wenn Adam, Prinz des weit entfernten Planeten Eternia, diese magische Formel sprach und sein Zauberschwert in die Höhe streckte, geschah unvorstellbares. Der schüchterne, schwächliche und belächelte Prinz verwandelte sich in He-Man, den stärksten Mann des Universums!

Von diesem Moment an hatten all die Bösewichte, die sich in so einem Universum tummeln, nichts mehr zu lachen. He-Man besiegte sie alle und verhinderte, dass die Welt von Eternia (und das ganze Universum) ins Elend gestürzt wurde. Und das alles stets mit einem lockeren Spruch auf den Lippen.

Kampf zwischen Gut und Böse

Doch He-Man war nicht alleine. An seiner Seite kämpften zum Beispiel die tapfere Prinzessin Teela, der technisch versierte Waffenmeister Man-at-Arms, der brüllende Tiger Battle-Cat oder der stets einen Meter über dem Boden schwebende Troll-Zauberer Orko.

Eine Auswahl der «Guten» (von links): Prinz Adam, He-Man, Teela, Man-at-Arms und Orko. Quelle: www.he-man.de

Doch auch die Bösewichte waren nicht zu verachten. Unter der Führung des Oberschurken Skeletor (im Wesentlichen ein blauer Muskelprotz mit Skelettgesicht) versuchten fiese Gestalten wie das zottelige Ungeheuer Beast-Man, der aus einem Auge feuernde Tri-Klops, das Seemonster Merman oder der mit einem mechanischen Waffenarm ausgerüstete Trap-Jaw die Macht auf Eternia an sich zu reissen; natürlich stets vergeblich, so wie sich das für eine Kinder-Fantasy-Welt gehört.

Das «Best of» der Bösewichte (von links): Skeletor, Beast-Man, Merman, Trap-Jaw und Tri-Klops. Quelle: www.he-man.de

Die «Masters of the Universe»-Spielzeugreihe wurde Anfang der 80er-Jahre vom US-Spielzeughersteller Mattel lanciert. Sie zog mich als Kind in ihren Bann. Zusammen mit meinem Bruder sammelte ich die Plastikfiguren reihenweise. An Weihnachten gab es für mich keinen grösseren Wunsch, als einen weiteren Protagonisten aus meiner Heldenwelt unter dem Baum zu finden. Meine Eltern gaben meinem Drängen zum Glück nach. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Hörspiel-Kassetten waren der Renner

Aber wir spielten nicht nur. Wir lasen und hörten auch. Der Europa-Verlag brachte Mitte der 80er-Jahre, auf dem Höhepunkt des He-Man-Hypes, eine Hörspielreihe auf den Markt. Mein Bruder und ich verbrachten Stunden vor unseren Kassettengeräten und spielten diese Bänder immer und immer wieder ab (ja, damals hatten wir noch keine Computer oder I-Phones und die DVD war erst im Kommen).

Die Masters of the Universe-Hörspielreihe auf Kompaktkassette von Europa war ab Mitte der 80er-Jahre der Renner in unseren Kinderzimmern. Heute nachzuhören im Internet. Quelle: Youtube

Doch irgendwann verblasste die Faszination an He-Man und Co. Die Helden meiner Kindheit ereilte dasselbe Schicksal, das fast allen Kinderspielzeugen früher oder später blüht: sie landeten in einer Kiste im Speicher meines Elternhauses.

Vor Kurzem änderte sich das aber plötzlich. Ich glaube es war meine Zweitgeborene (ich habe drei Töchter), die beim Stöbern auf dem Speicher von «Uma und Upa» auf die eingemotteten Action-Figuren und die Hörspielkassetten stiess. Sie zerrte alles nach draussen. Das Meiste war noch in gutem Zustand.

Von diesem Moment an griff das He-Man-Fieber auf meine Kinder über. Vor allem die Hörspielkassetten hatten trotz ihres beachtlichen Alters von fast 30 Jahren (!) offensichtlich nichts von ihrer Faszination eingebüsst. Jedenfalls wanderte allmählich Kassette um Kassette von meinen Eltern zu mir nach Hause. Meine Töchter zügelten alles ab. Bald tönte wieder die vertraute Formel aus den Kinderzimmern: «Bei der Macht von Grayskull – ich habe die Zauberkraft».

Neue Sammler-Edition für das 80er-Kind

Motiviert durch meine Kinder hörte und spielte ich selber wieder mit. Meine Töchter verlangten sogar, dass die abendliche Gutenacht-Geschichte ab sofort im He-Man-Universum stattzufinden habe.

Wieder angekommen in der «Masters of the Universe»-Welt durchsuchte ich das Internet nach meinen Helden. Und hey: Die Figuren gab es immer noch zu kaufen. Und zwar in komplett neuer Gestaltung, als Sammler-Edition für Nostalgie-80er-Kids wie mich.

Ich konnte nicht widerstehen. Rasch bestellte ich im Netz nach und nach die «Original 8», also die Neuauflagen der acht Figuren, die 1981 im Rahmen der ersten Staffel auf den Markt gekommen waren. Die Post kam jeweils direkt vom Sitz des Herstellers in den USA. Endlich wieder He-Man-Päckli auspacken!

So sieht die neue Garde aus, die ich aus Übersee bestellt habe. Bild: Martin Steinegger

Es war für mich, als hätte jemand die Zeit zurückgedreht; ein echter «Flashback». Ich war wieder das Kind, das an Weihnachten ungeduldig darauf wartete, endlich das Papier von den Weihnachtsgeschenken zu reissen, um meine neue He-Man-Figur in den Händen halten zu können.

So hat sich der Kreis für mich heute geschlossen. Meine Kinder spielen mit den Figuren aus meiner Kindheit und lauschen gebannt den Geschichten aus Eternia. Ich nehme dann meine eigene Helden-Kollektion aus dem Schrank und mache fröhlich mit. Frohe Weihnachtszeit!

Erstellt: 16.12.2016, 09:30 Uhr

Weihnachts-FlashBack

Weihnachtszeit ist auch die Zeit der Kinder. Geschenke, Süssigkeiten, Suche nach dem Christchindli. Auch wir Erwachsene denken mit etwas Wehmut an die schöne Zeit anno dazumal zurück – und manche Traditionen und kleine Momente lassen wir auch heute noch hochleben (wenn auch nur heimlich). Die sechs Redaktoren von ZRZ-Online (zsz.ch, zuonline.ch, landbote.ch) berichten über ihre persönlichen «Weihnachts-FlashBacks».

(Bild: ZRZ-Online)

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