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Bilanz der Aktion Flying HomePreise des Bundes für die Rückholflüge sind zu tief

1100 Franken verlangt der Bund für einen Platz auf einem Sonderflug vom Kongo in die Schweiz. Etwa so viel, wie diese Reise auch vor Corona gekostet hätte.

Boarding in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo: Am 14. April flog Edelweiss im Auftrag des Bundes 172 Passagiere nach Zürich.
Foto: Schweizer Botschaft im Kongo / Twitter

Bevor am 14. April eine Maschine der Edelweiss 65 Schweizer und 107 Bürger anderer Staaten von Kinshasa nach Zürich ausfliegen konnte, musste ein enormer Aufwand betrieben werden. In einem Beitrag des Schweizer Fernsehens beschreibt Hans-Peter Lenz, der oberste Krisenmanager des Aussendepartements EDA, wie schwierig der bürokratische Prozess war, bis die Demokratische Republik Kongo den Flug trotz Corona-Pandemie zuliess. Auch für das Personal der Airline war es kein einfacher Flug. Edelweiss fliegt die Destination sonst nicht an. Die Crew musste sich also intensiv vorbereiten. Zudem wurde als Vorsichtsmassnahme vor dem Abflug in Zürich mehr Kerosin und Wasser getankt, als nötig gewesen wäre.

Am Freitag nun teilte das EDA mit, was die Passagiere für ihre «Rettung» aus dem Kongo bezahlen müssen: 1100 Franken. Der Bund hat sich entschieden, Pauschalpreise zu verlangen. Für Rückholflüge auf Kurzstrecken (bis 1500 Kilometer) wird die Kostenbeteiligung 400 Franken betragen, für Mittelstrecken (1500 bis 3500 Kilometer) 600 Franken und für Langstrecken (über 3500 Kilometer) 1100 Franken. Flüge über 12’000 Kilometer werden 1700 Franken kosten. Die Rechnung wird den Passagieren – Schweizern und Ausländern – erst jetzt zugestellt. Vor dem Abflug mussten sie eine entsprechende Vereinbarung unterschreiben.

«Wir haben nur die reinen Flugkosten berücksichtigt.»

Hans-Peter Lenz, EDA

Das EDA spricht von «marktüblichen Preisen». Sie reichten, um rund 80 Prozent der Kosten zu decken. Rund 10 Millionen Franken habe die Aktion Flying Home bislang gekostet. Insgesamt wurden 33 Flüge für rund 7000 Passagiere durchgeführt. Knapp 4000 davon waren Schweizerinnen und Schweizer.

Auf Nachfrage sagte Hans-Peter Lenz dann aber, man habe nur die reinen Flugkosten berücksichtigt: «Wir haben keine Vollkostenrechnung gemacht.» Es seien weder der Aufwand für den Transport der Passagiere zum Flughafen noch der Aufwand und die Arbeitsstunden der Mitarbeiter des Bundes enthalten.

Eine Viertelmillion für den Flug in den Kongo?

Rund 190’000 Franken wird das EDA im Fall des Fluges von Kinshasa einnehmen – wenn alle Passagiere zahlen. Die reinen Flugkosten dürften demnach eine Viertelmillion betragen haben.

Edelweiss will zu keinem ihrer Flüge Zahlen nennen. Über den Preis sei mit dem Bund Stillschweigen vereinbart worden. Die gleiche Antwort kommt von der Swiss. «Was wir vom Bund erhalten haben, war für uns kostendeckend. Wir haben einen pauschalen, marktüblichen Charterpreis für Hin- und Rückflug vom EDA verlangt», teilt Edelweiss mit. Auch die Swiss gibt an, sie habe mit den Flügen keinen Gewinn erzielt. Auch weil die besonderen Kosten, getrieben durch Komplexität, Leerflüge und Planungsaufwand dieser Einsätze, hätten gedeckt werden müssen.

Boarding in Kiew, Ukraine: Am 16. April flog die Swiss im Auftrag des Bundes 104 Passagiere via Podgorica, Montenegro, nach Zürich.
Foto: Schweizer Botschaft in der Ukraine / Twitter

Zur Finanzierung der Flüge beigetragen hat, dass die Airlines freie Kapazitäten für den Transport von Frachtgut nutzen durften. Vor allem auf den Hinflügen, auf denen in der Regel keine oder nur wenige Passagiere dabei waren. «Um einen Beitrag an die Kosten zu leisten, haben Swiss und Edelweiss die offene Frachtkapazität jeweils auf dem Markt ausgeschrieben», teilt eine Sprecherin der Swiss mit. Die dadurch entstandenen Deckungsbeiträge seien in der Schlussrechnung zugunsten des EDA jeweilig angerechnet worden.

Die Zeit der Rückholflüge ist inzwischen fast vorbei. Geplant sind noch zwei: Am Samstag sollen Gestrandete aus Indien ausgeflogen werden und am nächsten Mittwoch aus Ghana, der Elfenbeinküste und Burkina Faso. Laut dem EDA sind noch einige Hundert Schweizer im Ausland gestrandet. Um diese werden sich bis auf weiteres die Diplomaten vor Ort kümmern.