Fitness

Crossfit und Piloxing statt Zumba

Weg mit der Schokolade, Schluss mit dem Rauchen. Der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze. Sich mehr zu bewegen, ist häufig einer davon. Zwei Experten erklären, was in Sachen Fitnesstrainings angesagt ist.

Bewegung in der Gruppe macht Spass: Erklärte Zumba-Fans probieren an der Fintess-Expo in Zürich Piloxing aus.

Bewegung in der Gruppe macht Spass: Erklärte Zumba-Fans probieren an der Fintess-Expo in Zürich Piloxing aus. Bild: zvg

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«Es gehört zum Zeitgeist, sich schnell für Neues zu begeistern», sagt Cyril Lüthy von der Trainingsschule Star Education in Zürich. Das gelte für Fitnessangebote ebenso wie für Smartphones. «Oft ist es ja Altbewährtes in neuem Kleid.» Lüthy hat vor drei Jahren M.A.X. lanciert, ein halbstündiges Übungsprogramm für mehr Kondition und Kraft. «Es wird mittlerweile in rund 250 Studios unterrichtet», sagt er stolz. «Und das, ohne je einen Medienhype erfahren zu haben.»

Fragwürdige Kombinationen

Hochgelobten neuen Trends steht der Experte skeptisch gegenüber. «Aktuelle Kombinationen wie Piloxing oder Yogadance erscheinen uns als seriöser Bildungsinstitution manchmal fragwürdig. Sie sind auch tatsächlich in den Studios kaum verbreitet. Vor einige Zeit hiess es mal, Sledge Hammer Workout sei ein neuer Trend – dabei haben aber nur ganz wenige mitgemacht. Es war einfach ein Spass, mit dem Vorschlaghammer auf alte Autoreifen einzuschlagen.»

Ganz so spektakulär sind die Neuerungen dieser Saison nicht. Piloxing beispielsweise kombiniert Pilates, Boxen und Tanz. Die in den USA lebende Schwedin Viveca Jenson hat es 2009 erfunden, weil sie selbst Balletttänzerin, Pilatestrainerin und Boxerin ist. Die Teilnehmerinnen (es sind vor allem Frauen) folgen einer Choreografie und tragen dabei Handschuhe mit Gewichten, um die Anstrengung zu vergrössern. Inzwischen wird es schweizweit von rund zwei Dutzend Studios angeboten (www.piloxing.com).

Weitaus athletischer ist Crossfit, das ebenfalls in Amerika entwickelt wurde. Es geht um Ausdauer und Kraft: Gewichtheben, Liegestütz, Klimmzüge, Gewichtheben, Seilspringen – alles, was wehtut, ist dabei. Sogenannte Affiliates (Lizenznehmer) gründen Boxes – Trainings­gruppen – und verbreiten es weltweit. Etwa zwanzig sind es im Kanton Zürich (map.crossfit.com).

Einen Tanz gibt es immer

Trotz solcher Erfolge gibt es derzeit keinen Trend, der so unumstritten ist wie Zumba vor ein paar Jahren. Das sagt auch Heike Neumann von SAFS, der Swiss Academy of Fitness and Sports, die Lizenzen für internationale Programme wie Body Combat, Body Pump oder CX Works vergibt und auch selbst Kurse entwickelt. «Es hat sich ausgezumbatet, auch wenn es immer noch einzelne Kurse bei den wirklich guten Trainern gibt. Die Welle war ja aus den USA zu uns geschwappt und mit einem riesigen Marketingbudget in die Studios gedrückt worden.

So schafft man einen weltweiten Hype. Uns war aber klar, dass Zumba wieder verschwinden würde.» Zuvor war es Aerobic schon ähnlich ergangen. Der Megatrend der Achtzigerjahre ist inzwischen fast ganz verschwunden. Weil aber die Kunden, und insbesondere die Kundinnen, ein Bedürfnis nach Fitness durch Tanz haben, nehmen Programme wie Dancess oder Kapow einzelne Aerobic-Übungen wieder auf.

Ein weiteres Grundbedürfnis sind offenkundig zeitsparende Konzepte. In kaum einem Stundenplan fehlen intensive, halbstündige Lektionen, die M.A.X., Grid oder Boost heissen. Die High Intensity Intervall Trainings (HIIT) sind auf Effizienz ausgerichtet. «Ein völlig unsportlicher Mensch, der mit Übergewicht und Bluthochdruck zu kämpfen hat, wäre hier jedoch fehl am Platz», warnt Heike Neumann. «Er sollte zunächst mit Indoor Cycling oder Krafttraining an den Geräten Grundlagen legen.» Effizient sind auch die Angebote, die ein bestimmtes Problem des Sportlers lösen sollen. Rückenfit, Antara oder «Bauch, Beine, Po» wären entsprechende Klassiker.

Yoga als Wellness-Sport

Wahrscheinlich kann es auch niemandem schaden, in Gruppen für Yoga oder Pilates mitzumachen. Es gibt sie in fast jedem Fitnessstudio. «Als Pilates rund um die Jahrtausendwende aus den USA nach Europa zurückkam, dachte ich, es würde bald wieder verschwinden», räumt Heike Neumann ein. «Es ist aber ein Dauerbrenner geworden. Überrascht hat mich auch der Erfolg von Yoga. Ich hätte vor 20 Jahren nie gedacht, dass man Yoga im Fitnessstudio anbieten würde. Und ich bin auch heute nicht sicher, ob in jeder Yoga-Stunde, die angeboten wird, auch wirklich Yoga gelehrt wird – die Ausbildung ist ja sehr aufwendig.» Yoga und seine säkularen Abkömmlinge Pilates oder Faszientraining decken ein grundsätzliches Bedürfnis nach Entspannung und Gesundheit. Das dürfte so bald nicht aus der Mode kommen.

Trainer sind konzeptmüde

An Ideen für neue Konzepte mangelt es den Ausbildern von Fitnesstrainern nicht. «Es gibt ja immer wieder neues Equipment, das man einsetzen kann», sagt Cyril Lüthi, «aber vor der Entwicklung erfragen wir im Markt, welche Bedürfnisse da sind. Und in Augenblick sind viele Trainer ein wenig konzeptmüde.»

Der Fitnessprofi warnt vor zu hohen Erwartungen an neu entwickelte Trainings. «Erfolgsprogramme wie M.A.X. werden nicht über Nacht erfunden. 80 Prozent davon habe ich vorher schon so unterrichtet. Der Name, die Musik und die Marketingstrategie kamen erst später dazu. Was künstlich erfunden wird, hat es schwer. Was über Jahre entstanden ist, setzt sich durch.»

Richtig ist, was Spass macht

Heike Neumann bricht dagegen eine Lanze für die kurzlebigen Trends: «Solange es den Sportlern Spass macht, ist jede Bewegung in Ordnung. Alles ist besser, als mit Chips zu Hause auf der Couch zu sitzen. Es geht bei Gruppenfitness ja auch immer um soziale Kontakte.» Damit bestätigt sie Erkenntnisse aus einer Studie des Bundesamtes für Sport, nach der ein Viertel aller Schweizer Mitglied in einem Sportverein ist und dort nicht nur den Körper, sondern auch das Sozialleben pflegt. Nur 16 Prozent besuchen demnach Fitnesscenter, wohingegen jeweils rund achtzig Prozent der Eidgenossen regelmässig wandern oder schwimmen gehen. Diesen Sportarten kann kein noch so ausgefeiltes Marketingkonzept Konkurrenz machen.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 23.12.2016, 16:22 Uhr

Was ist was

Der Name eines Fitnessprogramms klingt meist cool. Dummerweise verrät er nicht immer, was sich dahinter verbirgt. Eine kleine Auswahl:

Boost, M.A.X. oder Grit
sind halbstündige Trainings, die Sportler schnell und effizient fit machen sollen. Bei M.A.X. und Grit gibt es einen Vorturner, Boost ist dagegen ein Zirkel­training, bei dem jeder selbst entscheidet, wie sehr er sich ­anstrengt. Sie gehören zu den HIIT-Angeboten: High Intensity Intervall Trainings.

Piloxing kombiniert Pilates, bei dem Bauch- und Beckenbodenmuskulatur beständig angespannt sind, mit Box- und Tanzbewegungen, die ihrerseits für Ausdauer und Beweglichkeit sorgen. In Richtung Tanz geht auch Kapow, eine Weiterentwicklung von Aerobic mit einfachen Choreografien. Power Jumping betreibt man auf kleinen Trampolinen. Das war als Rebounding schon mal en vogue. Der ganze Körper und die Ausdauer werden trainiert. Mediziner loben die Schonung der ­Gelenke.

Crossfit erinnert an den Drill amerikanischer Soldaten. Es ist ein anspruchsvolles Herz-Kreislauf-Krafttraining, das Anfänger mit Vorsicht geniessen sollten. Es ist mit Outdoor-Bootcamps verwandt.

All diese Angebote tragen das Etikett «funktionelles Training». Anders als beim Krafttraining an Geräten wird nicht nur ein Muskel gezielt beansprucht. Komplexe Bewegungsabläufe verbessern Kraft, Ausdauer, Gelenkigkeit und Gleichgewicht.igr

Fitnessexperte Cyril Lüthi ist der Erfinder des halbstündigen Übungsprogramms M.A.X. (Bild: zvg)

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