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«Stopp Corona»-AppÖsterreich könnte Massnahmen lockern

Am Wochenende gab es in Österreich erstmals mehr Genesene als neu mit dem Coronavirus Infizierte. Nun gibt es Pläne, nach Ostern mehr Bewegungsfreiheit zuzulassen.

In Österreich sollen künftig per Handy-App alle Personen informiert werden, die Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Menschen gehabt haben.
In Österreich sollen künftig per Handy-App alle Personen informiert werden, die Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Menschen gehabt haben.
Foto: Thomas Kronsteiner (Getty Images)

Österreich setzt zur Durchbrechung der Infektionskette auf eine vom Roten Kreuz entwickelte App namens «Stopp Corona». Für Aufsehen sorgte dabei Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka, der sich im Magazin «Profil» dafür aussprach, die Bürger zur Nutzung der App zu verpflichten. Der ÖVP-Politiker, der als Vertrauter von Bundeskanzler Sebastian Kurz gilt, ruderte nach heftiger Kritik zurück und erklärte, «wir bleiben auf dem Weg der Freiwilligkeit».

Die möglichst breite Nutzung der App gilt als wichtige Begleitmassnahme bei einer von der Regierung in Aussicht gestellten Lockerung der Beschränkungen, nachdem es am Wochenende in Österreich erstmals mehr Genesene als Neuinfizierte gab.

Hoffnung auf freiwillige Nutzung der App

Insgesamt gab es bis Sonntag knapp 12’000 Corona-Fälle und 204 Tote. Die politische Diskussion um die Nutzung von grossen Datenmengen zur Eindämmung der Corona-Ausbreitung ist von Kanzler Kurz immer wieder angestossen worden, ohne dass er sich bislang selber auf Art und Umfang festgelegt hat. Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen sprach sich nach dem Sobotka-Vorstoss deutlich gegen eine verpflichtende App aus. Er setzt darauf, dass sich ein sehr grosser Prozentsatz der Bevölkerung freiwillig für die Nutzung entscheidet.

Auf dem Markt ist die «Stopp Corona»-App seit Ende März, bislang wurden rund 200’000 Nutzer verzeichnet. Sie funktioniert wie ein Kontakttagebuch, bei dem persönliche Begegnungen via Bluetooth mit einem sogenannten digitalen Handschlag anonymisiert gespeichert werden.

Im Falle einer gemeldeten Infektion werden alle Kontaktpersonen der zurückliegenden 48 Stunden informiert. Am nächsten Donnerstag soll es eine Aktualisierung geben, bei der die Kontakte auf Wunsch automatisch gespeichert werden. Dann sollen auch Verdachtsmeldungen verschickt werden können. Nach Angaben des österreichischen Roten Kreuzes wäre dies dann die erste App mit diesen Funktionen in Europa.

9 Kommentare
    Jacquemoud Ph

    Der Fall Östereich ist einzigartig in Europa: extrem frühe und radikal strenge Massnahmen haben die Verbreitung so gut wie erstickt. Was passiert bei einer Lockerung? Wird man mit App und Teststrategie fähig sein, kurz- und langfristig eine erneute Welle verhindern können? Das wünsche ich den Östereichern vom Herzen. Alle asiatische Ländern, die einen ähnlichen Weg gefolgt sind, scheinen Schwierigkeit zu haben, den Erfolg nachhaltig zu halten, da die Autoimmunität durch Genesene nicht genug verbreitet ist. Ob eine Lockerung bei schwerer betroffenen Ländern wie Italien diesbezüglich weniger gefährdend wirken wird? Mehr Fragen als Antworten. Verheerende Situation.