Pro & Kontra

Hilft ein Schülerstreik wirklich dem Klima?

Am Freitag gingen erneut weltweit Schüler auf die Strasse, um fürs Klima zu streiken. Es ist der grösste Streik seit Beginn der Bewegung.

Der Klimastreik ist zur Bewegung geworden. Hilft es dem Klima, wenn Schüler auf die Strasse gehen?

Der Klimastreik ist zur Bewegung geworden. Hilft es dem Klima, wenn Schüler auf die Strasse gehen? Bild: mad

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«Ja»Stefan Bill, Praktikant

Seit über 50 Jahren sind sich Politiker und Unternehmer des Klimawandels bewusst. Doch statt konkrete Massnahmen zu ergreifen, treffen sie sich auf Konferenzen – zu denen sie mit ihren Privatjets fliegen. Nur um danach nicht bindende Papiere zu unterschreiben. Nun wehrt sich die «politfaule Jugend» für ihre Zukunft und ruft damit prompt sie belächelnde Kritiker auf den Plan.

Für manche mag es sinnfrei erscheinen, wenn Schüler statt in die Schule auf die Strasse gehen und Parolen in die Welt schreien. Doch diese jungen Menschen – zu deren Generation ich mich selbst noch knapp zähle – wurden in eine Welt geboren, die von ihren Vorfahren bereits arg ausgebeutet wurde. Das macht wütend und bereitet Angst.

Aber statt uns ernst zu nehmen, werden wir von den Verursachern des Problems kritisiert. Denn auch wir würden unseren Teil zum Problem beitragen. Wir flögen nach Dubai in die Ferien, trügen Kleider aus Indonesien und ässen Bananen aus Kolumbien, so die Vorwürfe. Und sie haben recht.

Doch Klimaaktivisten zu verurteilen, weil sie Teil des Systems sind, das sie kritisieren, ist zu einfach. Der nötige Wandel kann nicht von einzelnen Konsumentscheidungen abhängig gemacht werden. Niemand wird die Welt mit seinem persönlichen Verzicht auf Flugreisen retten! Denn laut einem Report von Carbon Disclosure Project, einem Non-Profit-Unternehmen, das den Klimawandel untersucht, gehen über 70 Prozent der klimaschädlichen CO2-Emissionen weltweit auf die Kappe von gerade einmal 100 Firmen. Es muss sich also im grossen Stil etwas ändern.

Was genau, kann ich auch nicht sagen. Aber wir wollen jenen auf die Füsse treten, die aufgrund ihrer Position, ihres Einflusses oder auch ihres Kapitals die Möglichkeit hätten, wirklich etwas zu ändern. Natürlich haben diese kein Interesse daran. Sie haben es der jetzigen Sachlage zu verdanken, dass sie in eben dieser Position sind.

Doch wenn ein einziges Mädchen aus Schweden es schafft, Tausende Menschen auf die Strasse zu bringen, muss es eine ganze Generation schaffen, jenen ein Umdenken aufzuzwingen, die auch etwas ändern können. Wir haben noch das Privileg, Angst um unsere Zukunft haben zu können. Doch wenn sich nichts ändert, haben unsere Kinder keine Zukunft mehr, um die sie sich sorgen müssten.

«Nein»Florian Schaer, Redakteur

Auf zum Klimastreik! Schüler aller Länder vereinigt euch! Und fordert… ja, was fordert ihr eigentlich? Egal, erst einmal wird gemeinsam protestiert. Das gibt dieses pädagogisch so wertvolle Gefühl von Gemeinschaft, von Bewegung.

«Wenn fangt de Streik a?» will Nutzerin binia.zh auf Instagram wissen. «Am eis.» Juhuu, schulfrei! Regenschirm wird empfohlen. Protestieren wogegen? Seid kreativ! Ihr wisst schon: Das CO2, der Konsum und der Kapitalismus. Ballt die Faust gegen «die Reichen» und «die bösen Firmen». Und gegen «die Politiker», die immer nur blöd demokratisch debattieren statt endlich etwas zu tun!

Es gibt nur eine Regel, Kinder: Wendet euch nie gegen etwas, was Befürworter haben könnte! Sonst wirds plötzlich noch ernst, mit Gegendemos und so Zeug. Ihr sollt da friedlich einen lehrreichen Nachmittag zusammen verbringen. Einen Workshop.

Die nötigen Allgemeinplätzchen stehen auf der offiziellen Klimastreikwebsite: «Ausrufen des Klimanotstands!» Klingt doch rebellisch! «Den Schuldigen der Klimakrise zeigen, dass wir es so, wie es ist, nicht mehr akzeptieren werden!» Einfach nie sagen, wer diese Schuldigen sind. Eigentlich ist doch jeder ein bisschen und niemand wirklich schuld.

Ja, ich weiss: Die Jugend will auf die Klimaproblematik aufmerksam machen und sich einsetzen. Ist das denn so falsch? Nein. Aber was da geäussert wird, ist so lange im Political-Correctness-Weichspülgang auf mediale Verträglichkeit getrimmt worden, dass man es als Politiker oder auch als Fernsehzuschauer im besten Fall als lauwarmes Infotainment über sich ergehen lässt.

Was würde als Forderung ernst genommen? Ein gesetzliches Verbot der Fleischproduktion wäre konkret. Eine PS-Begrenzung für Privatwagen? Oder eine ausdruckbare Boykottliste aller Produkte, die mit riesigen Diesel-Frachtern über die Weltmeere geschippert werden. Das wäre handfest.

Nur eben: Fleisch, Autos und billige Smartphones haben echte Befürworter, die sich auch wehrten. Danke, da bleiben die «Klimastreikler» lieber bei ihren diffusen Forderungen nach «Klimagerechtigkeit» und «Klimanotstand». Und schreiben dann ultimativ: «Falls diesen Forderungen im aktuellen System nicht nachgekommen werden kann, braucht es einen Systemwandel.» Ah so, na, das ist ja mal ein klarer Punkt! (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.03.2019, 09:54 Uhr

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