Zum Hauptinhalt springen

Kritik an Luzerner PolizeiPolizei sorgt mit Festnahmebild für Ärger

Eine Polizistin fixiert eine Person mit dem Knie: Ein Werbebild, das an das Schicksal George Floyds erinnert, hat der Luzerner Polizei am Wochenende viel Kritik eingebracht. Nun hat sie sich entschuldigt.

Die Luzerner Polizei stellte in ihrer Kampagne eine korrekt durchgeführte Verhaftung dar, im Slogan «schnell – kompetent – hilfsbereit» ist «kompetent» hervorgehoben. Die Fixierung der Person mit dem Knie rief jedoch Erinnerungen an die tödliche Verhaftung von George Floyd in Minneapolis hervor.
Die Luzerner Polizei stellte in ihrer Kampagne eine korrekt durchgeführte Verhaftung dar, im Slogan «schnell – kompetent – hilfsbereit» ist «kompetent» hervorgehoben. Die Fixierung der Person mit dem Knie rief jedoch Erinnerungen an die tödliche Verhaftung von George Floyd in Minneapolis hervor.

Eine Werbekampagne der Luzerner Kantonspolizei sorgte in der Innerschweiz am Wochenende für Unruhe. In der Ausgabe der Zentralschweiz am Wochenende und auf Twitter schaltete die Behörde eine Anzeige mit einem Bild, das die Verhaftung eines Mannes zeigt. Eine Polizistin kniet dabei auf der Schulter der Person, macht Handschellen bereit und hält einen Arm der Person fest. Ihr Kollege kniet daneben, wohl auf dem anderen Arm. Begleitet wird das Bild vom Slogan «Schnell – kompetent – hilfsbereit» und «Jetzt bewerben».

Das Werbebild löste in den sozialen Medien sogleich zahlreiche Reaktionen aus, viele Leser fühlten sich dabei an die tödliche Verhaftung von George Floyd in Minneapolis erinnert, bei der ein Polizist fast neun Minuten lang auf dem Hals des Afroamerikaners kniete und der Mann kurz darauf verstarb. Sein Tod löste die Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA und vielen Teilen der Welt aus.

Das Bild erschien auch in der «Zentralschweiz am Wochenende», als Teil einer halbseitigen Werbung.
Das Bild erschien auch in der «Zentralschweiz am Wochenende», als Teil einer halbseitigen Werbung.
Bild: Zentralschweiz am Wochenende vom 6. Juni 2020

In diesem Umfeld hat sich die Luzerner Polizei mit ihrem Kampagnenbild gehörig ins Fettnäpfchen gesetzt, so der Tenor in den sozialen Medien. Viele Nutzer reagieren emotional und sprechen bei der Festnahmesituation von einer Darstellung von Polizeigewalt.

Kantonsrätin Rahel Estermann schreibt dazu, das Bild alleine sei derzeit ein No-go, die Kombination mit dem Slogan «hilfsbereit» macht die Grüne Politikerin noch wütender.

Die Polizei hat am Montag auf den Fauxpas vom Wochenende reagiert. Die erst seit dem 25. Mai überhaupt auf Twitter vertretene Behörde löschte den Beitrag und entschuldigte sich in einer offiziellen Medienmitteilung. «Im Zusammenhang mit dem tragischen Todesfall eines schwarzen US-Amerikaners bei einer Polizeikontrolle hat unsere Kampagne offenbar bei vielen Personen Gefühle verletzt», schreibt die Kommunikationsabteilung der Kantonspolizei.

«Die Luzerner Polizei distanziert sich von jeglicher Form von Gewalt und Rassismus und drückt ihre Anteilnahme am gewaltsamen Tod von George Floyd aus. In unserem Polizeikorps haben Gewalt und Rassismus keinen Platz. Falls wir mit unserer Rekrutierungskampagne Gefühle von Menschen verletzt haben sollten, bedauern wir dies.»

Die Luzerner Polizei lege grossen Wert darauf, dass ihre Polizistinnen und Polizisten während der zweijährigen Ausbildung und in Weiterbildungen mit den richtigen Festnahmetechniken ihre Arbeit kompetent und korrekt ausüben.

Fixierung auf Schulterblatt

Gegenüber dem SRF-«Regionaljournal Zentralschweiz» sagt Polizeisprecher Urs Wigger zudem, «das Ganze sei unglücklich gelaufen». Als der Fall aus den USA bekannt wurde, hätte die Polizei sensibler sein und das Bild aus der Kampagne entfernen müssen, gibt er zu. «Andererseits konnten wir nicht voraussehen, dass dieser Fall auch bei uns derart hohe Wellen schlagen würde.»

Die Luzerner Polizei führe jedes Jahr 2500 Verhaftungen durch, wenn sich Personen dagegen wehrten, müssten auch Fixierungen vorgenommen werden. Dabei werde jedoch nie ein Knie auf den Hals eines Verdächtigen gedrückt, wie das bei George Floyd der Fall war, sondern auf das Schulterblatt.

In Minneapolis, wo der 46-jährige Floyd bei der Festnahme starb, war die Fixierung auf dem Hals bislang erlaubt, in vielen Bundesstaaten ist diese, wie in den meisten europäischen Ländern, jedoch verboten. Mittlerweile hat auch Minneapolis das Gesetz geändert und verbietet Fixierungen auf dem Hals.

In der Rekrutierungskampagne auf ihrer Seite hat die Luzerner Polizei das umstrittene Bild ausgetauscht und setzt nun auf eine ganz andere Botschaft: Ein Polizist geleitet drei Kinder über einen Zebrastreifen, im Slogan hervorgehoben ist nun das Wort «hilfsbereit».

Bild: polizei.lu.ch

anf

17 Kommentare
    schuermann w.

    die Darstellung,der polizeiarbeit ist sicher nicht überdacht worden, dass eine Verhaftung vorkommt ist jedem klar, nicht alles lässt sich mit Kommunikation lösen.

    die Verhältnismässigkeit ist damit schlecht dargestellt. man stelle sich vor, die Verkehrsbetriebe machten Werbung, wie sie einen schwarzfahrer erwischen, jeder weiss die gibt es, aber sie sind keine Werbeträger.