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Erholsamer Schlaf dank neuartigem Zungenschrittmacher

Wer an Schlafapnoe leidet, lebt gefährlich. Ein neu entwickelter «Zungenschrittmacher»lässt diese Menschen wieder durchschlafen und gibt Lebensqualität zurück. Der Eingriff ist klein, aber teuer.

Der Zugnenschrittmacher nimmt die Atemsignale auf und sendet Impulse, die das Verschliessen der Atemwege verhindern.
Der Zugnenschrittmacher nimmt die Atemsignale auf und sendet Impulse, die das Verschliessen der Atemwege verhindern.
Bilder Inspire Medical Systems Inc.

Der 77-jährige Albert Fischer fühlt sich wieder wie ein neuer Mensch, seit ihm vor einem halben Jahr ein neu entwickelter Zungennerven-Stimulator, eine Art «Zungenschrittmacher», eingepflanzt wurde. «Ich kann wieder einwandfrei schlafen, und ich bin morgens erholt», berichtet er.

Langjähriges Leiden

Der Luzerner leidet seit vielen Jahren unter einer starken obstruktiven Schlafapnoe. Bei dieser gefährlichen Krankheit fallen im nächtlichen Schlaf regelmässig die Atemwege im Rachen-Gaumen-Bereich zusammen, sodass der Atem aussetzt und es zu wiederkehrendem kurzen Aufwachen führt, was der Patient allerdings nicht spürt.

Die Sauerstoffversorgung kann hierbei stark abfallen. Typische Symptome sind Schnarchen mit Atempausen, erhöhte Schläfrigkeit oder Müdigkeit am Tag. Rund sechs Prozent der arbeitstätigen Bevölkerung sind davon betroffen, Männer doppelt so häufig wie Frauen. Der Prozentsatz für ältere Menschen liegt ebenfalls höher.

Funktioniert ähnlich wie ein Herzschrittmacher

Albert Fischer hatte bis zu 55 Aus­setzer pro Stunde und vermochte deswegen seit fast zehn Jahren nur noch mit einer Überdruckmaske zu schlafen, die bei Schlafapnoe verbreitet angewendet wird. Weil der sportliche Berggänger allerdings den bei ihm benötigten Druck nicht vertragen hat, war der Nutzen nur beschränkt.

Die chronische Müdig­keit schränkte vor allem bei gesellschaftlichen und geistigen Tätigkeiten ein. Beim Zusammensitzen, Lesen oder Fernsehen verfiel er andauernd in Sekun­denschläfchen, und es fehlte der Zusammenhang. Autofahren war an guten Tagen höchstens für Kurzstrecken möglich.

Am wohlsten bei Sport im Freien

Bei Sport im Freien war es ihm immer am wohlsten. Im letzten Sommer wurde Albert Fischer von der Klinik für Schlafmedizin (KSM) wegen eines Zungennerven-Stimulators angefragt. «Ich war natürlich sofort einverstanden», sagt er – und zählte damit zu einem der ersten zehn Patienten in der Schweiz, denen ein solches Implantat eingesetzt wurde.

Der Zungennerven-Stimulator besteht aus einem auf Brust­höhe eingesetzten daumengrossen «Schrittmacher», der kontinuierlich den Atemrhythmus des Patienten im Schlaf erfasst. Ein feines Kabel unter der Haut verbindet den Schrittmacher über Brust und Hals mit bestimmten Nerven der Zungenmuskeln.

Stromimpuls bei jeder Atmung

Bei jeder ­Atmung sendet nun der Schrittmacher einen leichten Strom­impuls zur Zunge. «Durch die Sti­mu­lation bewegt sich die ­Zunge beim Einatmen ein bisschen nach vorne und macht hinten Platz. Dort wo es beim Schlafapnoe-Syndrom die Atemwege zudrückt, wird es dann wieder frei», erklärt Arto Nirkko, KSM-Chefarzt. «Ähnlich wie beispielsweise ein Herzschrittmacher bei Herzrhythmusstörungen oder ein Hirn­stimulator bei Parkinson.»

Der dreieinhalbstündige Eingriff unter Vollnarkose und fünftägige Spitalaufenthalt war für Albert Fischer gut verträglich. «Ich musste morgens um sieben im Kantonsspital Liestal antraben, abends konnte ich schon wieder aufstehen, ohne Schmerzen, und richtig essen.» Die Narben an der Kehle und im unteren seitlichen Brustbereich stören ihn überhaupt nicht, und an das Gerät oberhalb der Brustwarze gewöhnte er sich innert zwei bis drei Monaten.

Kleiner Eingriff,aber sehr hohe Kosten

«Der Eingriff ist keine grosse ­Sache und das Risiko minim», bestä­tigt Arto Nirkko. Für den Schlafmediziner ist diese Methode «klar ein Fortschritt für Menschen mit obstruktiver Schlaf­apnoe.» Sie komme aber angesichts der hohen Kosten von rund 25 000 Franken nur für diejenigen infrage, die unter einer mittleren bis starken Apnoe litten und die deutlich billigere Beatmungsmaske nicht vertragen würden.

Wirkungslos ist er auch bei Menschen mit starkem Übergewicht, BMI 35 und mehr. Die Krankenkassen tragen die Kosten, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Die Einsetzung des Implantats erfolgte in Zusam­menarbeit mit dem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten Kurt Tschopp vom Kantonsspital Basel­land, das als führend auf die­sem Gebiet gilt. Eine solche Kooperation ist notwendig, weil die Schlafzentren über keine Chirurgie verfügen und umgekehrt die Hals-Nasen-Ohren-Kliniken über kein Schlaflabor, das unter anderem für die Feineinstellung des Schrittmachers wichtig ist.

Vier bis fünf Wochen abwarten

Bis Albert Fischer aber seinen Schlaf per Fernbedienung – abends ein, morgens aus – steuern konnte, musste er nach der Operation vier bis fünf Wochen abwar­ten. Der Eingriff hatte ­zuerst zu verheilen. Mit Einschalten des Schrittmachers ging es ­Albert Fischer aber rasch besser. Nach rund drei Monaten fühlte er sich wieder voll bei Kräften und die Sekundenschläfchen verschwanden nach und nach.

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