Rapperswil-Jona

Politische Debatte statt persönliche Machtkämpfe

An einem sehr gut besuchten Wahlpodium diskutierten die fünf Kandidaten des zweiten Wahlgangs die dringendsten Fragen der Stadt. Organisiert wurde die Debatte von der «Zürichsee-Zeitung» und der «Südostschweiz».

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Was ist in Rapperswil-Jona los? Dies war eine der zentralen Fragen des Wahlpodiums im Kreuz Jona. Nicht nur in Sachen Verkehr sind sich Politiker und Bürger in der Rosenstadt uneins, sondern auch in Finanzthemen und der Frage, wie viel Mitwirkung der Bürger nötig ist. Conradin Knabenhans, Redaktionsleiter der «Zürichsee-Zeitung» und Moderator des Podiums, stellte denn diese Frage ganz an den Anfang der Diskussion. Peter Göldi (CVP) beantwortete sie zackig: «Wer hat Führungsfähigkeit in dieser Stadt? Diese Frage ist jetzt entscheidend.» Es gehe nun darum, Ruhe in die Stadt zu bringen. Hubert Zeis (parteilos) war etwas weniger konkret, als er sagte: «Ich bin bereit, eine Politik für Bürger zu machen.» Das Chaos in der momentanen Situation sei der Machtpolitik geschuldet. «Das tut unserer Stadt nicht gut.» Wie Göldi plädierte auch Zeis für «Stabilität und Ruhe und eine langfristige Planung».

Ungewohnte Situation

Bald kamen die allesamt locker und gut gelaunt wirkenden Kandidaten auf die Irrungen und Wirrungen nach dem ersten Wahlgang zu sprechen. Martin Stöckling (FDP) fand, es sei wichtig, dass die Wähler wüssten, worauf sie sich in den nächsten vier Jahren einlassen. Rahel Würmli (UGS) sagte, sie sei sich nicht sicher, ob im bisweilen wirren Wahlkampf der Ortsparteien die Glaubwürdigkeit wirklich stark gelitten habe. «Es ist derzeit eine spezielle und ungewohnte Situation.» Würmli spielte auf die Tatsache an, dass zum zweiten Wahlgang nun mehr Kandidaten antreten als zum ersten Wahlgang. «Dass die Parteien untereinander nicht ganz gleicher Meinung sind, ist nicht ungewöhnlich», fand die Stadträtin. Es gebe noch wichtigere und zukunftsorientiertere Themen als Verkehr und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb).

Insbesondere letzteres Thema hätten die Medien und nicht die Politiker auf die Agenda gesetzt. Ob sie enttäuscht sei über den Ausstieg «ihres» Kandidaten des ersten Wahlgangs, Bruno Hug, fragte Knabenhans. Würmli gab keine wirkliche Antwort, sondern sagte nur, das sei Hugs alleinige Entscheidung gewesen. «Warum treten Sie, Martin ­Stöckling, erst im zweiten Wahlgang an?» Diese Frage, die sich wohl manch anderer in Rapperswil-Jona bereits gestellt haben mag, richtete Knabenhans an den FDP-Politiker. Ob der späte Einstieg ins Rennen ums Stadtpräsidium mit dem viel kritisierten Machtkartell von CVP und FDP zusammenhänge, wollte der Journalist wissen. «Dass es dieses Machtkartell nicht gibt, sieht man ja jetzt, da zwei CVP- und ein FDP-Kandidat antreten», konterte Stöckling. Es sei nicht vorauszusehen gewesen, dass Erich Zoller (CVP) – der auch von der FPD unterstützt worden war – so schlecht abschneiden würde. Er habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am Amt des Stadtpräsidenten Interesse habe, sagte Stöckling. «Nach dem ersten Wahlgang wollten wir der Bevölkerung zeigen, wie wir aus dieser Situation wieder herausfinden können.»

Wege zum Neustart

Wie schafft es ein künftiger Stadtpräsident, die Stadt – also Stadtrat und Bevölkerung – wieder zusammenzuschweissen? Diese Frage ging an alle Kandidaten. Erich Zoller bemühte einmal mehr das Schlagwort «Transparenz». Durch Transparenz schaffe man Vertrauen. Das sei nötig, da die Bevölkerung zwei Jahre lang von den «Obersee-Nachrichten» an der Nase herumgeführt worden sei. Doch wie würde er mit der Klage der Stadt gegen die Gratiszeitung umgehen, wenn er wiedergewählt würde? «Bruno Hug könnte nicht mehr so berichten wie in der Vergangenheit», lautete Zollers klare Antwort.

Der ehemalige Gommiswalder Gemeindepräsident Peter Göldi warf seine Unabhängigkeit in die Waagschale: «Ich komme mit etwas Distanz von aussen und hätte gute Chancen, die Köpfe im Stadtrat zusammenzubringen.» Qualität entstehe im Dialog, gab sich Göldi philosophisch. Erst müsse man mit dem Stadtrat, dann mit Bevölkerung sprechen. Idealerweise würde er als Stadtpräsident mit dem Stadtrat in Klausur gehen. Auch Hubert Zeis würde mit dem Rat hinter verschlossenen Türen tagen und erst einmal die Kesb-Geschichte aufarbeiten und dann «die nötigen Schritte einleiten». Welche das seien, wisse er jedoch nicht.

Rahel Würmli hingegen betonte das Thema «Visionen». Man müsse im Stadtrat gemeinsam auf Ziele hinarbeiten. «Teambildung ist wichtig, dafür steht auch Geld zur Verfügung.» Der neue Stadtrat müsse der Bevölkerung zeigen, dass er seine Aufgaben mit Freude und Leidenschaft wahrnehme, fand Martin Stöck­ling. Damit habe das alte Gremium Mühe gehabt, das müsse sich ändern.

In der Tunnelfrage förderte das Podium kaum Neues zutage. Zoller, Würmli, Göldi und Zeis bekannten sich zu keiner Tunnelvariante. Martin Stöckling, Vorstandsmitglied des Vereins Verein für Verkehrsentlastung Rapperswil-Jona (Verj), nahm am klarsten Stellung: «Der Stadtrat muss jetzt entscheiden, welchen Tunnel er will. Die Uhr tickt.» Bis nächsten März müssten diese Entscheide gefällt werden.

Auch das Thema Stadtplanung wurde im Zuge der Podiumsdiskussion thematisiert. Dabei äusserte sich Martin Stöckling ganz klar gegen die Volksmotion «Stoppt die Zubetonierung von Rapperswil-Jona», die Anwohner des Quartier Eichfeld im Frühling lanciert hatten. «Die Volksmotion würde diverse Grossprojekte verhindern.»

«Kein Manhattan»

Für eine vernünftige Verdichtung würde sich indes Peter Göldi als zukünftiger Stadtpräsident einsetzen. «Verdichtung ja, Skyline nein.» Es müsse eine quartierverträgliche Entwicklung ins Auge gefasst werden, Rapperswil-Jona dürfe kein Manhattan werden. Nach Auffassung der einzigen weiblichen Kandidatin Rahel Würmli hat der vor zehn Jahren erstellte Richt- und Zonenplan der Stadt noch immer Gültigkeit. Eine Anpassung hält Würmli derzeit nicht für nötig. Für Hubert Zeist steht auch hier eine transparente Kommunikation im Zentrum. «Der Stadtrat muss seine Pläne begründen.»

Wie sähe die erste Amtshandlung des neuen Stadtpräsidenten aus? Zoller sagt, die sieben Stadträte müssten sich «zusammenraufen und für die Stadt da sein». Zeis hingegen würde ein Rednerpult für die Bürgerversammlung organisieren: «Dadurch wäre die Bevölkerung auf Augenhöhe mit dem Stadtrat.» Bereits vor dem 1. Januar will Göldi den Stadtrat konstituieren, um dann bei Beginn der Legislatur wirklich arbeiten zu können. Würmli hingegen würde «Ruhe reinbringen». Ausserdem möchte sie den Stadtrat zu einem Team formieren. Ganz schlicht beantwortete Stöckling die Frage: «Ich würde meine Mitarbeiter begrüssen.»

Wie bereits beim Podium vor dem ersten Wahlgang durften die fünf Stadtpräsidiumskandidaten zum Schluss wiederum einschätzen, wie viele Prozent der Stimmen sie am 6. November wohl holen werden. «Es gibt nur Ja oder Nein, also lautet die Antwort 50 Prozent», sagte Peter Göldi. Rahel Würmli teilte diese Einschätzung. Der Bisherige Erich Zoller blieb bescheidener. Er schätzte seinen Stimmenanteil auf 20,1 Prozent ein, Martin Stöckling immerhin auf 40 und Hubert Zeis gar auf 40,01 Prozent, was im Publikum Gelächter auslöste.

Die über 300 Gäste lauschten gebannt der zweistündigen Diskussion, die abwechslungsreich und im Vergleich zum ersten Wahlpodium deutlich weniger aggressiv geführt wurde. Während sich der erste Diskussionsabend vorwiegend um Kesb und Tunnel drehte, kamen gestern Abend auch die Stadtplanung sowie der Graben zwischen Stadtrat und Bevölkerung zur Sprache.

Erstellt: 27.10.2016, 00:10 Uhr

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