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«Physik wurde von Männern erfunden»

Bei einer Konferenz zur Rolle der Frau in der Physik empört ein Gastforscher am Genfer Cern mit einem sexistischen Vortrag.

Eingang zum Large Hadron Collider am Cern in Genf. (Keystone/(Alastair Philip Wiper)
Eingang zum Large Hadron Collider am Cern in Genf. (Keystone/(Alastair Philip Wiper)

Die renommierte Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) bei Genf hat einen Gastforscher nach dessen umstrittenem Vortrag über die angebliche Untauglichkeit von Frauen in der Physik vorerst ausgeschlossen.

Alessandro Strumia von der Universität Pisa hatte am Freitag unter anderem gesagt, die Physik sei «von Männern erfunden und aufgebaut» worden. Unqualifizierte Frauen würden heute aus politischen Gründen Posten in den Naturwissenschaften einfordern.

Strumia löste mit seinen Äusserungen Empörung aus. Das Cern beendete am Montag vorerst jegliche Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler, wie das Institut in einer Erklärung mitteilte. Zuvor hatte das Cern bereits entschieden, Strumias Vortragsmaterial von der Website des Instituts zu entfernen.

Strumia: «politische Schlacht»

Strumia hatte bei einer Konferenz zur Rolle von Frauen in der Physik argumentiert, die Physik sei «nicht sexistisch gegenüber Frauen». Allerdings würden Männer lieber mit Dingen arbeiten und Frauen mit Menschen. Deshalb belegten Frauen vor allem Fächer im Bereich Gender Studies – und klagten dann über einen niedrigen Frauenanteil in den Naturwissenschaften. Doch man werde nicht «durch eine Einladung» zum Physiker, sagte Strumia.

Nach seiner Ansicht leiden vielmehr Männer unter «Diskriminierung» in der Physik. Strumia prangerte eine «politische Schlacht» an, deren Ausgang offen sei. Zur Untermauerung seiner Thesen zeigte er zahlreiche Diagramme, Tabellen und Grafiken.

Die Präsentation war im Anschluss an den Vortrag online verfügbar gewesen. Der Vortrag verärgerte mehrere Frauen, die an der Konferenz teilnahmen, in der es darum ging, jungen Frauen eine Karriere in Naturwissenschaften schmackhaft zu machen. Sie warfen Strumia in sozialen Online-Netzwerken Sexismus vor.

Cern wird von Frau geleitet

Das Cern reagierte am Montag und setzte die Arbeit des Gastwissenschaftlers für die Dauer einer Untersuchung der Vorwürfe «mit sofortiger Wirkung» aus. Kurz zuvor hatte die Forschungseinrichtung die Aussagen Strumias als «äussert beleidigend» gegenüber Frauen verurteilt.

Der Frauenanteil unter den Cern-Beschäftigten liegt nach Angaben der Institution bei weniger als 20 Prozent. Allerdings wird die Einrichtung seit 2016 von einer Frau, der Italienerin Fabiola Gianotti, geleitet.

Strumia unterlag Frau

In seinem Vortrag gab Strumia auch an, dass er selber bei einer Bewerbung um einen Posten das Nachsehen gegenüber einer Frau hatte. Diese sei aber nicht besser qualifziert gewesen, behauptete er, sondern habe die Stelle erhalten, weil man eine Gender-Expertin einstellen wollte.

SDA/anf

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