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Heilendes Wasser – am See und am Meer

Die kleine Republik Slowenien ist reich an Wasser: Thermalquellen, Seen und ein kleines bisschen Meer machen das Land attraktiv für Wellnessfans. Damit diese auch in Glücks-gefühlen baden, haben die Slowenen ein paar Rezepte parat.

Ein Juwel mitten im Alpensee: Auf der Bleder Insel läuten oft die Hochzeitsglocken – sofern der Bräutigam die Braut die Treppenstufen hochzutragen vermag.
Ein Juwel mitten im Alpensee: Auf der Bleder Insel läuten oft die Hochzeitsglocken – sofern der Bräutigam die Braut die Treppenstufen hochzutragen vermag.
Michel Wenzler

99 Stufen führen zum Glück, man sieht sie schon von Weitem. Sie führen auf den höchsten Punkt der kleinen Insel hinauf, die aus dem Bleder See ragt. Zuoberst thront eine Kirche, in der viele slowenische Paare heiraten. Denn schon lange ist die Insel ein Ort der Liebe. In keltischen Zeiten wurde hier die Liebesgöttin Živa verehrt.

Mit der Christianisierung musste diese dann der Heiligen Maria weichen, der auch die Kirche gewidmet ist. Der Brauch will es übrigens, dass der Bräutigam seine Braut alle Treppenstufen hochträgt, quasi direkt vor den Altar. Eine ziemlich schweisstreibende Angelegenheit: Man(n) sollte sich also gut überlegen, ob man wirklich hier heiraten will.

Wenig Schweizer Besucher

Die Insel beim Ferienort Bled ist nicht nur bei Hochzeitspaaren beliebt, sie ist auch jene Kulisse, die Feriengäste meist vor dem geistigen Auge haben, wenn sie ihre Ferien in Slowenien buchen – sofern sie denn überhaupt eine Vorstellung haben von diesem kleinen Land am Rande der Alpen, das halb so gross ist wie die Schweiz und gerade einmal 2 Millionen Einwohner hat.

Aus der Schweiz verzeichnet Slowenien, das 1991 mit dem Ende von Jugoslawien unabhängig wurde, gerade einmal 43 000 Besucher pro Jahr. Durchschnittlich verbringen diese zwei Nächte im Land, viele beschränken ihren Besuch zudem auf die Hauptstadt Ljubljana.

Dabei hat ein Schweizer den Tourismus in Bled angekurbelt. Der Berner Naturheiler Arnold Rikli erkannte Mitte des 19. Jahrhunderts, dass im Dorf im Norden von Slowenien ein gutes Berg- und Badeklima herrscht. Er entwickelte eine Heilmethode, die Baden in unterschiedlich warmem Quellewasser vorsah – und immer auch einen Spaziergang um den himmelblauen See.

Sturmläuten für Maria

Die Insel mit der Kirche ist auf diesem Spaziergang ein stetiger Blickfang. Von Weitem erweckt sie den Eindruck, als könne man hier Ruhe und Einsamkeit finden. Doch das ist wohl nur in den wenigsten Momenten so. Denn die Insel wird gut vermarktet. Das ist schon zu spüren, wenn man sich zusammen mit anderen Besuchern in einem Boot übersetzen lässt und dafür einen überteuerten Preis zahlt.

Auf der Insel stösst man dann auf einen Touristenshop, ein Restaurant – und oft auf eine Schlange im Innern der Kirche. Dort hängt ein langes Seil von der Decke, und damit sind wir wieder beim Glück: Wenn man am Seil zieht, ertönt die Glocke, und wer drei Mal läutet, dem soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Kein Wunder wartet hier jeder geduldig, bis er drankommt. Die Glocke läutet so ständig Sturm. Die Heilige Maria muss bereits taub sein. Und jene, die unten stehen, wissen eigentlich nie genau, ob die Glocken noch vom Vorgänger läuten oder ob man sie selber in Bewegung versetzt hat. Da bleibt nur zu hoffen, dass nicht auch die Wünsche durcheinandergeraten.

Mehr Glück, mehr Gewicht

Lohnt sich also der Ausflug auf die Insel, auf der es nicht viel mehr zu tun gibt als Glockenläuten im Akkord? Das muss jeder für sich entscheiden. Denn mitunter ist der Gedanke daran, was man auf dem Kleinod vorfinden könnte, besser als das, was man dort tatsächlich antrifft. Und manchmal reicht es bereits aus, sich mit der Vorstellung von Glück zu begnügen.

Eine Alternative zur Insel ist eine Bleder Kremšnita in einem Café am See, eine Crèmeschnitte aus Blätterteig und luftiger Vanille-Füllung. Sie steigert die Glücksgefühle ebenfalls – allerdings auch das Gewicht.

Dass Österreich und die Viennoiserie nicht weit sind, merkt man spätestens jetzt. Gerade im Norden von Slowenien ist noch zu spüren, dass das Land lange zur K.u.k.-Monarchie gehörte. Überhaupt wirkt hier vieles mitteleuropäisch: Die Bauernhäuser erinnern an jene aus unserem Alpenraum, die Strassen sind sauber, die Gebäude herausgeputzt und auf den Balkonen wachsen Geranien. Die Slowenen – ordentlich und pedantisch genau, manchmal aber auch ein bisschen sehr ernst – geben mitunter die besseren Bilderbuchschweizer ab als wir.

Venedig en miniature

Selbst im Osten des Landes, wo man durch etwas ärmere Gegenden kommt, wirkt alles gepflegt. Hier hat das Kuren noch längere Tradition als in Bled: Schon die Römer kannten die Thermalquellen, die hier sprudeln. Heute gibt es hier moderne Thermalbäder und Spas, wie man sie auch aus der Schweiz oder Österreich kennt. Nur liegen sie etwas abgelegen. Rimske Terme, Terme Olimia und Dolenjske Toplice sind nur einige Namen, die vor allem bei den Slowenen selber bekannt sind, von Schweizern aber selten besucht werden.

Ausländische Touristen sind häufiger im Westen anzutreffen, wo Slowenien auf einer Länge von 46,6 Kilometern an die Adria stösst und plötzlich südländisch wird. In Piran etwa, das wie eine Miniaturausgabe einer italienischen Stadt wirkt. Jahrhundertelang gehörte der kleine Ort zur venezianischen Republik.

Piran war ein wichtiger Stützpunkt für Venedig, da hier seit dem Mittelalter in Salinen Salz abgebaut wird – früher als weisses Gold bekannt. Alte Palazzi mit Markuslöwen aus Stein erinnern daran, und natürlich der Campanile, der dem venezianischen Glockenturm des Markusdoms nachempfunden wurde. Die Kopie hat das Original übrigens überdauert – stürzte doch Venedigs Campanile 1902 ein und wurde anschliessend wieder originalgetreu aufgebaut. Vielleicht stand damals sogar Piran Pate dafür?

Schwerfällig sozialistisch

Auch das benachbarte Seebad Portorož setzt schon einige Zeit auf Salz und Meer. In der Hotelstadt mit Spas und Wellnesscentern dominiert aber nicht mehr die leichte venezianische, sondern die schwerfällige sozialistische Architektur. Praktisch alle Hotels stammen noch aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Immerhin wurden die Betonburgen aus den 70er-Jahren renoviert und modernisiert, sodass sie heute nicht mehr ganz so abweisend wirken wie früher. Trotz eines künstlichen Sandstrands ist aber auch der Meeranstoss noch immer geprägt von Stein und Beton – auch wenn die Uferpromenade in den vergangen Jahren recht ansehnlich aufgewertet wurde.

Auf mehr Natur stösst man etwas ausserhalb in den Salinen von Secovlje nahe der kroatischen Grenze, wo noch immer Salz gewonnen wird. Die riesigen Salzflächen sind zu einem Naturreservat geworden, das vor allem für Vögel eine Heimat ist. Seit kurzem sind hier auch Wellnessfans willkommen: Die Betreiber der Salinen haben dort einen Outdoor-Thalasso-Spa eröffnet, in dem man sich unter freiem Himmel verwöhnen lassen kann – weitab von der Stadt und umgeben von viel Natur und Ruhe.

Von der hölzernen Liege aus, wo Therapeuten die Gäste in Schlamm einpacken, sieht man die Vögel am Himmel kreisen und hört den lauen Wind wehen. Das wirkt entspannend, irgendwann werden die Augen schwer. Mit Salzwasser spritzen sich die Besucher später den Schlamm und die Müdigkeit vom Körper ab. Jetzt ist man eingesalzen, durstig – und ein bisschen hungrig.

Vielleicht wäre es wieder einmal Zeit für eine Kremšnita.

Diese Reise wurde ermöglicht durch Slowenien Tourismus (www.slovenia.info) und Adria Airways (www.adria.si)

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