Konzert

«Auf der Bühne bin ich eine verrückte Seele»

HER sind keine konven­tionelle Country Band. Sie schlagen beim 35. Inter­nationalen Country Music Festival­ mit einem zündenden Gebräu aus Country, Sou­thern Rock, Hip-Hop und mehr ganz eigene, kraftvolle Töne an.

Die Band HER verbindet die unterschiedlichsten Musikstile zu einem energiegeladenen Ganzen.

Die Band HER verbindet die unterschiedlichsten Musikstile zu einem energiegeladenen Ganzen. Bild: PD

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Monique Staffile, HER stammen aus Brooklyn, einem New Yorker Stadtbezirk, der für seine Kunstszene bekannt ist ...
Monique Staffile: Ich wuchs in Manhattan auf, einen Block entfernt, wo damals das World ­Trade Center stand. Ich habe mir mit acht Jahren das Gitarrenspiel selbst beigebracht und gab mit 13 Jahren meinen ersten Gig im legendären CBGB’s.

Wie kam es zum Bandnamen, welche Bedeutung hat er?
Ich war Sängerin in einer Jungs-Band. Wenn die Leute fragten, «wer ist der Sänger?» zeigten die Jungs immer auf mich und sagten Sie – deshalb HER. Mit etwa 20 begann ich, mit meinem Partner, Autor und Produzenten Caleb­ «KBC» Shermann zusammenzuarbeiten. Das Studio lag in Brooklyn, das damals «Kings County» genannt wurde; folglich ergänzten wir den Band­namen. Nun lassen wir das aber wieder weg und bleiben HER.

Lag das Musikmachen schonin Ihren Genen?
Ja, ich habe Musik im Blut. Mein Vater war der Musiker Dwayne Atlas und seine Band New York Russia war tatsächlich die erste Band, die in den 70ern in Russland auftrat. Von daher lagen bei uns zu Hause immer Gitarren rum. Kreativität und Kunst waren allgegenwärtig. Ich denke, wenn ich An­wäl­tin geworden wäre, hätte ich meine Familie ziemlich enttäuscht. (lacht)

Es ist schwierig, euch musikalisch zu fassen. Ist es gerade dieser Stilmix­, euch nicht auf ein ­Genre festlegen zu müssen, der fasziniert und antreibt?
Ich denke, das Wort Genre ist altmodisch. Heute, in der Welt der iPods, hören wir doch alle ganz vielschichtige Musik. Musiker haben sich schon immer bei verschieden Stilen bedient. Ich höre ganz unterschiedliche Sachen und liebe die Bandbreite. Das widerspiegelt sich auch in meinem Songwriting.

Ihre Performances sind –und natürlich auch jene Ihrer Bandkollegen – energie­geladen. Sind Sie privat eher ein ruhiger Mensch, der sich dann auf der Bühne austobt?
Klar (lacht), das ist tatsächlich so. Ich bin eigentlich eine ruhige und schüchterne Person. Kein Partygirl, mein perfekter Abend wäre zu Hause auf dem Sofa mit meinem Hund und etwas auf der Gitarre­ klimpern. Aber wenn ich nicht auf die Bühne kann, werde ich verrückt. Denn die Bühne ist grenzenlos. Dort übernimmt eine verrückte Seele meinen Körper und macht mit mir, was sie will.

Wo holen Sie diese Energie her, mit Fitnesstraining?
Ich wünschte mir, Joggen zu mö­gen­, aber in Wirklichkeit hasse ich es. Ich liebe es, zu tanzen, mache sogar einen Zumba-Kurs. Ich glaube, die Energie stammt aus meiner Leidenschaft für Musik.

Wann denken Sie nichtan Musik?
Ich denke immer an Musik, Texte und Rhythmen. Aber das ist genau mein Ozean, meine Welt.

Woher holen Sie die Inspiration fürs Komponieren?
Nach dem Aufstehen nehme ich sofort Papier, Stift zur Hand und trinke Kaffee. Ich schreibe über alles. Ich glaube, das ist, als wäre ich zwischen Traum und Realität. Aber schreiben ist das eine, ich singe im Auto. Ich weiss nicht wieso, aber meine besten Lieder sind beim Fahren entstanden.

Steht am Anfang eines Songsein Thema, eine Geschichte,die Sie erzählen möchten, undverpacken diese dann in einmusikalisches Gewand?
Nein, das ist nicht so konzep­tionell. Meistens habe ich ein Gefühl­ oder verwende einen Text aus einer Unterhaltung. Ich komponiere aus dem Bauch heraus.

Sammeln Sie diese Ideen,kleben die Notizen an denKühlschrank, um später bei einem Bier diese Puzzleteilezusammenzufügen?
In der Band haben wir das Spiel «Gib das Buch weiter» gespielt. Wir standen trinkend her­um und jeder musste eine Zeile in ein Buch schreiben. Das ist grossartig, denn wir sprechen nie über den Song und seine Bedeutung. So kann ihn jeder für sich interpretieren.

Welches Lied tragen Sie zeitlos im Herzen und weshalb?
Auf dem neuen Album «Black & White» habe ich den Song «Right Now» über jemanden geschrieben, der nicht mehr unter uns ist und an den ich oft denke.

Gibt es ein Lied, das man nicht mehr mag, weil man sich verän­dert hat oder die Zeit eine andere ist?
Ja, der Song «White Trash Coun­try Boy» war ein Hit in den Charts. Aber er widerspiegelt meine Gefühle nicht mehr. Es ist hart, etwas singen zu müssen – weil von den Fans gefordert –, hinter dem man nicht mehr steht.

Ende Monat erscheint euer neues­ Album «Black & White». Der Titel verspricht, dass Ihres zwischen diesen «Tönen» ziemlich bunt treibt, oder?
Genau. Wir haben das Album in einer anderen Art und Weise geschrie­ben. Jeder Song wurde live­ in unserem Cygnus Sound-Studio in Nashville entwickelt. Wir hatten einen Whisky und einige Biere intus und legten ­ohne klare Ideen los. Diese verrückten Jam Sessions haben wir mitge­schnitten und daraus ein Album geformt.

Wenn Sie nicht Musikeringeworden währen, was dann?
Wegen meiner Tierliebe wohl Tier­pflegerin und Aktivistin.

Auf Tour ist man im Hotel­zimmer eher einsam. Empfinden Sie das so, oder sind Sie um diese­ kleine Oase der Ruhe froh?
Friedensoase, was ist das? (lacht) Ich wünschte mir mal Ruhe; aber mein Hirn schaltet nie ab. Im Hotel denke ich über das letzte Konzert nach und wie man das Nächste noch besser machen könnte.

Blicken Sie in solchen Momenten stolz auf eine bisher erfüllte Karriere zurück?
Es geht immer nur hin­auf, egal, wie hoch der Berg ist. Ich setzte mir Ziele und habe sie erreicht: einen Plattenvertrag und Tourneen durch ganz Amerika, manch­mal auf derselben Bühne mit meinen Idolen. Aber manchmal ist das, was du willst, nicht das Beste. Das Leben ist voller Erfahrungen, und ich bin glücklich, sie alle zu machen.

Was verbindet Sie mit der Schweiz? Klischees, oder nehmt Ihr euch die Zeit, Land und Menschen­ kennen zu lernen?
Ich möchte das Land, die Stadt und die Leute kennen lernen. Ehrlich gesagt, schauen auf Tour irgendwann alle Berge gleich aus und ja, Schweizer Schokolade schmeckt grossartig. Leute vor Ort treffen, das regionale Essen und Bier probieren – das verbindet.

Wer und worauf darf man sichbei eurem Schweizer Konzert freuen?
Verrückte Fans, Rock-Fans, Coun­try-Fans und alles dazwischen. Leute, die Lust auf Party haben, wild werden wollen und die Regeln brechen.

Erstellt: 18.01.2019, 15:31 Uhr

Ticketverlosung

HER – Der «Zürcher Unter­­länder» verlost für das Konzert vom Samstag, 9. Februar, 19.30 Uhr, zweimal zwei Tickets.
Kennwort: HER
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 21. Januar, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden.

Infobox

35. Country Music Festival – HER
8. und 9. Februar, 19.30 Uhr. Schützenhaus Albisgüetli, Zürich.Infos/Tickets: www.albisguetli.ch.

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