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Schauspieler Michel Robin gestorbenPipe hebt endgültig ab

Der Franzose prägte einen der schönsten Schweizer Filme – und fuhr darin mit dem Moped gen Himmel

Michel Robin (1930–2020) als Bauernknecht Pipe, der nach 30 Jahren auf einem Bauernhof kleine Fluchten unternimmt: «Les petites fugues».
Michel Robin (1930–2020) als Bauernknecht Pipe, der nach 30 Jahren auf einem Bauernhof kleine Fluchten unternimmt: «Les petites fugues».
Foto: Imago Images, United Archives

Es ist eine der verrücktesten Szenen im Schweizer Film. In «Les petites fugues» (1979) ersteht sich der eigenbrötlerische Bauernknecht Pipe ein Mofa. Von einem italienischen Gastarbeiter erhält er eine Fahrlektion, bei der er allerdings wenig zu kapieren scheint. Auf jeden Fall verfehlt er die Kurve und fährt schnurstracks Richtung Kornfeld … aber dann geschieht das Wunder: Pipe hebt ab, auf seinem Töffli. Und beginnt zu fliegen.

Diese Rolle machte den französischen Schauspieler Michel Robin hierzulande schlagartig bekannt. Er gewann den Darstellerpreis am Filmfestival Locarno. Und der Film von Yves Yersin wurde zum Publikumserfolg, mit knapp einer halben Million Zuschauerinnen und Zuschauern gehört er immer noch zu den erfolgreichsten Schweizer Produktionen.

Michel Robin, 1930 in Reims geboren, spielte sonst wenig Hauptrollen. Aber oft war er in gewichtigen Nebenrollen zu sehen. Für Jean-Pierre Jeunet war er zum Beispiel ein Vater in «Le fabuleux destin d’Amélie Poulin», er arbeitete mit bekannten Regisseuren wie Alain Resnais, Costa-Gavras und Claude Chabrol.

Noch eine weitere markante Rolle führte ihn in die Schweiz: In «L’invitation» (1972) von Claude Goretta verkörperte er jenen Angestellten, der mit einer Erbschaft zu Geld kommt, sich eine Villa ersteht und dort eine Gartenparty veranstaltet, die dann völlig ausartet.

Jetzt ist Michel Robin, im Alter von 90 Jahren, an den Folgen von Covid-19 verstorben. Oder, um es mit der schönsten Erinnerung an ihn zu sagen: endgültig Richtung Himmel gefahren.

6 Kommentare
    Markus Kuehne

    Es ist der schönste Schweizerfilm, nicht abgehoben und ohne penetranten Heimat-Pathos. Michel Robin hat unser urschweizerisches Streben, das Ausbrechen aus angestammten Konventionen, bestens verkörpert. Sich nicht in den Vordergrund zu setzen, und trotzdem einen Umbruch anzustreben. Chapeau Michel