Zürich

«Ich bin als Reisender immer wieder mal ein «Foreigner»

Jan Dutler ist Clown. Für die Figur des «The Foreigner» in der Cirque du Soleil Produktion «OVO», hat er die rote Nase abgelegt, schwirrt als fieses Insekt durch den Regenwald und hinter einer Königstochter her.

Jan Dutler jongliert mit verschiedenen Facetten des Clowseins – im Cirque du Soleil lebt er solche in der Figur des «The Foreigner» aus.

Jan Dutler jongliert mit verschiedenen Facetten des Clowseins – im Cirque du Soleil lebt er solche in der Figur des «The Foreigner» aus. Bild: Martin Allemann

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Jan Dutler, schon als Kind wollten Sie Clown werden. Was hat Sie so an der Rot-Nase fasziniert?
Jan Dutler (31): 1993, besuchte ich als Achtjähriger den Zirkus Knie. Dort sah ich das Clown-Duo Adrenalina & Alfredo. Am Ende der Nummer herrschte ein Riesenchaos im Rasierschaum. Das gefiel mir und die Figuren, die Menschen hinter der Schminke, die Berufung dazu. Es war eine völlig andere Welt als jene in der ich aufgewachsen bin und mich bewegte.

Welche Personen haben Sie fortan inspiriert?
Mr. Bean, Jim Carrey in meiner Kindheit. Inzwischen habe ich weitere interessante Künstler kennengelernt.

Wie waren die Reaktionen aus der Familie, dem Umfeld, als sich das Clownsein als eher unübliche Berufung konkretisierte?
Die Eltern sahen, dass was ich anpacke bisher auch immer funktioniert hat und unterstützen mich bei meinen Vorhaben. Sie sind stolz. Ich habe indirekt auch auf sie abgefärbt, weil ich Dinge auf eine andere Art und Weise angehe.

Beispielsweise was und wie?
Früher hat mein Vater Ferien akribisch geplant. Heute lässt er sich eher treiben und nimmt es, wie es kommt.

Einerseits schlägt Ihr Herz für die Musik, andernseits für feine Komik...
Ich konnte die Musik mit dem Clownsein – Tanz, Pantomime, Bewegung und Mimik – veredeln. Meine eigene Kunstform finden.

Man könnte etwas bösartig sagen, man muss in keiner dieser Generes perfekt sein. Ist es gerade die Kombination die fordert?
Man jongliert mit vielen Bällen: Konversation mit dem Publikum, mit dem Schauspieler in dir drin, mit Bühnenpartnern, oder der Technik die man anwendet. Das ist manchmal harte Arbeit, aber auch schön, dass man dies unbeschwert, mit Humor und Augenzwinkern tun darf. Ich musste erst lernen, mich als Künstler zu definieren, einzuordnen.

«‹The Foreigner› ist selbstsüchtig, arrogant, hat kein Taktgefühl und hat keine Ahnung, wie man das Herz einer Frau erobert.»

Jan Dutler

Sie führen ein Nomadenleben. Sind Sie ein Ruheloser, ein Getriebener?
Ja, ich bin «gisplig» und rastlos. Das wird mir manchmal zum Verhängnis.

Auch Mühe, sich bei einem Engagement unterzuordnen?
Ja und nein. Ich bewege mich in unterschiedlichen Städten, zeitzonen und Klimas. Da ist man um Konstanten froh. Auch um einen geregelten Tagesablauf. Um 18.30 Uhr putze ich die Zähne, schminke mich, ziehe das Kostüm an, binde die Schuhe und laufe auf die Bühne. Ich weiss was mich dort erwartet und was ich tue.

Und froh um fixe Arbeitszeiten und geregeltes Einkommen?
Das beruhigt. Es bleibt dann mehr Freiraum und Zeit, sich auf das Künstlerische zu konzentrieren.

Wo wurde die Cirque du Soleil Show «OVO» produziert?
In Montreal (Kanada). Sie läuft bereits seit 2009 und wurde im Zelt rund um den Erdball gespielt. Jetzt folgt die Hallentour mit der Europa-Prémiere vom 5. bis 8. Oktober im Zürcher Hallenstadion. Es wurden teilweise neue Akteure engagiert und die Produktion kommt mit einer modifizierten, stadionoptimierten Inszenierung daher. Ich wurde für ein Jahr engagiert und spielte bereits rund 120 Shows.

Wie kam es zum Engagement?
Ich lernte den Clown, der diese Figur beim Cirque kreierte, in der Francine Cote Clown & Comedy School in Montreal – die ich besuchte – kennen. Dort habe ich eine änliche Technik mitbekommen. Wir verstanden uns gut und er unterrichtete mich privat. Später verhalf ich ihm zu einem Engagement. Irgendwann trafen wir uns auf ein Bier daraufhin empfahl er mich dem künstlerischen Leiter des Cirque. Es gab Mitbewerber, die Wahl viel schliesslich – glücklicherweise – auf mich. Man könnte sagen: ich war zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Sie stellen in «OVO» eine blaue Fliege «The Foreigner» dar. Eine Wunschfigur oder hat sich das erst im Laufe des Castings ergeben?
Sie schauten, ob ich die Energie für den darzustellenden Charakter aufbringen kann. Die Ironie ist, dass sich die Figur in einer Situation bewegt, in welcher ich im Privatleben unzählige Male steckte: als Ausländer, welcher anders ist und in einer Gemeinschaft ankommt – als Reisender.

(Schmeiss-)Fliegen werden eher als lästig empfunden...
Er ist ein selbstsüchtiger, aroganter «Tubel». Ohne Anstand und der nicht weiss, wie man das Herz einer Frau gewinnt. Einer der gestern auf dem Planeten Erde angekommen ist, als Erstes den Film «Pump Fiction» sieht und denkt, genau so läuft es – «Hello Baby...». Er hat kein Taktgefühl, ist lästig, sieht und mimt den Supertypen.

Clowns schliesst man – in der Regel – schnell ins Herz. Ist es gerade deshalb reizvoll, eine eher unliebsame Figur darzustellen?
Die Rolle bedient sich der ganzen Palette an Emotionen. Zu Beginn kann man sich wenig mit dem Typen anfreunden. Dann tut er einem irgendwann leid und schliesslich freut man sich, dass er es schafft – was auch immer…

«Schon als Acht- jähriger war ich von Clowns, den Menschen unter der Schminke fasziniert – dieses Leben wollte ich  auch führen.»

Jan Dutler

Fliegen Sie?
Leider nein. Ich habe nicht einmal Flügel. Überhaupt ist es gar nicht so offensichtlich, was für ein Insekt ich bin.

Bei «OVO» denkt der Schweizer – die Show verspricht ja viel Swissness – unweigerlich an ein Energieversprechendes Heissmilchgetränk. Darum dreht sich die Geschichte aber wohl kaum oder?
«OVO» bedeuten im Portugisischen «Ei». Und eben um ein solches geht es. Es lebte einst eine farbenfrohe, musikalische Insektenkolonie im Regenwald. Eines Tages kam ein «Foreinger», ein Andersrassiger mit seinem Ei an und bringt diese Gemeinschaft durcheinander. Aber sie stehlen ihm das «Oval». Und so beginnt die Suche nach dem Ei und der Königstochter in die er sich verliebt. Klar hat er dabei einige Hindernisse zu überwinden.

Das «OVO»-Logo schaut wie das Antliz einer Fliege aus, oder zweier Eier...
Genau so ist es.

Was reizt sie am «The Foreigner» und wovor graust es Sie?
Die Vielschichtigkeit. Arroganz, Enttäuschung, Verwahrlosung, ein zerbrochenes Herz und am Ende die Freude und den Erfolg spüren. Die Wandlung mit klarer, grosser Körpersprache darzustellen. Ich schwitze jedes Mal Kilos weg. Meine reine Bühnenaktivität beträgt bei gut eineinhalb Stunden Spielzeit etwa 30 Minuten. Das scheint wenig, ist aber körperlich sehr anstrengend. Aber natürlich ist es sehr befriedigend, jeweils vor 1500 bis 5000 Leuten zu agieren. Ich mache Erfahrungen in meinem Alltag, die ich nicht missen möchte und sehe nicht, wie von aussen, das Glamouröse und Pompöse.

Sie liefern das Stichwort. Es ist eine finanziell sehr aufwändige Show. Ein Kontrastprogramm zu ihrem sozialen Engagement...
Vor einiger Zeit ging ich mit «Clowns ohne Grenzen» nach Nicaragua und unterrichtete in Granada an einer Zirkusschule Kinder und Jugendliche. Clown-Workshops und Auftritte mit Artisten aus westlichen Ländern. Auch schon zur Zeit als ich als Handwerker tätig war trat ich in Behinderteneinrichtungen und Altersheimen auf. Ein solches Engagement war und ist mir wichtig.

Was ist Ihnen für Ihre künstlerische Zukunft wichtig?
Meine eigenen Ideen auf einer Zirkus-Tournee verwirklichen. Ich werde wohl auch künftig in Montreal leben. Dort gibt es eine sehr bunte Künstlerszene und ich hoffe natürlich auf ein Engagement einer tollen Compagnie.

Und was erhoffen Sie sich von ihrem Auftritt in Zürich?
Was gibt es Schöneres als vor heimischem Publikum zu agieren. Ich bin auf die Reaktionen gespannt. Unterschiedliche Mentalitäten gibt es überall zwischen Nord und Süd. Ich hoffe, das die Zuschauer nicht andächtig-verspannt in ihren Sitzen hocken, sondern lachen und klatschen – wenn sie es für richtig halten.

Erstellt: 22.09.2017, 14:57 Uhr

TICKETVERLOSUNG

Cirque du Soleil – Der «Zürcher Unterländer» verlost für die Show am Donnerstag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr 2×2 Tickets. Die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden.
Kennwort: Foreigner
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 25. September, 8 Uhr (mit Name, Adresse und Handy-Nr.). Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.red

Cirque du Soleil – «OVO»

Donnerstag, 5. Oktober und Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr, Samstag, 7. Oktober, 16 und 19.30 Uhr, Sonntag, 8. Oktober, 12 Uhr (20% Familien-Rabatt) und 15.30 Uhr. Hallenstadion, Zürich-Oerlikon.
Tickets: www.ticketcorner.ch,Telefon 0900 800 800 (Fr.1.19/Min.).

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