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Hitzewelle und verheerende BrändePlötzlich ist es an einem der kältesten Orte der Welt 38 Grad warm

In Sibirien und auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen steigen die Temperaturen auf neue Rekordwerte. Zudem toben innerhalb des Polarkreises Feuer.

«Diese Woche war es in Sibirien teils wärmer als in Florida»: Die Weltorganisation für Meteorologie zeigt sich besorgt über die ansteigenden Temperaturen in der Arktischen Region.
Tamedia

Eine ungewöhnliche Hitzewelle hat in Sibirien für einen Temperaturrekord gesorgt. In der Stadt Werchojansk in Jakutien, die als einer der kältesten bewohnten Orte der Welt gilt, seien am 20. Juni rekordhohe 38 Grad gemessen worden, berichtete die WMO in Genf.

In den Monaten Januar bis Juni hätten die Temperaturen 5 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 gelegen. Im Juni allein seien es 10 Grad über dem Durchschnitt gewesen, teilte die Weltwetterorganisation weiter mit.

Auch wenn das Wetter in der Region unter anderem durch eine Nordverlagerung des Jetstreams – eines Starkwind-Bandes in der Troposphäre – beeinflusst werde, wäre eine solche Hitzewelle nach einer Analyse von WMO-Experten ohne den Klimawandel praktisch unmöglich gewesen.

Temperatur-Rekord auf norwegischer Arktis-Inselgruppe

Auch die Temperaturen auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen haben ein Rekordhoch erreicht. Am Freitag seien auf dem auch Svalbard genannten Archipel bis zu 21,7 Grad Celsius gemessen worden, wie das Norwegische Meteorologische Institut am Samstag mitteilte.

Im Ort Longyearbyen sei damit ein 41 Jahre alter Rekord gebrochen worden. Longyearbyen. Die Hauptsiedlung der Insel mit mehr als 2000 Einwohnern, liegt etwa 1300 Kilometer vom Nordpol entfernt.

Ähnlich wie 2019?

«Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die ganze Welt im Durchschnitt», sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die Entwicklung habe weitreichende Folgen. «Die Pole beeinflussen Wetter und Klima in niedrigeren Breitengraden, wo Hunderte Millionen Menschen leben.»

Das zweite Jahr in Folge tobten wegen der Hitze innerhalb des Polarkreises verheerende Brände. Das nördlichste zur Zeit aktive Feuer befinde sich weniger als acht Kilometer vom Arktischen Ozean entfernt, so die WMO. Auf russischen Satellitenaufnahmen seien am 22. Juli 188 wahrscheinliche Brandherde zu sehen gewesen.

«Der Sommer 2019 war insgesamt in Bezug auf die Brände in hohen Breitengraden ungewöhnlich, und 2020 scheint sich ähnlich zu entwickeln», zitierte die WMO den Wissenschaftler Mark Parrington vom europäischen Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst (CAMS). Die sibirische Hitzewelle habe den Eisrückgang an den arktischen Küsten beschleunigt, besonders seit Ende Juni, berichtete die WMO.

SDA