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Wenn Essen wehtut – Allergie oder Intoleranz?

Lebens­mittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien können den Betroffenen das Leben schwermachen. Sie vertragen einzelne Lebensmittel nicht oder plötzlich nicht mehr.

Erdnussallergiker können schon bei kleinen Mengen im Essen einen allergischen Schock erleiden.
Erdnussallergiker können schon bei kleinen Mengen im Essen einen allergischen Schock erleiden.
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Ständig Probleme mit der Verdauung oder der Haut? Bei chronischen Beschwerden können Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten (-intoleranzen) die Ursachen sein. Dank ­jahrelanger Öffentlichkeitsarbeit wissenschaftlicher Organisationen wie «aha! Allergiezentrum Schweiz» sind viele dieser Allergien und Intoleranzen heute besser bekannt.

Dennoch leiden viele Betroffene teilweise immer noch stark und lange unter den Unverträglichkeiten. Das liegt zum einen daran, dass sie ihre Beschwerden häufig gar nicht als Krankheit wahrnehmen und deshalb lange Zeit keinen Arzt aufsuchen. Zum anderen braucht die Suche nach dem jeweiligen Auslöser oft viel Zeit. Intoleranzen kommen häufiger vor als Allergien

Studien belegen, dass Intoleranzen häufiger sind als Allergien. Während Lebensmittelallergien in industrialisierten Ländern schätzungsweise rund fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung betreffen, kommen Lebensmittelintoleranzen deutlich häufiger vor.

Durchschnittlich10 bis 30 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden an einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), fünf bis sieben Prozent an einer Fruktosemalabsorption und vertragen keinen Fruchtzucker. Ein Prozent zeigt eine Glutenintoleranz (Zöliakie) und ebenfalls ein Prozent eine sogenannte Histaminintoleranz. Doch wie unterscheidet sich eine Allergie von einer Intoleranz?

Allergie: Überreaktion des Immunsystems

Bei einer Allergie reagiert ein ­Betroffener anders auf eine bestimmte Substanz als ein nicht ­allergischer Mensch. Wer beispielsweise nach dem Genuss von Erdbeeren immer Juckreiz im Gaumen bekommt, reagiert anders auf Erdbeeren als die Mehrheit der Menschen und man sagt, er sei allergisch auf Erdbeeren.

Medizinisch betrachtet steckt hinter einer Allergie normalerweise eine Fehl- oder Überreaktion des Immunsystems auf einen von den meisten Menschen gut vertragenen Stoff. Den allergieauslösenden Stoff nennt man Allergen.

Die Zahl der Allergikerinnen und Allergiker hat sich in den letzten fünfzig Jahren rund verdreifacht. Über die Gründe wird in Fachkreisen heftig diskutiert. «In industrialisierten Ländern kommen die Menschen aufgrund des modernen Lebensstils seltener mit Parasiten in Kontakt als früher. Das Immunsystem ist demzufolge unterbeschäftigtund beginnt auf eigentlich harmlose Stoffe zu reagieren», sagt Umweltwissenschaftler Georg Schäppi, Geschäftsleiter von «aha!».

Ursachen: Experten sind sich uneinig

Führt also gar unser hygienische, schmutzfreie, saubere Lebensstil zu einer Häufung von Allergien? Wenn man an Grossmutters ­bewährte Erziehungsweisheit denkt, «ein gesundes Kind braucht mindestens ein halbes Kilo Dreck im Jahr», dann erscheint diese Ursachenvermutung – Wissenschaftler nennen sie auch die «Hygienehypothese» – gar nicht so abwegig.

«Weitere Gründe für den Anstieg von Allergien sind beispielsweise auch der Konsum von immer exotischeren Lebensmitteln oder gewisse entzündungsfördernde Luftschadstoffe», sagt Georg Schäppi.

Skeptiker vermuten jedoch, dass die Zahl der Allergiker und der Menschen, die von einer Intoleranz betroffen sind, in Wirklichkeit gar nicht so stark gestiegen ist. Heute erkennt die Medizin vieles als Allergie oder Intoleranz, was man früher nicht beachtet oder erkannt hatte.

Eine Störung des Versauungssystems

Medizinisch von solchen Allergien zu unterscheiden sind Unverträglichkeitsreaktionen und Überempfindlichkeiten auf bestimmte Lebensmittel. Sie entstehen als Folge einer Störung unseres Verdauungssystems. Viele dieser Probleme sind auf eine mangelnde Aktivität oder sogar auf das Fehlen bestimmter Enzyme im Dünndarm zurückzuführen. Die Ursachen können genetisch bedingt sein oder im Laufe des Lebens erworben werden.

Ein typisches Beispiel ist die verbreitete Milchzuckerunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz – fälschlicherweise auch als Milchzuckerallergie bezeichnet. Sie beruht auf einem Mangel des Enzyms Laktase im Verdauungstrakt, das den Milchzucker in seine Bestandteile Galaktose und Glukose spaltet. Der Milchzucker bleibt unverdaut und wird im Dickdarm solcher Patienten durch Bakterien vergärt. Das kann zu unangenehmen Symptomen wie Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall führen.

Der genetische Hintergrund dieses Laktasemangels und der folgenden Laktoseunverträglichkeit wurde erst in letzter Zeit aufgeklärt. In laktosefreier Milch für Laktoseintolerante wird der Milchzucker schon bei der Herstellung in seine Bestandteile Traubenzucker (Glukose) und Galaktose gespalten. Daher schmeckt sie süsser als normale Kuhmilch.

Wichtige Unterscheidung aus medizinischen Gründen

Für die Betroffenen scheint die strenge Unterscheidung zwischen einer Nahrungsmittelallergie einerseits und einer Nahrungsmittelintoleranz andererseits auf den ersten Blick nicht wesentlich. Für sie steht die Vermeidung ihres Leidens im Vordergrund. Das bedingt in der Regel den mehr oder weniger weitgehenden, bei Allergien sogar vollständigen Verzicht auf die entsprechenden Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe.

Aus medizinischer Sicht ist die Unterscheidung zwischen Allergien und Intoleranzen jedoch wichtig. Denn: Die Gefährdung ist unterschiedlich. Typische Unverträglichkeitsreaktionen rufen meist unangenehme, aber harmlose Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Kopfschmerzen hervor. ­

Allergische Reaktionen können dagegen lebensgefährlich sein. Schon Spuren allergener Lebensmittel können gefährliche Symptome auslösen und im Extremfall – besonders im Wiederholungsfall – zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen.

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