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Nachhaltigkeit in der Mode – Umdenken ist nötig

Der Ausverkauf hat die Geschäfte fest im Griff: Zu Schnäppchenpreisen gehen die Sommerkleider über die Ladentheke. Doch wie steht es mit der Nachhaltigkeit in Sachen Mode und was passiert mit den Kleidern aus der letzten Saison?

Berge von Kleidern: Verschiedene Modegeschäfte nehmen alte Kleider zurück. Sind diese noch tragbar, werden sie secondhand weiterverkauft.
Berge von Kleidern: Verschiedene Modegeschäfte nehmen alte Kleider zurück. Sind diese noch tragbar, werden sie secondhand weiterverkauft.
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Kaum hat der Sommer begonnen, tauchen in den Schaufenstern die übergrossen vier, meist roten Buchstaben auf: Sie schreien: «Sale!» Und im Eingangsbereich der Kleidergeschäfte stehen Dutzende Kleiderständer mit auf Kleinstpreise reduzierten Miniröcken, leichten Strickjäckchen, geblümten Blusen und gemusterten Sommerhosen. «Alles für sieben Franken», verspricht der Schriftzug darüber, der die Schnäppchenjäger anlockt. Alles jedoch findet nie einen Besitzer.

Doch was passiert mit den Kleidungsstücken, die niemand kaufen will? Die Strategien der Modegeschäfte, wie sie mit übrig gebliebener Ware umgehen, weichen nicht stark voneinander ab. Gelingt es nicht, die Reststücke mit stark gesenkten Preisen zu verkaufen, lautet die nächste Station meist: Outlet. Hat das etwas zu grell geratene Chiffonkleid oder die zu auffällig gemusterte Leoparden-Hose auch dort keine Chance, spenden die Kleiderläden ihre Ware an wohltätige Organisationen.

Reparatur verlängert das Leben der Kleider

So auch beim Outdoor-Bekleidungsgeschäft «Transa»: «Nachhaltigkeit wird bei uns gross geschrieben», sagt Nicole Schenker, Verantwortliche für Kommunikation bei «Transa». In den beiden Outletshops in Zürich und Bern werden die nichtverkauften Artikel zu einem reduzierten Preis angeboten. Schenker: «Ausserdem spenden wir immer wieder Kleidung und Schuhe der Winterhilfe Schweiz.»

Die Zahlen, wie viele Kleidungsstücke jährlich nicht auf dem üblichen Weg einen Besitzer finden, will das Unternehmen nicht benennen. Es engagiert sich aber für Nachhaltigkeit: Der hauseigene Reparaturservice soll das Leben von Regenjacken und Wanderschuhen wesentlich verlängern.

Vergleich von Schweizer Kleiderfirmen

«Transa» führt ausserdem mehrere Marken, die Mitglied der «Fair Wear Foundation» sind und die Tierschutzbestimmungen bei der Produktion von Daunen und Wolle beachten. Dazu gehört die Marke «Mammut». «Public Eye», früher «Erklärung von Bern» (EvB), führte 2010 in Zusammenarbeit mit der weltweiten «Clean Clothes Campaign» einen Vergleich von Schweizer Kleiderfirmen durch. «Mammut» schnitt dabei gut ab: Das Unternehmen wurde als «fortgeschritten» benotet.

Zu den Unternehmen, die im Firmenvergleich am schlechtesten wegkamen, gehört «Chicorée»: «Verweigerer» lautete das Urteil. Im Firmencheck, der vier Jahre später ebenfalls von «Public Eye» und «Clean Clothes Campaign» durchgeführt wurde, schnitt die Modekette ebenfalls mit «mangelhaft» ab: Das Engagement für einen Existenzlohn in den Produktionsländern wurde als «ungenügend» bewertet.

Positive Präsentation auf der Website

Doch das Unternehmen selbst präsentiert sich auf seiner Website positiv. Gleich mehrere Bestrebungen im Bereich Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung werden aufgeführt: So wird da berichtet, dass das Unternehmen in seinen Produktionsstätten in Bangladesch, Indien und China Mindestlöhne zahle, die über den gesetzlichen Vorgaben lägen.

Man engagiere sich für nachhaltige Produktion, Recycling und unterstütze soziale Projekte in Burkina Faso, Thailand und Bangladesch. Zertifikate oder Bestätigungen von offiziell anerkannten und unabhängig agierenden Labels sind jedoch nirgends zu finden.

«Nachhaltige Mode ist noch immer ein Nischenprodukt», sagt Daniela Kistler, Fachmitarbeiterin der «Clean Clothes Campaign» bei «Public Eye». Ein Aufwärtstrend sei zwar spürbar, «aber nur bei den besser Ausgebildeten im höheren Lohnsegment». Die breite Masse konsumiert weiterhin sogenannte «Fast Fashion», «also schnelllebige Mode zu Discounter-Preisen.»

Trotzdem gibt es momentan eine Zunahme von kleinen, innovativen Projekten und Labels, die sich mit Nachhaltigkeit in der Mode befassen, von kompostierbaren Kleidern über Flohmärkte und Kleidertausch-Events bis hin zu Läden, die Kleider vermieten statt sie zu verkaufen.

Für Altkleider gibt es Gutscheine

Mehrere grössere Modegeschäfte nehmen zudem Altkleider zurück. So zum Beispiel die Modekette «H&M», die die abgegebenen Kleidungsstücke anschliessend sortieren lässt. Noch tragbare Kleidungsstücke werden weltweit als Secondhand-Ware verkauft. Kaputte Stücke werden entweder zu Produkten wie Putzlappen umfunktioniert oder als Textilfasern sowie in der Herstellung von Produkten wie Dämm- und Isolierstoffen verwendet.

«Das sind alles unterstützenswerte Projekte», sagt Kistler von «Public Eye». Aber: «Der Aufruf zum Recycling ist mit einer Kaufanregung verbunden.» Denn die Unternehmen geben den Kunden, die ihre Altkleider in den Laden bringen, einen Gutschein für den nächsten Einkauf mit. «Damit wird wieder der Konsum von ‚Fast Fashion’ unterstützt. Und der Kreislauf findet kein Ende.» Wichtig sei deshalb, einen Gegentrend zum aktuellen Konsum von billiger Mode zu setzen.

Mit falschen Vorstellungen aufräumen

Dazu gehört für Kistler auch mit den falschen Vorstellungen aufzuräumen: Aktuell sei es beispielsweise unmöglich, dass alle Modelabels Biobaumwolle für die Produktion ihrer Kleidung verwenden. Denn: «Weniger als ein Prozent der Baumwolle auf der ganzen Welt stammt aus biologischer Produktion.»

Auch wenn die Nachfrage nach Biobaumwolle grösser wäre, das Angebot ist beschränkt. Falsch sei es auch zu glauben, dass teure Mode automatisch nachhaltiger sei. Dem ist nicht so: Gemäss den Rankings von «Public Eye» und «Clean Clothes Campaign» von 2010, schliesst die «H&M» beispielsweise besser ab als teure Labels wie «Benetton» oder «Diesel».

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