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Pillenmüde Frauen lernen ihren Zyklus wieder kennen

Viele Frauen, die hormonell verhüten, fühlen sich unwohl und haben kaum Lust. Einen Ausweg kann die natürliche Methode bieten.

Die Temperatur liefert einen der verschiedenen Anhaltspunkte. Sie sollte regelmässig und gleich nach dem Aufwachen gemessen werden.
Die Temperatur liefert einen der verschiedenen Anhaltspunkte. Sie sollte regelmässig und gleich nach dem Aufwachen gemessen werden.
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Es geht heiter zu an diesem Abend. Fünfzehn Frauen, die meisten noch jüngeren Jahrgangs, haben sich in einem Therapieraum in Zürich-Oerlikon versammelt und sprechen über Sexualität und Verhütung. Lustvoll und lebendig erklärt Workshop-Leiterin Bea Loosli, wie der natürliche Zyklus verläuft und wie Frauen eine Schwangerschaft vermeiden können, indem sie die körperlichen Vorgänge gut kennen.

«Ich wünsche jeder Frau, dass sie mindestens zwei Jahre lang ihren natürlichen Monatszyklus erleben kann», sagt Bea Loosli. Die 39-Jährige setzt seit ihrem 21. Lebensjahr auf die natürliche Verhütungs-Methode. Um ihre Erfahrungen weiterzugeben, hat die ehemalige kaufmännische Fachfrau eine Firma namens Ladyplanet gegründet.

Verschiedene Anhaltspunkte

Anhand verschiedener Anhaltspunkte – etwa die Veränderung der Körpertemperatur und des vaginalen Schleims – ermittelt Loosli jeweils ihre fruchtbaren Tage (siehe unten). In dieser Zeit verzichtet sie auf ungeschützten Penetrationssex. «Ihr könnt kreativen, lustvollen Sex haben, aber es darf kein Sperma in die Vagina gelangen», erklärt sie den Zuhörerinnen. «Auch kein Lusttröpfchen.»

«Ich wünsche jeder Frau, dass sie mindestens zwei Jahre lang ihren natürlichen Monatszyklus erleben kann.»

Bea Loosli, Inhaberin von Ladyplanet

Viele junge Frauen nehmen heute bereits kurz nach Einsetzen der ersten Menstruation die Pille. Nicht selten auf Drängen der Eltern, die Angst vor einer Teenager-Schwangerschaft haben. Doch in den letzten Jahren ist eine zunehmende Pillenmüdigkeit zu verzeichnen.

Rückgang der Verkaufszahlen

Davon berichten viele Frauenärzte und auch die Verkaufszahlen: Gemäss Angaben des Schweizerischen Apothekerverbands Pharmasuisse wurden 2006 noch 1,68 Millionen Packungen abgesetzt, waren es 2016 nur noch 1,32 Millionen – dies, trotz wachsender Bevölkerung. Allerdings sind diese Angaben nur bedingt aussagekräftig, weil auch andere Verhütungsmittel auf hormoneller Basis häufig zum Einsatz kommen- zum Beispiel Pflaster, Spiralen, Vaginalringe und Implantate.

Im Workshop berichtet eine 43-jährige Teilnehmerin, die jahrelang hormonell verhütete, von einem Widerwillen gegen die tägliche Tablettenschluckerei, den sie mit der Zeit entwickelt habe. «Ich war einfach nicht mehr richtig bei mir», beschreibt sie ihr diffuses Missbehagen. Konkrete Nebenwirkungen hatte sie zwar keine. Dennoch: «Ich habe ein besseres Körpergefühl, seit ich clean bin.»

Ähnlich ging es einer 22-Jährigen: «Ich hatte starke Stimmungsschwankungen und habe oft geweint.» Seit sie die Pille abgesetzt habe, gehe es ihr viel besser. «Ich will nie mehr zurück.» Dies, obwohl die angehende Lehrerin nun wieder Krämpfe während der Menstruation hat und etwas unreinere Haut – beides Beschwerden, welche die Hormone meist ziemlich zuverlässig zum Verschwinden bringen. Nicht selten schlucken Frauen die Pille sogar hauptsächlich wegen dieses schönen Nebeneffekts. Auch die Blutung kann etwa bei Badeferien oder einem Sportanlass auf einen weniger ungünstigen Moment verschoben werden.

Allzeit bereit aber ohne Lust

Auf der anderen Seite können die Hormone zu Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen oder Übelkeit führen. Je nach Präparat besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel oder Brustkrebs.

Viele Frauen klagen auch über Lustlosigkeit und trockene Scheide. «Mit der Pille seid ihr zwar stets bereit, die Frage ist aber, zu welcher Qualität», stellt Bea Loosli fest und fragt rhetorisch in die Runde: «Für wie viele Male tollen Sex mit galaktischen Orgasmen unterdrückt ihr euren natürlichen Zyklus?» Mit einem normalen Monatszyklus ist die körperliche Lust meistens in der fruchtbaren Phase am grössten. Ein Nachteil der natürlichen Methode ist, dass man ausgerechnet dann keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr haben darf, will man eine Schwangerschaft vermeiden.

«Ich hatte starke Stimmungsschwankungen und habe oft geweint.»

22-Jährige zum Thema Pille

Zudem unterliegt die Stimmung der Frau Schwankungen aufgrund der hormonellen Veränderungen. Während sie in der ersten Hälfte tendenziell heiter und kreativ ist, kann es kurz vor der Menstruation zu Gereiztheit kommen. Bea Loosli ist aber davon überzeugt, dass auch diese Unannehmlichkeit eine wichtige Funktion hat. «Häufig kommen in dieser Zeit Themen hoch, die man angehen sollte, statt einfach unter den Teppich zu wischen. Etwa solche, die mit der Arbeit, der Familie oder der Partnerschaft zu tun haben.»

Ihrer Erfahrungen nach seien die meisten Männer der natürlichen Verhütung gegenüber erstmal etwas kritisch eingestellt, sagt Loosli. Wenn sie aber merken, dass die Methode mit einem Libidoanstieg einhergeht, seien viele offen. Sie bietet auch Paarberatungen an.

Nachlässigkeit hat Folgen

Die sicher die Methode ist, hängt stark von der Übung und der Disziplin ab. Ein Vorteil sei bestimmt ein regelmässiger Zyklus, sagt Loosli. In den sieben Jahren, in denen sie Beratungen durchführt, hat sie lediglich zwei ungewollte Schwangerschaften erlebt. Und in diesen Fällen sei wohl stets auch eine gewisse Unzuverlässigkeit im Spiel gewesen, glaubt sie. Dennoch wolle sie keine Frau, der es gut geht mit der Pille, davon abbringen, versichert die Workshop-Leiterin. Sie selber findet es einfach viel toller, mit dem natürlichen Zyklus zu gehen, statt ihn zu unterdrücken.

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