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Spendengelder für die DigitalisierungPeilsender für Kühe, 3-D-Reliefs und rätoromanische Werbung

Die Berghilfe unterstützt in diesem Jahr mit ihrer Spendenkampagne den technischen Fortschritt in den Randregionen. Drei Beispiele abseits der grossen Zentren.

Eric Marguet, Chef von Gravity Swiss, hat ein Programm entwickelt, mit dem er grosse Datenmengen rasch verarbeiten kann.
Eric Marguet, Chef von Gravity Swiss, hat ein Programm entwickelt, mit dem er grosse Datenmengen rasch verarbeiten kann.
Foto: Yannick Andrea (Schweizer Berghilfe)

Es ist schon ein Ritual: Jedes Jahr ruft die Schweizer Berghilfe die Bevölkerung zu Spenden auf, mit denen die Stiftung Projekte aus den Randgebieten unterstützt. In diesem Jahr fliesst ein Teil des gesammelten Geldes in die Digitalisierung in abgelegenen Regionen, wie die Organisation am Donnerstag mitteilte. Empfänger sind Unternehmer oder lokale Gemeinschaften und Genossenschaften.

«Die Digitalisierung ist eine Riesenchance», sagt Kilian Gasser. «Denn sie macht die Nachteile wett, welche die Berggebiete gegenüber dem Flachland haben.» Dazu gehören laut dem Sprecher der Berghilfe weite Wege, ein erschwerter Zugang während des Winters und beschränkte Märkte.

Durch Spenden nimmt die Berghilfe jährlich über 30 Millionen Franken ein. In den vergangenen fünf Jahren hat die Organisation über 70 Digitalisierungsprojekte mit knapp 2,9 Millionen Franken direkt oder indirekt unterstützt. Beispiele dafür sind:

Hochpräzise Reliefs

Die Firma Gravity Swiss stellt im Neuenburger Jura topografische Karten her, die aus Hunderten Millionen Datenpunkten bestehen.
Die Firma Gravity Swiss stellt im Neuenburger Jura topografische Karten her, die aus Hunderten Millionen Datenpunkten bestehen.
Foto: Yannick Andrea (Schweizer Berghilfe)

Le Cerneux-Péquignot liegt auf 1088 Meter über Meer und ist die höchstgelegene Gemeinde des Kantons Neuenburg. Im 311-Seelen-Dorf stehen aber nicht nur Bauernhöfe und Wohnhäuser, sondern auch eine Hightechfirma. Eric Marguets Unternehmen Gravity Swiss hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem sich riesige Datenmengen schnell und effizient verarbeiten lassen. Die Rede ist von Hunderten Millionen bis zu hundert Milliarden Datenpunkten.

Aktuell lebt das Unternehmen davon, dass es hochpräzise Reliefs herstellt, die als Dekoration in Innenräumen gedacht sind. So ist etwa eine topografische Karte des Kantons Neuenburg für 1800 Franken erhältlich. Doch für Firmengründer Marguet ist das nur der Anfang. Ihm schwebt vor, mit seiner Software Prothesen herzustellen, die auf jeden Patienten individuell zugeschnitten sind. Das ginge so: Der Körperteil, der durch eine Prothese ersetzt werden soll, wird vor dem Eingriff gescannt. Die Technologie von Gravity Swiss modelliert daraus einen künstlichen Körperteil, der eine genaue Kopie des natürlichen Gelenks ist.

Tracker fürs Vieh

Mit Peilsendern lassen sich die genauen Positionen von Tieren in Viehherden orten.
Mit Peilsendern lassen sich die genauen Positionen von Tieren in Viehherden orten.
Foto: Yannick Andrea (Schweizer Berghilfe)

Viehherden in freier Laufbahn im Auge zu behalten, ist für Landwirte eine Herausforderung. Es lauern verschiedene Gefahren wie herumstreunende Wildtiere oder Vieh, das sich von der Gruppe entfernt. Abhilfe schafft hier die Firma Alptracker aus dem Kanton Schwyz. Das Unternehmen verkauft spezielle Peilsender, die den Tieren wie eine Art Halsband umgehängt werden. Über lokale Antennen können die Bauern auf einer App oder auf dem Computer den genauen Standort des Viehs überprüfen. Das erhöht nicht nur die Sicherheit der Tiere, sondern hilft auch bei der Wirtschaftlichkeit.

Die Sender können beispielsweise Bewegungsmuster der Herde aufzeichnen. Das ermöglicht den Landwirten, die Weiden effizienter zu nutzen. Doch auch Angriffe durch Wildtiere lassen sich feststellen, etwa bei starken Beschleunigungen der Herde. Laut Firmenchef Stefan Aschwanden werden aktuell 2000 Tiere mit der Alptracker-App digital überwacht. «Im vergangenen Jahr meldeten die Sender drei Wolfsangriffe.» Die Peilsender funktionieren mit dem Mobilfunknetz der Swisscom. In unwegsamem Gelände kommt zusätzlich ein eigenes Funknetz von Alptracker zum Einsatz.

Ilanz nimmt es mit Zürich auf

Die Bündner Werbeagentur Communicaziun.ch bietet spezialisierte Arbeitsplätze in einer Randregion an.
Die Bündner Werbeagentur Communicaziun.ch bietet spezialisierte Arbeitsplätze in einer Randregion an.
Foto: Max Hugelshofer (Schweizer Berghilfe)

In der Werbeagentur Communicaziun.ch mit Hauptsitz im bündnerischen Ilanz wird nicht hauptsächlich die bevorzugte Werbesprache Englisch gesprochen. «Wir denken rätoromanisch und deutsch», sagt Firmengründer Armin Spescha. Das zweisprachige Unternehmen beschäftigt 60 Mitarbeitende in einer Randregion, womit es gegen die Konkurrenz aus Zürich und Bern antreten kann. Die Aufträge stammen nicht mehr nur aus der Surselva, sondern kommen auch von ausserhalb des Kantons Graubünden.

Er könne heute spezialisierte Arbeitsstellen in einer Branche anbieten, «die in unserer Region sonst untervertreten ist», so Spescha. Dazu gehören Berufe im Bereich des digitalen Marketings, die sich etwa mit Konzepten für soziale Medien beschäftigen. Communicaziun.ch ist aber auch eine Druckerei und ein Atelier für Werbetechnik. Mit seinem Angebot an modernen Berufen in der Kommunikation verhindere er, dass junge Arbeitnehmer in die Zentren abwandern, so Spescha.