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Sich lieben ohne unliebsame Folgen

Alle kennen Aids. Doch über die häufigste Geschlechtskrankheit wissen nur wenige Bescheid: Chlamydiose. Mit einer Plakatkampagne will man das nun ändern.

Die Plakate der neuen Kampagne sprechen Klartext. Denn: Über Chlamydiose wissen die wenigsten Jugendlichen Bescheid.
Die Plakate der neuen Kampagne sprechen Klartext. Denn: Über Chlamydiose wissen die wenigsten Jugendlichen Bescheid.
zvg / liebesexundsoweiter

Chlamydien sind keine Blumen. Diese Information verbreiteten Plakate vor eineinhalb Jahren in Winterthur. Was aber bedeutet der Begriff, der tatsächlich ein wenig an dekorative Gewächse wie Chrysanthemen oder Cyclamen erinnert? Noch immer wissen es viele nicht. Deshalb lancierte die sexualpädagogische Fachstelle Liebesexundsoweiter im Mai eine weitere Kampagne, um auf die häufigste Geschlechtskrankheit aufmerksam zu machen.

Diesmal im Klartext: Chlamydien. Sexuell übertragbar. Zudem ist die Bakterieninfektion ein wichtiges Thema in den Berufsschulklassen, welche die beiden Mitarbeitenden der Winterthurer Fachstelle regelmässig besuchen.

Ein Augenschein in einer Klasse von Detailhandelsfachleuten im ersten Lehrjahr. Zu Beginn der Stunde fragt Sexualpädagoge Martin Bernhard die Jugendlichen, was ihnen zum Stichwort sexuelle Gesundheit in den Sinn komme. «Aids», murmelt ein junger Mann. «Tripper», ein anderer. Sonst bleibt es eher still in der Klasse. Einige tuscheln oder kritzeln mit einem Stift auf ein Notizblatt.

Jugendlichen wissen wenig über Geschlechtskrankheiten

«Die meisten Jugendlichen wissen viel über HIV und Aids, aber vergleichsweise wenig über an­dere Geschlechtskrankheiten», stellt Bernhard immer wieder fest. Dabei sei das Risiko einer Ansteckung mit dem HI-Virus heutzutage für Jugendliche relativ gering. Dies, weil die meisten Infizierten antiretrovirale Medikamente einnehmen und danach andere nicht mehr anstecken können. «Aidsaufklärung ist immer noch wichtig, aber gleichzeitig sollten andere Krankheiten nicht vergessen gehen», stellt der Sexualpädagoge klar.

Denn besonders bei der Chlamydiose sind die Zahlen in kürzester Zeit dramatisch angestiegen. Wenn Ärzte eine Diagnose stellen, müssen sie die Krankheit dem Bundesamt für Gesundheit melden. In den letzten zehn Jahren haben sich die Meldungen schweizweit mehr als verdoppelt – von 5200 (2007) auf 11 000 (2016). Fast die Hälfte davon betrifft junge Menschen unter 25 Jahren.

Da viele Ansteckungen unentdeckt bleiben, dürften jedoch sehr viel mehr Menschen Träger der Bakterien sein. Etwa zwei Drittel der Fälle werden bei Frauen diagnostiziert. Mögliche Symptome sind Juckreiz im Genitalbereich, Brennen beim Wasserlassen, ein unüblicher Ausfluss aus Scheide oder Penis, Schmerzen, Brennen oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr. Häufig bleibt eine Infektion jedoch auch symptomlos. Die Erreger können aber trotzdem an die Sexualpartner weitergegeben werden.

Es kann zu einer Unfruchtbarkeit kommen

«Wenn man Veränderungen im Genitalbereich feststellt, sollte man unbedingt einen Arzt auf­suchen», legt Martin Bernhard seiner Berufsschulklasse nahe. Denn gerade für Jugendliche oder Personen, die noch einen Kinderwunsch haben, könne es schwerwiegende Folgen haben, wenn man die Krankheit nicht behandelt: Es kann bei beiden Geschlechtern zu einer Unfruchtbarkeit kommen. Dies, wenn Ei- oder Samenleiter undurchlässig werden, wenn sich die Infektion auf diese Organe überträgt.

Dabei wäre eine Behandlung relativ einfach: Das Bakterium kann mit einem Antibiotikum bekämpft werden. Der Test besteht in einem Abstrich der Schleimhaut oder einer Urinuntersuchung. Wichtig sei aber, dass sich beide Sexualpartner therapieren lassen, schärft Bernhard den Jugendlichen ein. Sonst stecke man sich gegenseitig wieder von neuem an. «Wenn Sie eine Diagnose erhalten, sprechen Sie mit Ihrem Freund oder Ihrer Freundin darüber.» www.liebesexundsoweiter.ch

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