Black Boxes der in Äthiopien verunglückten Boeing gefunden

Die Ermittler hoffen, dass die Flugschreiber Informationen zum Absturz der Maschine der Ethiopian Airlines liefern werden.

Ist es ein technisches Problem?: Der Flugzeughersteller Boeing steht nach dem zweiten Absturz einer 737 Max innert kürzester Zeit in Kritik.
Video: Wibbitz, Getty Images, Reuters

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Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in der Nähe von Addis Abeba mit 157 Toten sind die Flugschreiber der verunglückten Maschine gefunden worden. Das meldete die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines im Kurzmitteilungsdienst Twitter am Montag.

Flugschreiber enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche, was für Ermittler sehr wichtig ist bei der Klärung der Unfallursache. Die Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Metropole Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt. Alle 149 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Am Absturzort beim Dorf Tulu Fara rund 60 Kilometer östlich von Addis Abeba suchten am Montag Ermittler weiter nach Wrackteilen und menschlichen Überresten. Ein grosser Krater zeugte von der Wucht des Aufpralls. Ein Augenzeuge, Tegegn Dechasa, sagte der AFP, die Maschine habe schon in der Luft gebrannt. Beim Aufprall habe es eine «grosse Explosion» gegeben.

Airlines reagieren auf das Unglück

Nach dem Absturz der Maschine am Sonntag muss der Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 in diversen Ländern auf dem Boden bleiben. Indonesien, China und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft erklärten ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen. «Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmassnahme am Boden zu belassen», begründete Ethiopian Airlines am Montag das Startverbot. Betroffen sind insgesamt 110 Flugzeuge.

Bilder: Schweres Flugzeugunglück in Äthiopien

Chinesische Fluglinien müssen Flüge mit der Boeing 737 Max 8 einstellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können, wie die Luftfahrtbehörde des Landes (CAAC) am Montag erklärte. Betroffen sind 96 Maschinen. Die Behörde verwies darauf, dass es bereits das zweite Unglück mit dem Maschinentyp in kurzer Zeit gewesen sei. Bei dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Fluglinie Lion Air im Oktober waren in Indonesien 189 Menschen ums Leben gekommen. Bei beiden Unglücken habe es «gewisse Ähnlichkeiten» gegeben, teilte die CAAC mit.

Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways erklärte, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden, bis weitere Informationen zu dem Unglück in Äthiopien vorlägen. Der Flugzeugtyp wird von Hersteller Boeing seit 2017 ausgeliefert. Andere Airlines wie Norwegian und Tuifly erklärten hingegen, die Maschinen blieben zunächst weiter in Betrieb. Schweizer Fluggesellschaften nutzen laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) derzeit keine Boeing 737 Max 8.

Notruf kurz nach dem Start

Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Metropole Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt. Alle 149 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, 9 Äthiopier, jeweils 8 US-Amerikaner, Italiener und Chinesen sowie 5 Deutsche. Schweizer befanden sich laut dem EDA in Bern nicht an Bord. Unter den Opfern waren nach UNO-Angaben auch mindestens 19 Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Am UNO-Sitz in Genf hielten die Angestellten am Montag eine Schweigeminute für die Opfer. Auch bei einer UNO-Umweltkonferenz in Nairobi wurde der Opfer gedacht.

Ethiopian Airlines gilt als zuverlässige Fluggesellschaft und ist wie Lufthansa Mitglied des Bündnisses Star Alliance. Ethiopian bietet weltweite Verbindungen an, etwa nach Frankfurt am Main, München, London, New York, Bangkok und Dubai. In Afrika expandierte Ethiopian in den vergangen Jahren aggressiv und gilt mit der südafrikanischen South African Airways inzwischen als wichtigste Airline der Region.

Der Pilot hatte kurz nach dem Start über Funk Probleme gemeldet. (Video: Reuters)

Die Maschine auf Flug ET 302 stürzte nahe der Stadt Bishoftu ab, etwa 50 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, erklärte Ethiopian Airlines.

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte Airline-Chef Tewolde GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende 2018 sei es rund 1200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Airline gearbeitet.

Boeing schweigt

Hersteller Boeing äusserte sich zunächst nicht näher zu dem Unglück. In einer Mitteilung auf der Website sprach Boeing den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen.

In Äthiopien war bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, Verkehrsministerium und Fluggesellschaft gebildet worden, wie Ethiopian Airlines mitteilte.

Bereits das zweite grosse Unglück

Es ist bereits der zweite Absturz einer Maschine dieses erst seit 2017 ausgelieferten Boeing-Modells 737 Max 8 binnen fünf Monaten. Am 29. Oktober 2018 war ein Jet kurz nach dem Start in Jakarta ins Meer gestürzt. Sowohl die Maschine der Ethiopian Airlines als auch jene der indonesischen Lion Air waren kurz nach dem Start abgestürzt.

Die 737 MAX ist das neueste Modell des meistverkauften Verkehrsflugzeugs weltweit. Nach dem Erstflug im Januar 2016 hatte der US-Flugzeugbauer vor zwei Jahren die ersten Maschinen der Version MAX 8 mit besonders spritsparenden Triebwerken ausgeliefert. Bis Ende Januar wurden 5011 Maschinen bei Boeing bestellt, 350 davon sind bereits ausgeliefert.

Kritik am Flugzeughersteller

Nach dem Absturz in Indonesien kritisierten Luftfahrtexperten, Boeing habe die Fluggesellschaften sowie Piloten und Pilotinnen nicht ausreichend über ein neues System gegen Strömungsabrisse informiert. Kritisiert wurde auch das Piloten-Training für das neue Modell. Der Flugzeugbauer wies die Kritik zurück.

Im Februar war jedoch bekannt geworden, dass ein geplantes Sicherheits-Update für die Boeing 737 MAX in Folge des Absturzes der Lion-Air-Maschine in Indonesien auf sich warten lässt, schreibt der deutsche TV-Sender n-tv.de. Boeing entwickelt eine aktualisierte Software für das automatisierte Flugsteuerungssystem. Die Arbeit werde mehrere Monate länger dauern als ursprünglich gedacht, hiess es in einem Bericht des «Wall Street Journals». Nicht zuletzt habe der teilweise Haushaltsstillstand in den USA zur Verzögerung beigetragen. Ursprünglich sollten die neuen Funktionen im Januar vorgestellt werden.

(red/sda/afp)

Erstellt: 11.03.2019, 15:23 Uhr

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