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Der Krimiautor und sein Engel

Eigentlich ist er Krimiautor, doch nun hat Sunil Mann mit «Neue Freunde für Gabriel» schon sein zweites Kinderbuch geschrieben. Das hat ihm viel Spass gemacht.

Ist in zwei kontrastreichen Genres zu Hause: Krimiautor Sunil Mann mit seinem neuen Kinderbuch über den Schutzengel Gabriel.
Ist in zwei kontrastreichen Genres zu Hause: Krimiautor Sunil Mann mit seinem neuen Kinderbuch über den Schutzengel Gabriel.
Marc Dahinden

Herr Mann, Sie bringen fast gleichzeitig einen Krimi und ein Kinderbuch heraus: In «Gossenblues» jagt Ihr Detektiv Vijay Kumar zum siebten Mal Gauner durch den Zürcher Kreis 4; «Neue Freunde für Gabriel»hingegen spielt im Himmel.Ein Kontrastprogramm, das Sie da bieten.Sunil Mann: Dass die Geschichten fast gleichzeitig erscheinen, ist Zufall, sie waren einfach beide parat. Mir tut es aber sehr gut, gleichzeitig in diesen zwei kon­trastreichen Genres unterwegs zu sein. Ein Krimi ist logisch aufgebaut, das ist ein sehr mathematisches Konstrukt. Kinderbücher sind ganz anders, da kann ich drauflos fabulieren. Klar, auch ein Kinderbuch muss einen Span­nungs­bogen haben, aber da habe ich jeweils nur einen Anfang und ein Ende, den Rest schreibe ich intuitiv. Es hat mir so viel Spass gemacht, den «Gabriel» zu schreiben!

Wie muss man sich dasvorstellen: Nach zwei Stunden Beschäftigung mit dem Bösen gehen Sie ein bisschen in den Himmel, um sich zu erholen? Nein, ich war am Krimi dran, dann habe ich drei Wochen Pause gemacht und in dieser Zeit den «Gabriel» geschrieben.

In nur drei Wochen ist die ganze Geschichte entstanden? Ja, die Vorgängergeschichte «Immer dieser Gabriel» habe ich sogar in zwei Wochen geschrieben.

Dann arbeiten Sie aber Tagund Nacht. Nachts nicht, aber schon jeden Tag. Das macht so viel Spass, ich würde es nicht Arbeiten nennen.

Sie haben viele Jahre lang nur Krimis geschrieben und dann letztes Jahr Ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. Warum?Das war eine Anfrage von meiner Agentin. Kinderbücher waren damals nicht auf meinem ­Radar, aber sie fand, ich solle das mal probieren. Und ich dachte: Wenn sie denkt, dass ich das kann, dann versuch ichs mal.

Viele Künstler beginnen, sich mit Kinderkunst zu befassen, wenn sie selbst Nachwuchsbekommen. Sie haben aberkeine Kinder – wie gelingt esIhnen, in die kindliche Welteinzutauchen?Das gelingt mir problemlos. Ich glaube, in jedem Erwachsenen steckt noch ein Kind. Zur Vorbereitung habe ich letztes Jahr ein paar Kinderbücher gelesen und versucht, mir vorzustellen, was ich als Kind gerne gelesen hätte. Das wäre etwas Freches gewesen.

Das ist Ihnen mit derGeschichte über den Engel ­Gabriel gelungen.Ich wollte nicht so moralisch sein. Ein bisschen Moral braucht es, aber nicht zu viel.

Warum spielt Ihre Geschichte ausgerechnet im Himmel?Als ich die Figur entwarf, hätte ich gerne ein Tier gehabt. Aber ich musste feststellen, dass es schon sehr viele Tiere in Kinderbüchern gibt. Ich wollte nicht das zigste Buch über ein Krokodil schreiben. Dann kam mir die Idee vom frechen Schutz­engel, der ein bisschen überfordert ist. Es gibt natürlich auch viele Kinder­bücher über Engel – aber bei mir kommt nichts Religiöses oder Esoterisches vor. Der Engel Gabriel hat grosses Potenzial: Ich kann Dinge mit ihm an­stellen, die ich mit einer Giraffe nicht könnte.

Das bedeutet, dass es noch einen dritten Band über den Schutzengel Gabriel geben wird?Mal sehen. Ich mache nicht einfach eine Folge drei, damit eine neue Folge gemacht ist. Dafür müsste ich eine zündende Idee haben wie dieses Mal mit den Austauschschülern, die ins Engels­internat Wolkenschloss kommen. Das Thema bot Gelegenheit, auch leicht Politisches anzusprechen. Das fand ich spannend.

Diese Passagen verstehen vermutlich nur die Erwachsenen.Nun, es geht ja um Grundsätz­liches: Dass man sich auf andere Kulturen einlassen sollte, bevor man sie im wahrsten Sinn des Wortes verteufelt.

Was möchten Sie den Kindern mit Ihren Büchern mitgeben?Ich möchte, dass sie sich unterhalten fühlen. Da habe ich den gleichen Anspruch wie mit den Krimis. Erwachsene wie Kinder sollen meine Bücher lesen und Freude daran haben.

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