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Für gesünderes VerbraucherverhaltenPolen führt Sondersteuer für ungesunde Getränke ein

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat ein neues Gesetz zur Einführung einer zusätzlichen Steuer für ungesunde Getränke unterzeichnet.

Softdrinks im Visier der polnischen Regierung.
Softdrinks im Visier der polnischen Regierung.
Foto: Keystone

In Polen soll mit einer Sondersteuer auf zuckerhaltige Getränke, Energy-Drinks und kleine alkoholische Getränke ein gesünderes Verbraucherverhalten gefördert werden, teilte die Kanzlei des Präsidenten Andrzej Duda am Donnerstag mit.

Gemäss dem neuen Gesetz, das ab 2021 in Kraft tritt, werden zucker- oder süssstoffhaltige Getränke mit 0,5 Zloty (0,11 Euro) pro Liter besteuert. Die Zusatzsteuer ist für koffein- oder taurinhaltige Getränke wie Energy-Drinks und Getränke mit mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter vorgesehen. Beim Verkauf von Alkohol in Flaschen mit bis zu 300 Millilitern sind 25 Zloty pro verkauftem Liter reinen Alkohols zu bezahlen. Die Steuer gilt nicht für alkoholische Getränke, die in Restaurants oder Bars konsumiert werden.

Der Verkauf von aromatisierten alkoholischen Getränken in kleinen Flaschen, die als «Malpki» (Äffchen) bezeichnet werden, florierte in den letzten Jahren in Polen zum Bedauern von Experten für Alkoholprävention. Die Einnahmen aus der neuen Sondersteuer gehen in erster Linie an den Nationalen Gesundheitsfonds NFZ sowie an regionale Verwaltungsorgane.

Die Weltgesundheitsorganisation fordert schon seit 2016 eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke. In Grossbritannien sorgt diese Massnahme dafür, dass die Limonaden­hersteller die Rezepte anpassen, um der Steuer zu entgehen. Manche ihrer Limonaden enthalten nun nicht einmal mehr halb so viel Zucker wie in der Schweiz.

In Norwegen existiert eine Zuckersteuer schon länger – sie gilt für Zucker und für künstliche Süssstoffe. 2018 erhöhte die Regierung die Steuer um 83 Prozent. Als Folge sanken die Absatzzahlen von Getränkeherstellern weiter.

Frankreich führte 2012 eine sogenannte Sodasteuer ein – darunter fallen Getränke, denen Zucker oder künstliche Süssungsmittel zugesetzt sind. Die Rezepturen wurden aber kaum angepasst, stattdessen erhöhten sich die Preise der Getränke. Daher sollte die Steuer so angepasst werden, dass ihre Höhe je nach Zuckergehalt variiert.

In den USA haben einige Städte eine Zuckersteuer eingeführt – allen voran die kalifornische Universitätsstadt Berkeley. Sie besteuert seit 2014 zuckerhaltige Getränke. Forscher stellten Änderungen bei den Einkäufen fest. So stieg beispielsweise der Konsum von Trinkwasser. In Mexiko gibt es seit 2014 eine Zuckersteuer. Bereits im Folgejahr sanken die Einkäufe für die zuckrigen Getränke um fast zehn Prozent.

Die Schweiz gehört nicht zu den Ländern, die Cola, Pepsi und Co. besteuern. Der Rückhalt in der Bevölkerung für eine Zuckersteuer sei zu gering. Zu diesem Schluss kam eine Studie des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern vor rund zwei Jahren.

sda/nag

19 Kommentare
    Sacha Meier

    So etwas, wie eine Zuckersteuer wäre bei uns nicht machbar. Unsere National- und Bundesräte würden von den Industrienahrungsmittelproduzenten lebendigen Leibes gehäutet - und ggf. auch noch skalpiert. Die Schweiz hat nun einmal eine der schlagkräftigsten perlamentarischen Lobbykativen auf diesem schönen Planeten. Darum frage ich mich schon lange, warum wir uns ständig diese folkloristischen Parlamentswahlen und auch Bundesratswahlen antun müssen. Viel effizienter wäre es, wenn unsere Konzerne direkt die Regierung nach EBITA verteilt stellen würden. Streng aktionärsdemokratisch, versteht sich. Wir hätten dann mindestens mehr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Transparenz, als jetzt.