Zürich

«Unsere Songs sollen inspirierend sein und Zuhörende spirituell erreichen»

Mit Mary J. Blige, Naturally 7 und Marco Mengoni kehrt das «Live at Sunset» mit 12 Konzerthighlights auf die Dolder-Eisbahn zurück. Bei der A-cappella-Band Naturally 7 traut man seinen eigenen Augen und Ohren kaum.

Naturally 7 ersetzen mit ihren Stimmen ein ganzes Orchester.

Naturally 7 ersetzen mit ihren Stimmen ein ganzes Orchester. Bild: zvg / Mogaff

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Angefangen hat eure Bandgeschichte 1999 in New York, als Garfield Buckley eine Mundharmonika nachahmte. Wenn ihr damals geahnt hättet, wohin euch die Reise führen wird, wärt ihr diesen Weg dennoch gegangen, es gibt ja immer Sonnen- wie Schattenseiten des Erfolges . . .
Roger Thomas: Ja. Vielleicht mit etwas anderen Strassen beziehungsweise Routen. Generell müssen wir sagen, dass die Sonnen- gegenüber den Schattenseiten doch überwiegen.

Naturally 7 covern den Coldplay-Hit «fix you» Quelle: Youtube

Erfolg trennt oft auch Freundschaften. Wie ist es euch diesbezüglich ergangen?
Wir können uns glücklich schätzen, dass fünf von sieben Sängern von Beginn an dabei sind. Dennoch haben wir leider auch einige Freunde aus den Augen verloren, weil wir oft von zu Hause weg sind.

Bandmitglieder haben Naturally 7 verlassen, um sich wieder vermehrt der Familie oder anderen musikalischen Projekten zu widmen. Macht Erfolg auch einsam?
Ja, Erfolg kann einsam machen, wenn man ihn nicht mit den Personen teilt, die man liebt. In einer Gruppe braucht es kontinuierliche Arbeit und Übereinstimmung, um in die gleiche Richtung zu gehen.

Der Applaus, so sagt man, ist «das Brot des Künstlers». Ist es wirklich dieses Hochgefühl – nach einem beeindruckenden Konzert –, welches einen antreibt, all das, was dieses «Business» vielleicht an Unliebsamem mit sich bringt, wegzustecken?
Ja und nein. Applaus ist die Nahrung, aber Übereinstimmung ist der Sauerstoff. Ohne Sauerstoff und Nahrung können wir nicht überleben.

Apropos Freundschaften: Gibt es die wahren Freundschaften – ich meine jetzt nicht innerhalb der Band – mit anderen Musikern/-innen im «Haifischbecken» des Musikbusiness?
Ja, die gibt es. Zwischen den Haifischen findet man auch wunderschöne Fische und es können daraus Freundschaften auf Lebzeiten entstehen. Wir haben viele davon.

Mit Michel Bublé habt ihr auf verschiedenen Tourneen 467 Konzerte vor unglaublichen 4 Millionen Zuhörenden gesungen. Da bleibt es dann wohl nicht bei der rein beruf-lichen Zusammenarbeit, oder?

«In einer Gruppe braucht es kontinuierliche Arbeit und Übereinstimmung, um in die gleiche Richtung zu gehen.»

Roger Thomas


Nein. Wir sind mit Michael Bublé befreundet. Es ist unüblich, drei Welttourneen zusammen durchzuführen. Das kam zustande, weil wir eine wunderbare Zusammenarbeit pflegten und daraus entstand eine Freundschaft.

Ihr habt immer wieder mit deutschen Künstlern – Sarah Connor, Xavier Naidoo und auf eurem neuen, siebten Studioalbum «Both Sides Now» (Veröffentlichung am 13. Oktober) mit Helene Fischer – zusammengearbeitet. Hat euch das im europäischen Markt Türen geöffnet?
Ja klar. Es gibt Leute, die einen entdecken, weil man mit ihrem Lieblingskünstler singt.

Ich nehme an, da prallen doch gewisse Mentalitätsunterschiede, auch in der Arbeitsweise, aufeinander. Habt ihr euch da gegenseitig «befruchtet»?
Ja, es befruchtet praktisch jedes Mal, wenn gute und fleissige Musiker zusammenarbeiten.

Gibt es in eurer Band («ohne Band», so bezeichnet man Naturally 7 auch) einen Leader? Braucht es einfach aus organisatorischen Gründen einen solchen?
Ja, das bin ich. Ohne Leadership verlieren Bands und Gruppen die Richtung. Irgendjemand muss sich dieses Jobs einfach annehmen.

Euer Instrument ist die Stimme. Kann man damit jedes Instrument ersetzen (imitieren) oder stösst man an Grenzen?
Nein, das kann man nicht. Die menschliche Stimme ist zwar sehr vielseitig, aber auch warm. So kann es zum Beispiel ein Problem darstellen, ein Piano zu imitieren.

Ist das die Herausforderung, mit Stimme genau so zu klingen?
Ja genau. Wir üben so lange, bis es genau so klingt und unser Publikum es uns abnimmt.

Seid ihr Perfektionisten und ist das beim A-cappella-Gesang fast schon Voraussetzung?
Einige von uns sind Perfektionisten und andere wiederum nicht. Es ist sogar wichtig, dass man beide Arten von Sängern dabeihat.

Könnt ihr selber die Instrumente spielen, welche ihr be-stimmt?
Keiner von uns imitiert die Instrumente, die er spielen kann.

Würdet ihr nicht gerne mal mit diesen die Bühne «rocken»?
Auch wenn wir es könnten, wäre die Antwort trotzdem Nein. Dann wären wir wie viele andere Bands und vermutlich würden Sie nicht mit mir dieses Interview führen.

Ihr arbeitet genreübergreifend. Ist es diese Vielschichtigkeit, in Musik abzutauchen, die euch reizt, euer Musikerdasein interessant macht?
Wir mögen diese Vielschichtigkeit, aber wir lieben es grundsätzlich, Musik zu machen, diejenige, die viele Leute anspricht. Deshalb versuchen wir zu kombinieren. Das ist immer sehr interessant.

Ihr singt Covers anderer Künstler. Müsst euch folglich in deren Geschichten/Melodien ein-fühlen. Ist es spannend, dann daraus seine eigene Inter-pretation zu kreieren, dieser ein neues Soundgewand zu geben?
Ja, das ist es. Wir suchen uns die Covers heraus, welche uns ansprechen. Diese passen wir an unsere eigenen Leben und Bedürfnisse an und dementsprechend interpretieren wir sie. Daraus ergibt sich dann für uns automatisch eine neue Bedeutung.

Habt ihr auch eigene Songs geschrieben?
Ja, das haben wir und tun wir nach wie vor. Normalerweise nehmen wir mehr unsere eigenen Songs als Covers auf all unsere Alben auf, jedoch ist es bei unserem neusten Projekt «Both Sides Now» anders. Darauf finden sich neben Coverversionen zwei eigene Songs und zwei Hybrids (eigene Songs und Covers in einem).

Wo oder womit lässt ihr euch inspirieren?

«Man kann nicht jedes Instrument imitieren. Die menschliche Stimme ist zwar sehr vielseitig, aber auch warm.»

Roger Thomas


Überall und mit fast allem. Durch unser Leben und das anderer. Wir lieben es, Songs auszuwählen, die auch andere inspirieren und die sie spirituell erreichen.

Eure Stimmen werden solchen im Klassik-Genre zugeordnet (Tenor, Bariton, Bass) und dennoch bewegt ihr euch im R & B, afroamerikanischen Pop oder seelenvollen Soul. Weshalb seid ihr nicht Opernsänger geworden?
Wir machen das, was für uns natürlich ist. Wir sind mit Pop, R & B, Hip-Hop, Gospel, Country, Rock, Jazz, Reggae und Funk aufgewachsen. Wir können somit all dies tun, was wir fühlen und uns wünschen, es gibt keine Grenzen.

Ihr steht immer wieder mal in der Schweiz auf Bühnenbrettern. Habt ihr überhaupt Gelegenheit, Land und Menschen kennen zu lernen, oder kennt ihr nur die Klischees wie «Berge & Schokolade»?
(lacht) Wir haben oft die Gelegenheit, Leute zu treffen. Das geniessen wir unglaublich. Gerne erfahren wir mehr über deren Land, Stadt und sie selbst und natürlich über ihre Kulturen. Wir mögen es, all dies kennen zu lernen.

Was dürfen die Zuhörenden bei eurem Konzert «Live at Sunset» erwarten? Worauf freut ihr euch da besonders?
Wir freuen uns sehr, dabei zu sein. Und das Publikum kann von uns erwarten, überrascht zu werden. Das ist das, was wir am liebsten tun. Die menschliche Stimme auf höchste Stufe heben und dem Publikum Hoffnung und Liebe vermitteln. Wir freuen uns auf euch.

Vielleicht auch ein gemeinsamer Song mit Mary J. Blige?Hattet ihr vorher schon einen persönlichen Kontakt?
Nein, das wird sozusagen unser erstes Mal . . .

Erstellt: 30.06.2017, 15:17 Uhr

LIVE AT SUNSET

6. bis 22. Juli, 20.30 Uhr.
So, 9. Juli, Mary J. Blige / Naturally 7. Kunsteisbahn Dolder, Zürich.Infos: www.liveatsunset.ch
Tickets: www.starticket.ch,
Telefon 0900 325 325 (1.19 Fr./Min.).

TICKETVERLOSUNG

Live at Sunset – Der «Zürcher Unterländer» verlost für Sonntag, 9. Juli, 2×2 Tickets für Naturally 7 inkl. Meet & Greet. Die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden.
Kennwort: Acappella
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 3. Juli, 8 Uhr (mit Name, Adresse und Natel-Nr.). Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.red

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