Gesundheit

Pfeifen im Ohr ist oft stressbedingt

Ohrgeräusche sollte man ernst nehmen, denn oft wird die Lebensqualität dadurch empfindlich gestört. Andererseits herrscht kein Grund zur Panik: In bis zu 70 Prozent der Fälle verschwindet die Störung wieder von allein.

Störende Töne im Ohr können abgestellt werden. Ärztliche Untersuchungen sind oft ergebnnislos. Entspannung und Geduld können jedoch helfen.

Störende Töne im Ohr können abgestellt werden. Ärztliche Untersuchungen sind oft ergebnnislos. Entspannung und Geduld können jedoch helfen. Bild: Shotshop

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Die Fähigkeit, die Umwelt, vom Gespräch bis zum Vogelzwitschern, wahrzunehmen, ist nicht selbstverständlich. Wie wichtig ein gesundes Gehör ist, merkt man meist erst, wenn man es verliert – oder das Hören dauerhaft von Geräuschen gestört ist.

Leider ist dies immer häufiger der Fall, und der promovierte Mediziner Eberhard J. Wormer weist in seinem neuen Buch «Tinnitus» explizit auf den Zusammenhang mit der Zivilisationskrankheit Stress hin. «Es sieht so aus, als ob zunehmender Leistungsdruck in Beruf und Alltag eine der Hauptursachen ist. Und der hohe Lärmpegel in den wachsenden Städten verschärft das Problem.» Seit der Industrialisierung wird das Nervenkostüm der Menschen (über-)strapaziert. «Ohne Oropax bei Tag und Nacht ginge es gar nicht», schrieb schon Kafka 1922.

Ursache schwer zu finden

Da die Ohren immer auf Empfang sind, können die akustischen Einflüsse kaum gefiltert werden. Betroffene reagieren oft ängstlich, wenn sich das Rauschen, Pfeifen oder auch Klopfen nicht mehr abstellen lässt. Dabei geraten sie leicht in einen Teufelskreis: Übersensibilisiert lauschen sie in den eigenen Körper, können nicht mehr einschlafen und sind enttäuscht, wenn der Hals-Nasen-Ohren-Arzt keine körperliche Ursache findet. Tinnitus kann zu Depressionen, Berufsunfähigkeit oder, verknüpft mit psychischen Störungen, bis zum Suizid führen. Tinnitusbetroffenen geht es oft wie vielen Schmerzpatienten: Sie konsultieren verschiedene Ärzte, die Mittelohrprüfungen und Hörtests durchführen. Aber die Störgeräusche hören natürlich nur sie selbst. Meist geht auch eine Minderung des Hörvermögens, genau in der Frequenz der Tinnitustons, mit dem Leiden einher. Schwerhörigkeit setzt ein.

Wer jetzt in Panik verfällt, schürt den Tinnitus meist noch an. Stattdessen hat sich die Tinnitus-Retraining-Therapie bewährt. Sie kann ein bis zwei Jahre dauern. In Einzelsitzungen bespricht der Patient mit seinem Therapeuten, wie er die Störung wahrnimmt. Das Problem soll versachlicht, Ängste und irrationale Einstellungen sollen abgebaut werden.

Dann setzt die Geräuschtherapie ein. Dabei muss der Betroffene Stille möglichst meiden. Rund um die Uhr sollen Hintergrundgeräusche laufen, damit er nicht nur mit dem Tinnituston konfrontiert ist. Aber: Diese Klangkulisse darf keine Sprache oder andere ablenkende Elemente enthalten. Besonders werden Naturgeräusche (Meer, Wind) empfohlen. Inzwischen gibt es auch entsprechende Apps (zum Beispiel «Tinnitracks»). Ein in das Ohr einge­setzter Rauschgenerator (Noiser) kann ein «weisses» Rauschen in der gewünschten Frequenz erzeugen. Das Ziel ist, dass sich der Patient an den Tinnituston gewöhnt und mit ihm leben lernt.

Mentale Ruhe hilft

Gleichzeitig empfehlen sich Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, eventuell auch Akupunktur. Denn wie Eber­hard J. Wormer betont, sind chronische Ohrgeräusche ins ­Gedächtnis eingebrannte Erin­nerungen an Zeiten grosser körperlicher und psychischer Belastungen. Er nennt sie «das unüberhörbare Brandzeichen eines früheren Dauerstresszustandes».

Dabei darf man nicht übersehen, dass es durchaus organische Erkrankungen gibt, die zu Tinnitus führen, allen voran Morbus Menière, eine nicht heilbare Innenohrerkrankung. Sie geht intervallweise mit Schwindel­anfällen und Übelkeit einher. Sie kann medikamentös, operativ und mit Gleichgewichtstraining im Zaum gehalten werden. Die Ohrgeräusche können aber auch durch die Halswirbelsäule oder das Kiefergelenk (Zähneknirschen) ausgelöst werden. Dem liegt beispielsweise ein Schleudertrauma oder eine übermässige Manipulation der Halswirbelsäule zugrunde.

Einen Tinnitus loszuwerden, bedarf Zeit und Disziplin. Es ist besser, man lässt es nicht so weit kommen und hinterfragt beizeiten seinen Lebensstil und die eigenen Leistungserwartungen. (Landbote)

Erstellt: 29.10.2015, 14:49 Uhr

Hier gibt's Hilfe

Buchtipp:
Tinnitus. Wie Ohrgeräusche entstehen und wie man sich davon befreit. Eberhard J. Wormer. Mankau-Verlag. 190 Seiten, ca. 21.90 Fr.

Die gemeinnützige Schweize­rische Tinnitus-Liga kümmert sich um Betroffene, aber auch um Menschen, die einen Hörsturz erlitten haben, unter stark erhöhter Geräuschempfindlichkeit (Hyper­akusis) oder Morbus Menière ­leiden. Infos unter: www.tinnitus-liga.ch

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