Umbau

Selber umbauen: Ein Erfahrung, die zusammen schweisst

In einem alten Bauernhaus in Zünikon haben Bettina Altwegg und Hubert Herger mit ihren beiden Buben ihren neuen Wohnsitz gefunden. Oder besser gesagt: Sie haben ihn sich erarbeitet – sie haben beim Umbau viel Eigenleistung erbracht. Dabei wurde das Haus zu dem, was es heute ist: Ein Bijou.

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Unmittelbar neben der Strasse sprudelt ein Brunnen, darum herum gruppiert sich eine Handvoll Häuser. Eines davon sticht durch frisch getünchte Mauern besonders heraus: Es wurde erst im Frühjahr 2016 bezogen und befindet sich mitten im Dorfkern von Zünikon – wobei das etwas übertrieben ist, denn nur rund 100 Personen wohnen in dem keinen Weiler. Dieser gehört übrigens zur Gemeinde Wiesendangen und liegt gut drei Kilometer östlich davon auf einem Hügelplateau – inmitten einer intakten, grünen Landschaft.

Von Afrika nach Zünikon

Das Ländliche kontrastiert ziemlich zum weltläufigen Leben von Hubert Herger, der für eine Fluggesellschaft arbeitet und unter anderem auch drei Jahre in Westafrika lebte. Während dieser Zeit führte er mit seiner Partnerin Bettina Altwegg eine Fernbeziehung. Das sei rückblickend «gar nicht so schlimm» gewesen, findet Herger: «Ich war geschäftlich ohnehin alle sechs bis acht Wochen hier. Und sie besuchte mich in ihren Ferien oder während verlängerter Wochenenden in Afrika.»

Nach seiner Rückkehr Anfangs 2013 sei es dann Zeit geworden, sesshaft zu werden und auch die Familiengründung «wurde zum Thema». Das Paar begann, ein Haus zu suchen und besichtigte während anderthalb Jahren viele davon – bevorzugt solche, die über hundertjährig waren. Im Mai 2015 wurde es in Zünikon fündig: «Es liegt ideal: Etwa in der Mitte zwischen meinem Arbeitsplatz in Kloten und demjenigen meiner Partnerin in Frauenfeld», sagt Herger.

Abwägen vor dem Kauf

Um 1840 erstellt, wurde das Bauernhaus bis Ende der 1950er Jahre als Landwirtschaftsbetrieb ge-nutzt, danach diente es mehrheitlich Wohnzwecken. Die letzten baulichen Eingriffe wurden vor über 25 Jahren getätigt, dementsprechend war der Zustand nicht der beste: Es war mit erheblichen Investitionen zu rechnen und die potentiellen neuen Besitzer hatten sich zuvor Gedanken zu machen, ob sie das Projekt finanziell stemmen wollten bzw. konnten.

Sie kamen zu einer Lösung, die viel Eigenleistung vorsah: Einerseits hat Hubert Herger ein Flair fürs Handwerkliche, andererseits war noch ein grösseres Ferienguthaben für 2015 ausstehend – und ab Januar 2016 konnten die ersten Ferien für dieses Jahr bezogen werden.

Mehr Raum, mehr Licht

Der angebaute Schopf auf der Nordseite wurde durch einen neuen Anbau ersetzt: «Unsere Idee war, hier zusätzlichen, modern gestalteten Wohnraum zu schaffen, der einen Kontrast zum rustikalen Altbau bildet», erklärt Herger. «Auch sollte die Erschliessung des Obergeschosses aus den engen Verhältnissen im Haus herausgelöst und hierhin verlegt werden.»

Nun gelangt man über eine offene Treppe im Anbau (samt kleiner Galerie) dorthin – und wird oben im Gang von effektvoll angeleuchteten Bollensteinen, Riegeln sowie alten Deckenbalken empfangen. Die angrenzenden Schlaf-, Kinder- und Gästezimmer hingegen sind schlicht gehalten, aber gemütlich. Ein grosszügiges, modernes Bad rundet das Raumangebot ab. Das Haus erhielt übrigens kein neu isoliertes Dach: Die Wärmedämmung wurde im Estrichboden eingebaut.

Während das Wohnesszimmer im Erdgeschoss nur aufgefrischt werden musste, waren im langen, engen Gang und im düsteren, rückwärtigen Hausbereich grössere Eingriffe nötig. Die östliche Wand des Gangs blieb bestehen und sorgt heute mit alten Riegeln für eine rustikale Atmosphäre.

Die westliche Wand hingegen wurde zum Grossteil entfernt: Im Bereich des Wohnzimmers übernehmen nun praktische Einbauschränke ihre Funktion und zur Küche wie auch zur Hausrückseite hin wurde sie sogar ganz weggelassen. Dort sorgen nun die Fenster des Anbaus für viel Helligkeit, die dank der offenen, lediglich von einer Bar abgeschlossen Küche auch in den Kern des Hauses eintreten kann. Umgekehrt bleibt so auch der Blick nach draussen frei.

Intimsphäre gewonnen

Obwohl mitten in der Dorfkernzone gelegen, sei der Umbau der alten Substanz von Seiten der Baubehörden «recht unproblematisch» gewesen, wie Bauherr Hubert Herger erzählt. «Das Haus selber ist noch nicht geschützt, es gilt aber als potenziell schützenswert.»

Allerdings mussten die grossflächigen Fenster des Anbaus – wie dies in Dorfkernzonen ländlicher Gemeinden häufig verlangt wird – durch eine Holzlattung kaschiert werden. Das tut dem Lichteinfall und dem Ausblick aber keinen Abbruch. Und im Gegenzug sorgt diese Massnahme dafür, dass man als Bewohner nicht allzu stark ausgestellt ist. Nach Westen hin verfügt der Anbau übrigens über einen direkten Ausgang zu einem Gartensitzplatz, der von der Abendsonne verwöhnt wird.

Obwohl die Räume in alten Bauernhäusern generell nicht sehr hoch und die traditionellen Fenster eher klein sind, präsentieren sich die nach Süden orientierten Räume – im Erdgeschoss das grosse Wohn-Ess-Spielzimmer, im Obergeschoss die Schlafzimmer – sehr hell und freundlich.

Dazu trägt auch bei, dass bereits der Vorbesitzer Trennwände entfernt und Räume zusammengelegt hatte: Selbst der grosse, braune Kachelofen in der Stube wirkt nicht störend oder erdrückend. Er ist immer noch funktionstüchtig und wird gelegentlich genutzt; die eigentliche Beheizung des Hauses erfolgt aber durch eine neue Holzpellets-Heizung.

Start an Weihnachten

Unmittelbar nach dem Kauf anfangs August 2015 begann Herger mit den ersten Abbrucharbeiten im Innern. «Ich wollte rasch vorwärtsmachen, um die Zeit der finanziellen Doppelbelastung möglichst kurz zu halten», sagt er. «Richtig los gings dann über meine langen Weihnachtsferien: Anfang Dezember 2015 war die Baubewilligung da und gemeinsam mit den Handwerkern konnten wir die eigentlichen Umbauarbeiten in Angriff nehmen. Ende April war der Bau bezugsbereit.»

Selbstverständlich wurde Herger von seiner Partnerin und von Profis unterstützt – allein hätte er das Projekt niemals durchziehen können: «Unter meinen Kollegen sind Maurer, Dachdecker und Elektromonteure, der Onkel meiner Partnerin ist Zimmermann «, sagt er.

Manchmal habe es unliebsame Überraschungen gegeben, etwa als angefaulte Dachbalkenköpfe entdeckt wurden – was ihren sofortigen Ersatz erforderte und zu Mehrkosten führte. Trotzdem blieb die Abschlussrechnung im Rahmen: Der Umbau kostete gut 350 000 Franken für die externen Handwerker und den begleitenden Bauleiter.

Viel selber mit gebaut

Nicht eingerechnet ist die erhebliche Eigenleistung der Bauherrschaft: Neben den erwähnten Ferien arbeitete Hubert Herger acht Monate lang jeden Samstag und zusätzlich zwei bis drei Abende à drei bis vier Stunden wöchentlich am eigenen Haus – also rund zwanzig Stunden pro Woche.

Als Ausschlaf- und Familientag blieb ihm lediglich der Sonntag: «Es war eine intensive Phase, praktisch ohne Freizeit», sagt Herger. «Aber es machte mir Freude, dranzubleiben: Unsere gemeinsame Vision motivierte mich.» Schlussendlich sei es eine gute, lohnende Erfahrung gewesen. «Wir haben unser ideales Heim gefunden und konnten unsere eigenen Ideen umsetzen», sagt er. «Dadurch, dass wir unser Haus quasi selber erlitten haben, hat es einen ganz anderen, emotionalen Wert – auch schweisste uns diese Erfahrung zusammen!» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.11.2017, 13:14 Uhr

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