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Corona-Fälle in ChinaPeking reagiert mit massiven Einschränkungen auf neuen Ausbruch

Die chinesische Hauptstadt meldet Dutzende Neuinfektionen. Als Ausgangspunkt gilt der wichtigste Lebensmittel-Grossmarkt in Asien. Fast 100’000 Menschen sind zur Eindämmung der Epidemie im Einsatz.

Sicherheitsbeamte messen von Leuten, die vor einem Spital in Peking für Covid-Tests anstehen, die Körpertemperatur. (15. Juni 2020)
Sicherheitsbeamte messen von Leuten, die vor einem Spital in Peking für Covid-Tests anstehen, die Körpertemperatur. (15. Juni 2020)
Keystone

Peking stemmt sich mit weitreichenden Sicherheitsmassnahmen gegen einen neuen Ausbruch des Coronavirus. In den vergangenen vier Tagen meldete die Verwaltung 79 Neuinfektionen, nachdem in Chinas Hauptstadt fast zwei Monate lang überhaupt keine mehr ermittelt worden waren. Als Ausgangspunkt gilt der wichtigste Lebensmittel-Grossmarkt in Asien. «Der Sicherheitsaufwand hat rasch ein Niveau wie in Kriegszeiten erreicht», sagte Xu Ying, ein hochrangiger Behördenvertreter, am Montag vor der Presse. Mittlerweile seien fast 100’000 Mitarbeiter zur Eindämmung der Epidemie im Einsatz.

In mehreren Stadtbezirken wurden wieder Beschränkungen eingeführt. Dazu zählen die Schliessung von Schulen und Sportplätzen, dauernde Sicherheitskontrollen und Körpertemperaturmessungen in Einkaufszentren und Büros. Zudem mussten sich Zehntausende von Menschen Corona-Tests unterziehen. Die Bewohner wurden aufgerufen, Menschenmengen zu meiden.

Viel grösser als Fischmarkt in Wuhan

In manchen Wohnvierteln gingen Behördenmitarbeiter sogar von Haus zu Haus, um Verbindungen zu dem im Visier stehenden Grossmarkt Xinfadi herauszufinden. Dort werden täglich Tausende Tonnen von Gemüse und Obst gehandelt. Das Areal umfasst eine Fläche im Umfang von nahezu 160 Fussballplätzen und ist damit viel grösser als der Fischmarkt in der Stadt Wuhan, wo nach bisherigen Erkenntnissen der erste Virus-Ausbruch seinen Ausgang nahm.

An Xinfadi angrenzende und weitere Viertel in Peking wurden abgeriegelt. Ein kompletter Lockdown galt allerdings in keinem der 16 Bezirke der Hauptstadt. In anderen Landesteilen warnten die Behörden vor Reisen nach Peking und ordneten in manchen Fällen Quarantäne für Personen an, die aus der Hauptstadt eingereist waren. Peking wiederum verweist auf Europa. Von dort stamme das auf dem Xinfadi-Markt ausgebrochene Virus womöglich, sagte am Sonntag ein Epidemologe der Stadtverwaltung und berief sich auf eine DNA-Analyse.

Neuer Virustyp

Der neue Coronavirus-Ausbruch schürt die Angst vor einer zweiten Welle in China. Laut chinesischen Gesundheitsbehörden unterscheidet sich das Virus auf dem Xinfadi-Markt von dem Stamm, der eine weltweite Pandemie ausgelöst hat. Wie Zeng Guang, Epidemiologe des Gesundheitsamts, laut der «Global Times» berichtet, könnte es sich um eine bisher unbekannte Mutation des ursprünglichen Sars-CoV-2-Virus handeln.

Ob der Virustyp auch neue Eigenschaften ausweist, ist bisher unbekannt. Die Untersuchungsergebnisse sollen nun mit Analysen aus anderen Ländern verglichen werden, um die Herkunft des Erregers festzustellen. Es sei jedoch normal, dass das Erbgut von Viren mit der Zeit mutiert und neue Untertypen entstehen.

Beamte in Peking entlassen

Die erneute Verbreitung des Virus hat zudem personelle Konsequenzen. Drei Beamte mussten ihre Posten wegen Fehlverhaltens im Amt räumen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete. Dem Bericht zufolge handelt es sich unter anderem um Zhou Yuqing, den stellvertretenden Leiter der Bezirksregierung im Stadtteil Fengtai, und Wang Hua, den Parteisekretär der Gemeinde Huaxiang in Fengtai. Auch Zhang Yuelin, der Generaldirektor des Xinfadi-Grosshandelsmarktes, wurde entlassen.

Am Montag berichtete die Pekinger Gesundheitskommission von landesweit 49 neuen Infektionen, darunter 10 «importierte» Fälle mit Sars-CoV-2 bei Reisenden und 39 lokale Ansteckungen. Von den im Inland übertragenen Fällen wurden 36 in Peking und drei in der benachbarten Provinz Hebei registriert, die alle mit dem Ausbruch auf dem Grossmarkt in Verbindung gebracht wurden.

Bereits am Wochenende hatte der Covid-19-Krisenstab der Hauptstadt angekündigt, die Kontrolle von Fracht und Reisenden bei der Einreise verschärfen zu wollen, um eine weitere Einschleppung des Virus zu verhindern. China vergibt seit März ohnehin keine normalen Visa mehr an Ausländer und beschränkt die Einreise heimkehrender Chinesen. Internationale Flüge sind sehr begrenzt. Auch werden Corona-Tests sowie 14 Tage Quarantäne verlangt.

SDA

25 Kommentare
    Andre Meier

    Ich wundere mich schon wie der Tagi immer wieder die Global Times als Quelle zitiert. Das Blatt ist eine Staatspropagandaschleuder sondergleichen.