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Erdrutsch in NorwegenPolizeichef hofft immer noch auf Überlebende

Nach dem Erdrutsch in Norwegen haben Rettungskräfte eine weitere Nacht lang nach Vermissten gesucht. Hunde könnten Verschüttete aufgespürt haben.

Die Suche geht weiter: Rettungskräfte suchen in der Kommune Gjerdrum nach Überlebenden.
Die Suche geht weiter: Rettungskräfte suchen in der Kommune Gjerdrum nach Überlebenden.
Foto: Tor Erik Schroeder (AFP)

Vier Tage nach einem heftigen Erdrutsch im Süden Norwegens haben die Rettungskräfte mittlerweile sieben Todesopfer im Katastrophengebiet gefunden. Nach dem ersten Fund am Neujahrstag und drei anderen am Samstag entdeckten die Einsatzkräfte am Sonntag drei weitere ums Leben gekommene Personen. Mehrere Menschen galten am Abend weiter als vermisst.

Die Retter gaben auch mehr als 100 Stunden nach der Katastrophe nicht die Hoffnung auf, Überlebende finden zu können. Die Suche konzentrierte sich auf einen Bereich, wo Hohlräume vermutet werden. Am Sonntagnachmittag haben Rettungshunde dort offenbar eine Witterung aufgenommen. Deshalb wollen die Einsatzkräfte am Montag dort weitersuchen.

Die Polizei hofft immer noch darauf, Überlebende zu finden, wie Einsatzleiter Roger Pettersen der norwegischen Zeitung Aftenposten sagt. Noch immer sei nicht das ganze Erdrutschgebiet abgesucht worden.

Kleines Mädchen unter Todesopfern

Unter den bislang sieben gefundenen Todesopfern des Erdrutsches in Norwegen ist auch ein zweijähriges Mädchen.

Die zuständige Polizei gab am späten Sonntagabend die Namen von vier weiteren umgekommenen Personen bekannt – neben dem 2018 geborenen Mädchen auch ihr 40 Jahre alter Vater sowie eine 54-Jährige und ein 29-Jähriger.

Bereits zuvor hatte die Polizei die Identität des ersten entdeckten Todesopfers, eines 31-jährigen Mannes, veröffentlicht. Damit sind bislang fünf der sieben gefundenen Opfer identifiziert.

Auch die 31 Jahre alte Mutter des kleinen Mädchens gehörte zu den ursprünglich zehn Vermissten. Ob sie zu den beiden bisher nicht identifizierten Toten zählt oder weiterhin vermisst wird, ist unklar. Nach Angaben des norwegischen Rundfunksenders NRK war die Frau schwanger.

König ringt um Worte

Das Schicksal der Menschen im Katastrophengebiet rund 30 Kilometer nordöstlich von Oslo hatte die Norweger über den Jahreswechsel begleitet. Auch die norwegische Königsfamilie zeigte ihre Anteilnahme. König Harald V. (83), Königin Sonja (83) und Kronprinz Haakon (47) reisten am Sonntag in die Kommune Gjerdrum, um sich mit Vertretern der Gemeinde, Einsatzkräften und Betroffenen zu treffen. In der Kirche der Kommune zündeten sie in Gedenken an die Opfer zudem Kerzen an. «Das ist völlig schrecklich», sagte Harald im Anschluss über das Unglück. «Es ist sehr schwer, das in Worte zu fassen.»

Ein 700 Meter breiter Krater: Der Blick aus der Luft zeigt das Ausmass der Verwüstung.
Ein 700 Meter breiter Krater: Der Blick aus der Luft zeigt das Ausmass der Verwüstung.
Foto: Cornelius Poppe (AFP)

Zu dem Erdrutsch in Ask war es bereits am frühen Morgen des 30. Dezembers gekommen, er hatte sich auf einer Länge von etwa 700 Metern und einer Breite von 300 Metern ausgedehnt und einen riesigen Krater hinterlassen. Mindestens zehn Menschen erlitten Verletzungen, neun Häuser mit mehr als 30 Wohneinheiten stürzten ein. Rund 1000 Menschen wurden bislang in Sicherheit gebracht.

Freund von Tennisprofi identifiziert

Der Untergrund in Teilen des verschneiten Unglücksgebiets war nach dem Abgang zunächst so instabil gewesen, dass es zu gefährlich für die Rettungskräfte war, ihn zu betreten. Stattdessen wurde mit Helikopter und Drohnen nach Überlebenden gesucht. Seit Freitag konnten dann Retter und Polizeihunde auch zu Fuss in die rote Zone des Gebiets geschickt werden, woraufhin die erste Leiche gefunden wurde.

Nach dem verheerenden Erdrutsch suchen Rettungskräfte schon seit Tagen nach Verschütteten.
Video: TV2

Beim ersten identifizierten Todesopfer handelt es sich um einen 31-jährigen Mann. Dieser war offenbar ein Freund des norwegischen Weltklasse-Tennisprofis Casper Ruud. «Wir haben eine fantastische Person und einen fantastischen Mitbürger verloren. Ich habe einen Freund, Kollegen und einen wichtigen Mitstreiter in meinem Team verloren», schrieb der 22-Jährige auf Instagram. Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB hat der 31-Jährige mit mehreren Sportprofis zusammengearbeitet und eine Führungsposition in einer Gesellschaft innegehabt, die er zusammen mit Ruud betrieben hat.

Zehn Menschen hatten als vermisst gegolten. Unter ihnen waren Männer, Frauen und zwei Mädchen im Alter von zwei und 13 Jahren.

sda/red