«Meine Lieder sollen anregen zu sehen, was im Leben wirklich wichtig ist»

Zürich Bekannt wurde Yvonne Catterfeld durch die TV-Seifenoper «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Seither bewegt sie sich lustvoll zwischen Schauspielerei und Musik. Am kommenden Donnerstag stellt sie ihr neues Album «Guten Morgen Freiheit» im Theater 11 vor.

Yvonne Catterfeld ist auf der Suche nach Wertschätzung angekommen.

Yvonne Catterfeld ist auf der Suche nach Wertschätzung angekommen. Bild: zvg / Christoph Köstlin

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Yvonne Catterfeld, bis zu Ihrem 15. Lebensjahr sah es nicht nach einem künstlerischen Lebensweg aus. Dann haben Sie gas gegeben: es folgten Klavier- Gitarren- Gesangs- Ballet- und Tanzunterricht. Gab es hierfür eine Initialzündung, eine besondere Begegnung?
Yvonne Catterfeld: Ich glaube, zu merken, dass ich diesbezüglich eine besondere Begabung hatte, ein eigenes Gespür dafür, was sich aber erst anhand der Reaktionen anderer bestätigte und zu merken, was ich mit Musik auslösen kann. Den Traum als Sängerin hatte ich aber schon sehr früh in mir, nur nicht den Glauben daran. Ich war ja sehr schüchtern.

Es folgte ein Musikstudium in Leibzig. Aber so richtig kam die Musikkarriere danach (vorerst) nicht in Schwung. Mit einer Rolle in der TV-Soap «Gute Zeiten, Schlechte Zeiten» haben Sie eine Plattform erhalten, es änderte sich Manches. Wurden Sie vom Erfolg überrollt?
Schon irgendwie. Ich habe die Rolle bei «GZSZ» nur angenommen, um neue Erfahrungen zu machen, mochte es immer, an Herausforderungen zu wachsen. Schauspielerin wollte ich bis dahin nicht werden. Ich wurde schlagartig und für eine lange Zeit zum Blickpunkt auf der Strasse, was nicht mein Plan war und mir auch immer fremd blieb.

Sie haben in der Folge Chart-Hits gelandet und Auszeichnungen erhalten. Was bedeuten Ihnen solche – Genugtuung, Anerkennung für das, was man mit Herzblut tut?
Mir bedeutet nur Anerkennung dann was, wenn sie sich auf etwas bezieht, was ich selbst auch so sehe. Wenn man aber immer ein Gespür hat, da ist noch so viel mehr, was ich auch in einem meiner Songs beschreibe, bedeutet es nicht so viel. Im Lied «Was bleibt» sage ich: «Wenn das was ich geschafft hab, mir nichts mehr bedeutet». Mir bedeutet privates Glück viel mehr und Anerkennung für etwas, was ich wirklich bin. Mich macht glücklich, wenn ich mein Potenzial leben kann.

Sie tanzen auf verschiedenen Hochzeiten: Musik, Schauspiel, Film und mehr. Ist es gerade diese künstlerische Vielschichtigkeit die Sie reizt, oder können Sie sich einfach nicht für ein Genre entscheiden?
Im Gegenteil. Ich habe mich ab 2006 gegen die Moderation entschieden, obwohl ich da Karriere hätte machen können. Mir bedeuten die Schauspielerei und die Musik beides sehr viel. Es ist nicht mehr und auch nicht weniger.

Man sagt Sie sähen hübsch aus und seien nett. Ärgert Sie es manchmal darauf reduziert zu werden?
Ich werde nicht darauf reduziert. Vielleicht früher. Aber die Zeiten sind vorbei. Und dass einige nur nach Oberflächlichkeiten urteilen, das geht ja jedem Menschen so.

Sie würden Romi Schneider ähneln und sollten diesen Charakter in einem Film verkörpern. Dazu kam es nicht. Sie haben diese «Niederlage» nur schwer verdaut. Nehmen Sie solche Dinge sehr persönlich, sind Sie verletzlich?
Es war keine Niederlage, sondern meine eigene Entscheidung, mit dem französischen Produzenten gemeinsam aus dem Projekt auszuscheiden. Leicht ist mir dies dennoch nicht gefallen.

Abseits des Scheinwerferlichtes äussern Sie sich auch öffentlich zu politischen Themen. Ist das Prominentsein eine gute Plattform, sich für eine Herzenssache Gehör zu verschaffen, etwas zu bewirken oder anzustossen?
Echt, tu ich das? Inzwischen, in meinem Alter, sehe ich da schon eine gewisse Verantwortung, allerdings im Rahmen. Ich habe diesmal textlich besonders darauf geachtet, dass es immer auch eine Botschaft gibt. Fragen dazu anstossen und mehr zu reflektieren.

Sie haben in der Jury der jüngsten Staffel von «The Voice of Germany» mitgewirkt. Im Vergleich zu anderen, änlichen Castingshows geht es da stärker um Musik. Dennoch ist es ein TV-Unterhaltungsformat, aber doch manchmal zu sehr Plattform zur Selbstdarstellung von Juroren?
Finden Sie? Die Show lebt neben den emotionalen Geschichten, vom Konzept her auch von der Show der Coaches. Es wäre noch lustig, würde man sich selbst nicht auch manchmal überhöhen. Wie soll man um jemanden werben, wenn man sich selbst nicht als besten Coach darstellt? Wenn Sie das als Selbstdarstellung meinen, muss ich Ihnen da also widersprechen: es ist und bleibt eine Show, die allerdings sehr respektvoll und schützend mit den Kandidaten umgeht.

Wie fühlte es sich in einer männerdominierten Jury an, die sich doch ab und an wie kleine Jungs benahmen?
Ich komm damit super klar. Finde es lustig und kann mich manchmal auch dem Niveau anpassen.

Kandidaten wachsen einem ans Herz. Fühlt man sich da einfach unter Musikerkollegen, welche man dank Erfahrung auf ihrem Weg unterstützt?
Ich finde es toll, eigene Erfahrungen weitergeben zu können, für sie da zu sein, aber es bedeutet auch eine grosse Verantwortung.

Oder täuscht dieses Wohlfühlklima, möglicherweise baut man sie da ja eigene Konkurrenz auf (Kuckuck im Nest)...
Für mich gibt es in der Musik keine Konkurrenz, weil jeder einzigartig ist.

Die 6. Staffel ist Geschichte, nun dreht sich alles um Ihre neue CD «Guten Morgen Freiheit». Wann ist die Idee dazu gereift?
Nach dem Fernsehmusikformat «Sing meinen Song» (Das Tauschkonzert) war ich bewegt und wusste, ich kann nicht aufhören mit der Musik. Zu gross war die Resonanz auf das, was ich musikalisch entschieden hatte, von mir zu zeigen. Zu gross waren die Freiheiten, als dass ich einen Schritt zurück in alte Strukturen hätte machen können. Da kam zum ersten Mal der Gedanke, es selbst machen zu wollen. Ich fühlte mich grossartig, frei und ohne Druck.

Wie ist Ihre Herangehensweise. Planen Sie ein solches Projekt akribisch, oder lassen Sie sich von der Muse küssen, fangen sinnbildlich mit dem Schmetterlingsnetz Melodien- und Geschichtenfetzen, um sie dann zu ordnen?
Letzteres trifft es ganz gut. Beim ordnen hab ich gerne jemanden an meiner Seite. Ich habe Themen und Texte gesammelt, mich irgendwann mit Songwritern getroffen und mich inspirieren lassen. Melodien fliegen mir oft einfach so zu. Das Lied «Mehr als ihr seht» war beispielswese zwei Jahre zuvor schon auf meinem Recorder und hatte mich nicht losgelassen.

Stehen die einzelnen Songs für sich oder verbindet sie eine Message?
Sie stehen für sich, man erkennt aber einen roten Faden und manchmal gibt es verbindende Gedanken. Ich glaube, was alle verbindet, sind meine Werte und Ansichten.

Sie haben eine eigenes Musik-label «Veritable Records» gegründet. Sind Sie ein Kontroll-Freak oder wollen Sie einfach mehr Freiheiten haben, aber auch mehr Verantwortung übernehmen?
In den Genuss von Freiheit kommt man nur, wenn man Verantwortung übernimmt. Und auch Risiken in Kauf nimmt. Ich habe in meinem Leben schon so viel Kontrolle abgegeben, dass Kontrolle übernehmen von Jahr zu Jahr mehr mein Ziel wurde und der einzige Weg, zu mir selber zu finden. Das ausdrücken zu können, was ich sagen und vor allem WIE ich es sagen wollte.

Sind Sie ein ehrgeiziger Mensch?
Auf meine Karriere bezogen nein. Vielleicht früher. Aber auf meine Aufgaben bezogen, ja. Ich habe den Anspruch immer mein Bestes zu geben.

Es wird wieder stark deutsch gesungen, fast schon eine «Neue Deutsche Welle» spült eine unglaubliche Menge Musikerinnen und Musiker übers Land, die sich auf ihre Wurzeln besinnen. Auf der Suche nach «Irgendwas» – wonach suchen Sie?
Ich bin angekommen, aber ich war natürlich auch oft auf der Suche. Bei mir war es wahrscheinlich die Suche nach Wertschätzung und danach mein Potenzial leben zu dürfen.

Was möchten Sie mit Ihren Liedern weitergeben?
Da müsste ich Ihnen nun mein ganzes Album vorsingen… Vielleicht näher hinzusehen, hinter die Fassaden, Bilder, Klischees, innezuhalten, zu hinterfragen, was wirklich wichtig ist und worum es geht, Mitgefühl und ich möchte ermutigen, sich selbst mehr zu vertrauen.

Selber kann man es wohl kaum erwarten, mit der CD, dem «Baby» raus – auf die Bühne – zu gehen. Einerseits ein freudiges Ereignis nach langer Arbeit, andernseits wohl auch mit dem mulmigen Gefühl, wie es wohl aufgenommen wird?
Irgendwie hatte ich gar kein mulmiges Gefühl. Ich fand es spannend, ob das was mich, auch andere bewegen wird. Scheint so.

Mit dem Erfolg steigt der Erwartungsdruck. Brauchen Sie solchen, freigesetztes Adrenalin, um voranzukommen oder ziehen Sie Abgeschiedenheit vor, den Kopf für Kreativität freizubekommen?
Ich ziehe mich immer auch wieder zurück, brauche das tatsächlich, wenn ich gross in der Öffentlichkeit stehe. Mit Erwartungen umzugehen ist eine andere Sache, das macht Druck, aber es macht auch besser, weil man die Dinge nie selbstverständlich sehen kann.

Apropos Baby… oder inzwischen doch Mutter eines beinahe dreijährigen Jungen: strahlt dieser wenn Sie zu Haus singen, oder eher Sie wenn Charlie es tut?
Beides. Ich aber noch viel mehr. Manchmal «darf» ich aber auch nicht singen.

Wenn das Privatleben öffentlich kommentiert wird, findet man da noch Inseln, wo man ganz sich selber sein kann?
Wird es bei uns nicht. Man erfährt auch nichts wirklich über uns.

Wie währe es mit der Schweiz. Vorerst «arbeiten» Sie im Theater 11 in Zürich. Gibt es ausser mit dem Konzertpublikum andere Berührungspunkte mit dem Alpenland?
Ich liebe den Bodensee, wo mein Mann herkommt, aber auch die Schweiz. Zürich ist ein wunderbarer Ort zum Leben. Je älter ich werde, umso mehr faszinieren mich Berge.

Wie nehmen Sie dieses wahr, clichéhaft mit – Schokolade, Fondue, Bergen und Reichtum – oder doch anders?
Eher die Umgebung und die Lebensqualität fallen mir auf. Klar, es ist verglichen mit Deutschland und den Einkommensverhältnissen hier sauteuer...

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf den Schweizer Dialekt, das Theater, die unfassbar schöne Gegend und die Menschen, die zu meinem Konzert kommen.

Was dürfen die Fans erwarten und haben Sie Erwartungen an die Zuhörenden?
Ich bin gespannt, ob sie Hochdeutsch mitsingen werden oder ich einen Akzent raushöre. In jedem Fall wird es kein Sitzkonzert, wir versprühen gute Laune, es gibt ein paar magische ruhige Momente, vor allem aber einen guten Mix aus Pop, Soul, kräftigen Beats 60er Jahre und Hip Hop-Reggae.

Erstellt: 24.03.2017, 16:55 Uhr

TICKETVERLOSUNG

Yvonne Catterfeld – Der «Zürcher Unterländer» verlost 3×2 ­Tickets für das Konzert vom Donnerstag, 30. März, 20 Uhr im Theater 11, Zürich. Die Tickets werden an der Kasse hinterlegt, die Gewinner per Mail informiert.
Kennwort: Catterfeld
Teilnahme: per E-Mail an ticketverlosung@zuonline.ch
bis Montag, 27. März, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter von Tamedia ­sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.red

Infobox

Yvonne Catterfeld – «Guten Morgen Freiheit»30. März, 20 Uhr.
Theater 11, Zürich-Oerlikon.
Tickets: www.ticketcorner.chTelefon 0800 900 900 (Fr. 1.19/Min.).

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