Zürich

«Ich konnte im Kino herzhaft lachen, weil ich mich nicht wiedererkannt habe»

Schauspielerin Isabella Schmid hat es vor 25 Jahren nach Deutschland gezogen. Nun kehrt sie nach Zürich zurück und verkörpert im neuen Familienfilm «Papa Moll» die Mama.

Familie Moll mit Papa (Stefan Kurt), Mama (Isabella Schmid), den Kindern Fritz (Maxwell Mare), Evi (Luna Paiano) mit Hund Tschips und Willy (Yven Hess).

Familie Moll mit Papa (Stefan Kurt), Mama (Isabella Schmid), den Kindern Fritz (Maxwell Mare), Evi (Luna Paiano) mit Hund Tschips und Willy (Yven Hess). Bild: Zodiac Pictures / Pascal Mora

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Am Zürichsee, aber auch im Zürcher Unterland ist die Herrlibergerin keine Unbekannte. Mit der Rolle der Lollo Fuchs in der TV- Serie «Hinter Gittern – Der Frauenknast» (1997) wurde sie aber einem breiteren Publikum bekannt. In Köln führt Isabella Schmid eine Schauspielschule mit 65 Kindern. Seit kurzempendelt sie vermehrt zwischen Deutschland und der Schweiz.

Isabella Schmid, ein Schritt zurück zu den Wurzeln?
Isabella Schmid (46): Irgendwie schon. Nach bald 25 Jahren und mit dem Älterwerden macht man sich stärker Gedanken über die berufliche Zukunft. Weil mir das Unterrichten Spass macht, tue ich das nun auch in Zürich.

Sie haben im letzten Sommer mit Ihren Schauspielschüle­­­­­­­­­­­­­rinnen und -schülern in den Kammerspielen Seeb in Bachenbülach – sozusagen Ihre Heimbühne – mit «Die Welle» ein Gastspiel gegeben. Ebenhaben Sie im Casinotheater Winterthur in «Das Abschiedsdinner» auf der Bühne gestanden. Sie fassen wieder Fuss . . .
Ja, Schritt für Schritt.

Nun sieht Sie das Kinopublikum – der Film startet am 21. Dezember – als fürsorgliche Mama Moll in «Papa Moll». Haben Sie Kindheitserinnerungen an die Geschichten von Edith Oppenheim- Jonas, oder mussten Sie diese erst entdecken?
Ich kannte die Geschichten in Reimform. Dass er der umtriebige, hilfsbereite, vielseitige Familienvater ist, der es immer gut meint, sich dabei aber sehr trottelig anstellt. Die Figur der Mama war mir nicht mehr präsent. Also las ich einige Moll-Bücher.

Die Geschichte spielt ja in den 1950er/60er-Jahren. Mama Moll, das blonde Heimchen, welches sich rührend – im wahrsten Sinne des Wortes – um die Familie kümmert, stets genügend Vorgekochtes in Tupperware bereitstellt, ist glücklich, wenn sie einmal im Jahr mit ihren verrückten Freundinnen der Idylle in ein Wellnessweekend nach Bad Zurzach entfliehen darf. Da werden doch einige Frauenrollenklischees bedient . . .
Es ist ja immer dieser «Geschlechterkampf», die deutliche Rollenverteilung seinerzeit und die Freiheiten von heute. Ich bin mir nicht so sicher, ob die Frauen damals nicht auch glücklich gewesen sind. Zu viele Freiheiten verführen, da kann einiges schieflaufen. Ich glaube, diese «Korsagen» waren bestimmt nicht richtig und angenehm, aber klare Rollenverhältnisse haben nicht zwingend unglücklich gemacht. Ich sehe das bei meiner Mutter und würde mich auch als sehr «tradi­tionell» bezeichnen. Ich koche gern, ich putze gern, das darf man heute ja kaum noch aussprechen, ohne dafür schrägangeschaut zu werden. Mama Moll tut das auch gerne. Es gibt ihr Macht in den eigenen vier Wänden, sie ist die Chefin zu Hause. Die Männer mussten die Hausschuhe anziehen, die Frauen hatten da das Sagen. Sozusagen ein Revierverhalten, und das findet heute immer noch genau so statt.

Dann ist dieser Film ein Spiegel für die Gesellschaft, sich auf Werte zu besinnen?
Diese Comic-Verfilmung muss meiner Meinung nach in der Zeit, als sie geschrieben wurde, spielen. Männer waren früher wahrscheinlich schneller überfordert, wenn sie mit den Kindern alleine ein Wochenende verbringen mussten. Hätten sie – wie vielleicht heute – alles im Griff, bräuchte es keine Papa-Moll-Bücher. Offenbar aber doch, eben ist ein neuer Band erschienen. Und: Auch heute gehen Frauen gerne zum Wellnessen. Ich mag dieses Vergleichen nicht. Früher gab es genauso viele Vor- und Nachteile wie heute und glückliche und unglückliche Menschen, die Regeln sind nur anders geworden.

Könnten Sie sich vorstellen, in dieser strukturierten, familienorientierten, «einfacheren» Zeit zu leben?
Als Mädchen habe ich mir das gewünscht. Die Welt war – ohne Handy und ohne das jetzt zu werten – ruhiger, entspannter. Regeln, ein Muster, woran man sich festhalten kann, geben manchmal mehr Sicherheit also ohne. Die Frauen wurden respektiert und bekamen Anerkennung für das, was sie leisteten. Das fehlt mir heute manchmal.

Dieser Film lebt von einer detailverliebten Bildsprache,comichaft inszeniert und wie ein Bilderbuch gemalt. Hat sich das schon beim Drehen so angefühlt, dieses Abtauchen in eine andere Zeit, Lebensart – und Schoggi –, oder wurden Sie nach dem Filmschnitt, der technischen Bearbeitung vom Style, den intensiven Farben überrascht?
Manuel Flurin Hendry ist ein wirklich schräger, begabter, aber sehr detailliert arbeitender Regisseur. Er animierte mich in einer Szene dazu, wild mit den Armen zu fuchteln, zu kreischen, und dies bei Frontalaufnahme. Ich glaubte nicht, dass das lustig sei. Zu Drehbeginn war ich ziemlich kritisch und nicht so sicher, ob es am Ende gut kommt, weil sehr überzeichnet dargestellt. Nach halber Drehzeit, bei einem Crew-Fest haben wir erste Ausschnitte gesehen und ich habe herzhaft gelacht. Spätestens von da an war ich vom Gelingen restlos überzeugt. Es gab kein Halten mehr.

Das Casting-Team hat bei der Rollenbesetzung ein wirklich goldenes Händchen gehabt, oder?
Absolut. Mama Moll ist wie das aufgedrehte Duracell-Häsli, und das passt. Die Erwachsenenfiguren müssen konträrer sein als jene der Kinder, die auch Gefühle zeigen. Dieser Film lebt von Einfallsreichtum, von Details. Nicht nur vordergründig, z. B. die Frau im Kassenhäuschen im Zirkus, eine für die Geschichte unwichtige Figur, aber genial dargestellt. Manchmal hat sich der Regisseur überaus lange mit dem Hintergrund beschäftigt, was uns Schauspieler ungeduldig machte. Manuel Flurin Hendry denkt in Bildern. Genau dieser Perfektionismus macht den Film zu etwas Besonderem.

Ihr könntet glatt als «reale» Familie durchgehen, seid ihr auch privat zusammen-gewachsen?
Ich liebe die Kinder. Auch wenn wir uns irgendwo oder an einer der Vorpremieren treffen (das war auch nach diesem Interview so), gibt es ein langes, herzliches «Hallo». Ein Junge würde sich sogar von mir adoptieren lassen. Ich bin so etwas wie ein Ersatzmami geworden. Es hat sehr Spass gemacht. Stefan Kurt (Papa Moll) kannte ich bis zum Drehstart nicht. Er rettete sozusagen mein Filmschaffen. Ich hatte bisher oft mit egoistischen, unkollegialen Menschen gedreht und die Freude daran verloren. Dann kommt er daher, der jeweils drei Stunden in der Maske sass, und brachte sich sehr engagiert, konstruktiv und liebevoll in das Projekt mit ein. Es war einfach eine wunderbare Zusammenarbeit, ein Traumpartner und -schauspieler. Ich mag ihn auch privat sehr gern.

Mit Kindern zu drehen – sie stehen im Zentrum der Geschichte –, ist wohl eine spezielle Sache ...
Drehe nie mit Kindern und Hunden (das ist ein altes Schauspielersprichwort), sie stehlen dir die Schau. Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit am Set. Es ist heiss, der Hund läuft in die falsche Richtung oder sie werden mal müde. Das fordert von uns Erwachsenen, präzise und schnell zu arbeiten. Es geht nicht, auf Tempo zu spielen, das muss man später vielleicht mit dem Filmschnitt auffangen. Obwohl wir wirklich bezaubernde und sehr begabte Kinder hatten, waren Stefan und ich auch mal froh, unsere eigene, kinderlose Szene zu drehen.

Der sagen wir mal etwas behäbigere Junge – Johnny (Livius Müller-Drossaart) – ist fürs «Grobe» zuständig und Sohn von Schauspieler Hans-peter Müller-Drossaart. Steht man da sozusagen der «Kinderausgabe» gegenüber?
Nein, er ist anders, er ist ein eigenständiger begabter junger Schauspieler. In der Figur ein Bad Boy halt.

Aus «Kartovl» werden – manchmal – «Tschips». Ähnlich ergeht es, zum Glück nur namentlich, dem vierbeinigen Protagonisten in einer getragenen Rolle. Kann Frau (Moll) so einem Dackelblick widerstehen, Papa Moll schaut ja gleich?
Mir gefällt das Treuherzige, wenn er so niedergeschlagen schaut, dann wird Mama Moll weich. Auch mit ein Grund, weshalb die beiden immer noch beisammen sind, sie nach jedem seiner Missgeschicke denkt: . . . aber er ist ja trotzdem lieb.

Wo liegt eigentlich «Murmlikon», ein Städtchen am Rhein?
Ich weiss es nicht. (lacht) Es ist wie ein gemaltes Städtchen, und das macht gerade den Reiz dieses Films aus – die meiner Meinung nach sehr gelungene Symbiose aus Realem und Fiktivem. Es braucht diesen Kitsch, um in diese Welt einzutauchen.

«Papa Moll» ist ein Familienfilm und optimal zur Weihnachtszeit in den Kinos platziert. Gehen Sie einfach gucken und freuen sich?
Bisher habe ich so etwas nie wirklich geniessen können. Ich blickte sehr kritisch auf die Leinwand: da stimmte die Bewegung nicht, dort die Mimik, war ich im Sprechen zu schnell oder der Ansicht, falsch betont zu haben. Bei der ersten Filmbetrachtung sass ich zwischen Stefan Kurt und Manuel Flurin Hendry. Ich warnte sie: Ich werde nur lachen, wenn ich es wirklich lustig finde. Ich sah mich nie als Privatperson und musste herzhaft lachen, selbst bei Szenen, die ich bereits kannte. Da muss ich Maske, Kostüm und Regie ein grosses Lob aussprechen, in diesem Kontext stimmt einfach alles.

Typische Papa-Moll-Verse bestimmen das Intro und Outro des Films. Wenn man den Film gesehen hat und weiss, es gibt dreissig Bände davon in Buchform, denkt man da schon an eine Fortsetzung?
Ich glaube, man muss erst abwarten, wie das Publikum eine Comic-Verfilmung aufnimmt. Ich hoffe natürlich auf «Mutige», die ihn sich anschauen – sie werden nicht enttäuscht sein.


Film – «Papa Moll»
Ab 21. Dezember in den Kinosder Region und der Stadt Zürich.

Erstellt: 15.12.2017, 16:39 Uhr

Zur Person

Bereits im Alter von vier Jahren stand Isabella Schmid zum ersten Mal auf der Bühne; mit 13 begann ihre Ausbildung an einer Jugendtheaterschule. In den Jahren 1990 bis 1994 trat sie in einigen Schweizer Theatern auf, wo sie unter anderem in den Stücken «Frankie und Johnny», «Fool for Love» oder «Tagträumer» mitspielte. Im Jahr 1994 ging sie nach München und spielte in mehreren Fernsehproduktionen (unter anderem «Polizeiruf 110», «Aus heiterem Himmel» und «Schwurgericht»). Am bekanntesten wurde sie allerdings durch ihre Rolle als Lollo Fuchs in der Knastserie «Hinter Gittern – Der Frauenknast», bei der sie 1997 begann. Schmid spielte danach­ wieder an Theatern und war in einigen Fernsehproduktionen, z. B. in der RTL-Comedyserie «Das Amt», zu sehen. Nachdem Schmids beste Freundin an Krebs starb, grün­dete sie 2005 «Cinema for Life». Lichtblicke – Schauspieler lesen für Krebs­patienten heisst dieses Projekt, was so gut ankommt, dass inzwischen jede grosse Stadt gern am Projekt teilhaben möchte. Mit Bühnenengagements in «Die Zofen» von Jean Genet, «Diener zweier Herren» und «Bei Anruf Mord» trat sie in der Schweiz und in Deutschland auf. 2007 bekam Schmid die Kinorolle der Valeria in «Geld oder Leben», in der sie eine temperamentvolle Mutter spielte. Von September 2010 bis 2011 war sie in der neuen ZDF-Telenovela «Lena – Liebe meines Lebens» sowie in der Schwei­zer Kinder- und Jugendserie «Best Friends» im Schweizer Fernsehen zu sehen.

Zum Film

Ein Wochenende allein zu Hause mit den Kindern – und schon bricht bei Papa Moll das Chaos aus. Denn während Moll in der Schokoladenfabrik Überstun­den schieben muss, entbrennt zwischen seinen Kindern­ und dem Nachwuchs seines Chefs ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Strafaufgaben und den berühm­testen Zirkushund der Welt.

Ticketverlosung

Papa Moll – Der «Zürcher Unterländer» verlost Kinotickets, Bücher, Sticker und Eintritte ins Bad Zurzach.
Kennwort: Moll
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 18. Dezember, 8 Uhr (mit Name und Adresse). Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Haushalt möglich. Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.

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