Luftaufnahme zeigt Pariser Feuerkatastrophe von oben

Beim Notre-Dame-Brand ist das Worst-Case-Szenario abgewendet. Ein Roboter half, Kunstschätze zu retten.

In der Kirche, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, wurden Königinnen und Könige gekrönt: Brand im Pariser Wahrzeichen Notre-Dame. (Video: Tamedia)

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Beim verheerenden Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame sind nach ersten Erkenntnissen drei Menschen leicht verletzt worden. Dabei handle es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann, teilte die Pariser Feuerwehr am Dienstagmorgen mit.

Die Struktur der Kathedrale sei nach neun Stunden «erbittertem Kampf» erhalten, die wichtigsten Kunstwerke habe man retten können. Die Flammen verwüsteten kurz vor Ostern den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen.

Die Feuerwehr brachte das Feuer in den frühen Morgenstunden unter Kontrolle – die Löscharbeiten hielten am Morgen noch an. Kurz vor 10 Uhr gab die Feuerwehr bekannt, das Feuer sei komplett gelöscht.

Das genaue Ausmass der Zerstörungen war in der Nacht noch nicht bekannt. Staatschef Emmanuel Macron hatte am späten Montagabend gesagt, das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt.

Luftaufnahme zeigt den Brand von oben. AFP (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

Ein Vertreter der Feuerwehr sagte am Montag, die Gebäudestruktur sei «vor der vollkommenen Zerstörung gerettet worden». Die gotische Kirche könne «in ihrer Gesamtheit erhalten» werden, sagte der Leiter der Einsatzkräfte, Jean-Claude Gallet, in der französischen Hauptstadt.

Über Stunden schlugen am Abend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen.

Nach Angaben des Innenministeriums war die Feuerwehr mit einem Grossaufgebot vor Ort. Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen.

Bildstrecke: Der Morgen danach

Grosse Sorge galt den Türmen des massiven Baus. Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte der Sprecher der Pariser Feuerwehr, Gabriel Plus, am Dienstag der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten. Zu Beginn der Löscharbeiten sei es nicht übereilt gewesen, einen Zusammenbruch der Strukturen zu bedenken.

Eine grosse Herausforderung für die Arbeiten sei die Sicherung der Kunstschätze gewesen. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, seien Leute aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort sei dann ein Roboter eingesetzt worden.

Suche nach der Brandursache läuft

In den kommenden Stunden gehe es darum, das Feuer richtig zu löschen und neue Brandherde zu verhindern. Mit Lasertechnik würden Teams die Struktur des Baus untersuchen.

Die Suche nach den Brandursachen läuft: Es sei weiterhin unklar, warum das Feuer ausgebrochen sei, sagte der Staatssekretär im Innenministerium Laurent Nunez am Dienstag.

Der Direktor der Notre Dame sieht keine Sicherheitsmängel beim Brandschutz. Es gebe etwa Brandaufseher, die drei Mal täglich den Dachstuhl prüfen, sagte Patrick Chauvet dem Sender France Inter. «Ich denke, dass man nicht mehr machen kann.» Aber es gebe natürlich immer Vorfälle, die man so nicht habe vorhersagen könne.

«Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen», sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Das Feuer könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete AFP unter Berufung auf die Feuerwehr. Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht.

Ermittler behandeln den Brand als Unfall. Brandstiftung werde zum aktuellen Zeitpunkt ausgeschlossen, teilte das Büro der Staatsanwaltschaft mit. Darunter fielen auch mögliche terroristische Hintergründe. Die Polizei werde in Richtung «ungewollte Zerstörung durch Feuer» ermitteln, hiess es.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat versichert, dass die verwüstete Kathedrale wieder aufgebaut wird. «Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen», sagte er am späten Montagabend am Ort des Geschehens.

Macron teilt «die Gefühle der Nation»

Das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Mit Blick auf das historische Bauwerk sagte der 41-Jährige: «Es ist das Epizentrum unseres Lebens.»

Macron schrieb auf Twitter, er teile die «Gefühle einer ganzen Nation». Seine für 20 Uhr geplante Fernsehansprache als Antwort auf die Proteste der «Gelbwesten» verschob der Präsident, wie sein Büro mitteilte. Darin wollte er politische Massnahmen nach der «grossen nationale Debatte» ankündigen, die die Regierung von Mitte Januar bis Mitte März organisiert hatte.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach auf Twitter von einem «fürchterlichen Brand». US-Präsident Donald Trump hat sich von Bord des Regierungsfliegers Air Force One via Twitter ratgebend gemeldet. Und auch die offizielle Schweiz ist bestürzt (zum Artikel).

100 Millionen Euro

Die Familie um den französischen Milliardär François-Henri Pinault hat 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau versprochen (zum Artikel). Das gab der Chef des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga) in der Nacht auf Dienstag bekannt.

Er und sein Vater François Pinault hätten beschlossen, 100 Millionen Euro aus der Familien-Finanzholding Artemis für den Wiederaufbau der weltberühmten Kathedrale bereitzustellen.

«Notre-Dame ist ein Teil von uns»

An den Quais und auf den Brücken bildeten sich grosse Zuschauermengen. Sichtlich geschockte Pariser und Touristen versammelten sich, einige weinten, andere beteten. Als die 93 Meter hohe Turmspitze in sich zusammenbrach, schnappten viele hörbar nach Luft.

Bildstrecke des verheerenden Brandes:

Zahlreiche Menschen äusserten sich schockiert, die am Ufer des Flusses Seine nahe der Île de la Cité zusammenströmen. «Das ist eine Tragödie», sagte ein Pariser. «Wir bereiten uns auf Ostern vor – wenn es irgendeinen Moment zum Beten gibt, dann jetzt.» Eine Frau sagte den Tränen nah: «Notre-Dame ist Paris, sie ist ein Teil von uns.»

Sakralbau zählt zum Unesco-Weltkulturerbe

Die Notre-Dame zieht jährlich fast 13 Millionen Touristen und Gläubige an und ist damit das meistbesuchte Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. Als eines der weltweit imposantesten Meisterwerke gotischer Architektur zählt Notre-Dame zum Weltkulturerbe der Unecso.

In ihr wurden Königinnen und Könige gekrönt. Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoléon Bonaparte selber zum Kaiser der Franzosen, seine Frau Joséphine krönte er zur Kaiserin.

Der Grundstein für den Sakralbau im Herzen von Paris wurde im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt. Fast 200 Jahre dauerte die Fertigstellung der Kathedrale, die später mehrfach geplündert und verwüstet wurde. Nach der Französischen Revolution rettete die Restaurierung unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc das Monument vor dem Verfall. Berühmt wurde die Kathedrale vor allem durch den Roman «Der Glöckner von Notre-Dame» des Schriftstellers Victor Hugo.

Seit Terroranschlägen bewacht

Die Ausmasse des Bauwerks mit seinen 128 Metern Länge und seinen 69 Meter hohen Türmen beeindrucken die Menschen noch heute. Nach wie vor werden Gottesdienste in der Kathedrale gefeiert, die sich im französischen Staatsbesitz befindet. Hochzeiten, Taufen und Trauergottesdienste finden dort allerdings nicht mehr statt.

Viele Meter lang stehen die Touristen täglich vor dem Gebäude Schlange. Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale von Soldaten bewacht.

(cpm/nag/chk/oli/sda/afp)

Erstellt: 15.04.2019, 19:15 Uhr

Update folgt...

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